Vermischtes

18. Februar 2012

Rom. Unter großer Beachtung der Öffentlichkeit traf sich am heutigen Samstag in einem Zwergstaat innerhalb der italienischen Hauptstadt die Führung eines international tätigen Vereins, dessen Mission im Wesentlichen in der Verbreitung seiner Überzeugungen besteht, das Universum sei von einer aus drei vereinten Personen bestehenden Entität erschaffen und heute noch maßgeblich beeinflusst, die für den menschlichen Verstand nicht fassbar ist, deren Haltung in Bezug auf konkrete Sexualpraktiken und biotechnologische Verfahren dem Verein aber im Detail bekannt sind. Der Verein sieht sich in der Nachfolge der Anhänger der zweiten Person dieser unverständlichen, aber jeden einzelnen Menschen liebenden Entität, die als Mensch in die Welt getreten ist, um sich von den von ihr geliebten Menschen zu Tode foltern zu lassen, weil die Entität der Menschheit nur auf diese Weise dafür vergeben konnte, dass ihre Vorfahren sich von einer sprechenden Schlange dazu haben verleiten lassen, eine Frucht zu essen, deren Verzehr ihr von der Entität nachdrücklich untersagt worden war.

Das heutige Treffen – das sogenannte Konsistorium - fand vorrangig statt, damit das absolutistische Oberhaupt sowohl des Zwergstaates als auch des Vereins, das angeblich als Stellvertreter der allmächtigen und unbegreiflichen Entität auf Erden fungieren und befähigt sein soll, in besonderen Einzelfällen unfehlbar die Wahrheit zu verkünden, den 22 neu ernannten Führungskräften des Vereins eine besondere rote Kopfbedeckung mit mehreren Hörnern und einer Quaste aufsetzen und so der Berufung Rechtswirksamkeit verleihen konnte. Die neu ernannten Amtsträger sind nun unter anderem berechtigt, an der Wahl ihres Diktators teilzunehmen, haben Anspruch auf die Anrede “Eminenz” und dürfen an jedem Ort der Welt Menschen im Namen der allmächtigen unbegreiflichen Entität, der der Verein dient, für jede Verfehlung Vergebung gewähren (“Bußsakrament”). Eine Beteiligung der Opfer ist hierfür nicht erforderlich.

Der Verein schöpft seine Positionen zur Ethik aus einer jahrtausendealten Sammlung von Schriften verschiedener, unbekannter Autoren, die sich untereinander widersprechen und unter anderem die Steinigung ungehorsamer Kinder und Homosexueller sowie die Haltung von Sklaven vorsehen, fand sich in den letzten Jahren oft in den Schlagzeilen, weil seine Mitglieder unter Deckung seiner höchsten Führungskräfte Kinder vergewaltigten und gilt allgemein als eine der weltweit bedeutsamsten moralischen Autoritäten.


Offensichtlicher Blödsinn

24. November 2011

Bei dem Unternehmen Bayer Healthcare AG werden auch in Zukunft Außendienstmitarbeiter, die auf blonde Frauen mit Sommersprossen stehen, grundsätzlich nicht mit ihren Partnerinnen gemeinsam ihren Dienstwagen nutzen dürfen.

Widernatürlich und schöpfungswidrig: Sommersprossen

Alle vier Gesprächskreise des Pharmakonzerns kündigten am Dienstag in Leverkusen an, diesen Grundsatz nicht anzutasten und lediglich in Einzelfällen blonden, sommersprossigen Paaren das gemeinsame Fahren im Firmenfahrzeug zu eröffnen.

Am kritischsten zur gegenwärtigen Regelung äußerte sich der liberale Gesprächskreis «Offene Bayer AG». Dessen Voristzende Sabine Kreisker sprach sich für die Gleichbehandlung solcher Paare und die grundsätzliche Öffnung der Dienstwagen für diese Personengruppe aus. «Schweren Herzens» sei man aber bereit, im Interesse der betroffenen Außendienstmitarbeiter an der bisherigen Einzelfallregelung festzuhalten, sofern sie rechtssicher als Betriebsvereinbarung oder in einem Tarifvertrag festgeschrieben werde.

Hans Winter vom konservativen Gesprächskreis «Lebendige Bayer AG» wies darauf hin, dass er mal ein altes Buch gelesen habe, das die Zuneigung zu blonden Frauen mit Sommersprossen durchgängig negativ bewerte. Derartige Paare im Dienstwagen könnten keine betrieblich legitimierte Praxis sein. Winter warb dafür, dass die Bayer AG auch arbeitsmedizinische Initiativen für Menschen unterstützt, die ihre Neigung zu blonden, sommersprossigen Frauen nicht ausleben wollten.

Abteilungsleiter Heinz Gosen von der als gemäßigt geltenden Gruppierung «CSR und Bayer» sagte: «Es geht, wenn es im Betrieb geht.» Man stehe voll und ganz hinter dem Leitbild Familie im Dienstwagen, das werde auch auf Dauer so bleiben. Deshalb könne nur wie bisher im Einzelfall ausgelotet werden, welcher Handlungsspielraum für Mitarbeiter mit vorliebe für blonde Haare und Sommersprossen bestehe.

Karl Franz von der sich als Reformbewegung verstehenden «Bayer AG für morgen» sprach sich ebenfalls für die Einzelfallregelung aus. Diese sei «kein betriebswirtschaftlicher, sondern ein politischer Kompromiss». Da gelebte Liebe zu blonden Frauen mit Sommersprossen von den Kunden der Bayer AG unterschiedlich beurteilt werde, setze man sich für eine Regelung ein, die bei möglichst vielen Menschen Akzeptanz finde.

(Quelle: epd)


How it should have ended

22. September 2011

Im Berliner Stadtteil Tiergarten wurde am heutigen Vormittag ein offenbar verwirrter älterer Mann aufgegriffen. Der weißhaarige Herr war zwei Polizisten aufgrund seiner ungewöhnlichen Kleidung aufgefallen. Auf Ansprache reagierte er zunächst unauffällig und schien zurechnungsfähig, doch auf eingehendere Nachfragen stellte sich heraus, dass der Mann offenbar unter Wahnvorstellungen leidet. Der noch Unbekannte bezeichnete sich nach Angaben des Pressesprechers der Berliner Polizei als Stellvertreter eines vor Jahrtausenden verstorbenen jüdischen Wanderpredigers und versicherte, in regelmäßigem Kontakt mit einer allmächtigen, körperlosen Entität zu stehen, die nicht nur die Erde und alles Leben auf ihr erschaffen habe, sondern auch das gesamte Universum in allen Details zu jeder Zeit vollständig kontrolliere. Auch weitere Äußerungen des Mannes belegen eine gestörte Wahrnehmung der Realität: So erklärte er beispielsweise, gelegentlich unfehlbare Wahrheit zu verkünden, dazu aber nur sehr selten unter besondere Umständen in der Lage zu sein, und zeigte sich zutiefst betrübt über die Reaktion der Beamten. Ihre Skepsis gegenüber seinen Behauptungen sei gerade im Blick auf die dunklen Seiten der deutschen Geschichte höchst besorgniserregend, da die Rückbindung an einen unsichtbaren Zauberer Voraussetzung für echte Freiheit und Grundlage für ein gelingendes Miteinander in der Gesellschaft sei.

Aufgrund seines anscheinend labilen Geisteszustandes nahmen die Polizisten ihn vorläufig in Gewahrsam. Allerdings zeige er keinerlei Anzeichen von Gewaltbereitschaft und betone im Gegenteil sogar immer wieder die hohe Bedeutung von “Nächstenliebe”. Zwar könne nicht ausgeschlossen werden, dass er aufgrund seiner Persönlichkeitsstörung eine Bedrohung für andere oder sich selbst darstellen könnte. Als wahrscheinlich erachten die Beamten dies allerdings nicht und beabsichtigen, ihn deshalb in Kürze wieder auf freien Fuß zu setzen. Wie eine Quelle innerhalb der Behörde dieser Zeitung mitteilte, könnte der über Achtzigjährige wegen seines Alters höchstens für Kinder gefährlich werden.


Es ist doch eigentlich ganz einfach

15. September 2011

Diskutiert ihr auch manchmal mit Christen über Moral? Ich meinte natürlich: mit dieser besonderen Art Christen, die nicht begreifen kann, dass man für Moral keinen Gott braucht? Die sind ja glücklicherweise nicht alle so. Fragt ihr euch auch manchmal, warum das so schwierig ist?

Ganz einfach: Ihr macht es falsch. Und ich zeige euch jetzt mal, wie’s geht. Hier ist der offizielle überschaubare-Relevanz-Guide für Moraldiskussionen mit dieser Art Christen. Und er kostet euch keinen Cent. So geht’s. Einfach vorlesen:

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We need to go derper!

12. Juli 2011

EU-Kommissar Michel Barnier möchte gerne Bewertungen für Staaten verbieten, denen durch internationale Kreditprogramme geholfen wird.

Das ist zwar erst mal eine tolle Idee, aber ich finde, dass Herr Barnier das Potenzial seines revolutionären Vorschlags auf das Traurigste verkennt. Warum nicht groß denken? Warum nicht gleich die gesamte Weltwirtschaft auf eine völlig neue Stufe heben?

Denkt doch mal mit mir nach. Stellt euch vor, man würde nicht einfach jede Bewertung nur für ein paar Staaten verbieten, sondern nur schlechte Bewertungen, und zwar für jeden! Stellt euch mit mir vor, jeder Mensch, jede juristische Person, jede Gesellschaft, jede Körperschaft, jeder Staat, hätte einen Rechtsanspruch auf ein Triple-A-Rating!

Versteht ihr, worauf ich hinaus will? Versteht ihr, was es bedeutete, wenn jeder von uns bei jedem Kreditantrag eine erstklassige Bonität vorweisen könnte? Genau! Die niedrigsten Zinsen für alle!

Ich habe jetzt noch nicht genau ausgerechnet, wie viel man dadurch gesamtgesellschaftlich sparen würde, aber der Effekt dürfte kolossal sein. Und der größte Clou: Diese Maßnahme würde am meisten den Leuten helfen, die innovative, riskante, avantgardistische Ideen haben und deshalb bisher kaum Kredite bekommen konnten. Damit stünde dem Weg in eine Zukunft voller bisher unvorstellbarer Technologien und bahnbrechender Geschäftsmodelle nichts mehr im Weg.

Schließt euch meiner Forderung an und zeichnet noch heute meine Petition “AAA ist ein Menschenrecht”! Eine bessere Welt ist möglich.


You keep using that word. I do not think it means what you think it means.

22. Juni 2011

Seit langerlangerlangerlanger Zeit habe ich hier den Entwurf eines Entwurfs einer Idee eines Anfangs eines christlichen Wörterbuches hier herumliegen, und nachdem ich kürzlich via Der Postillon das energetisch schwingende Wörterbuch entdeckt habe, erwachte in mir wieder der Ehrgeiz, das Konzept zur Veröffentlichungsreife zu peitschen. Ob mir das gelungen ist, müsst ihr mir sagen. Ich bin auf jeden Fall offen für Ergänzungen und Kritik, und ich weiß natürlich, dass ganz ganz viele wichtige Stichwörter noch fehlen.

Vielleicht sollte man mal versuchen, ein Wiki draus zu machen. Oder gibt es womöglich schon eins? Egal. Erst mal zur Sache:

Allwissenheit: Eine mal mehr, mal weniger vage Vorstellung davon, was möglicherweise passieren könnte.

Arroganz: Zweifel an der Idee, dass die Milliarden von Galaxien unseres Universums mit dem hauptsächlichen Ziel geschaffen wurden, uns einen abwechslungsreicheren Nachthimmel zu verschaffen.

Atheist: Jemand, der einerseits vorgibt, genau zu wissen, dass nicht nur der christliche Gott nicht existiert, sondern dass es überhaupt nichts gibt, das die heutige Wissenschaft nicht vollständig bis ins letzte Detail erklären kann und dass man nicht sehen und anfassen kann, der sich selbst für allwissend und allmächtig hält, aber gleichzeitig tief in seinem Innern genau weiß, dass der christliche Gott doch existiert, ihn aber hasst, weil er ihn vom Sündigen abhalten will, das der ->Atheist über alles liebt, weil sein erbärmliches Leben ja ansonsten keinen ->Sinn hat. Die Haltung von ->Atheisten ist zutiefst ->arrogant und ->intolerant.

Bibel: Das Heilige, Unfehlbare und Für Alles Maßgebliche Wort des Einen Allwissenden Allmächtigen Schöpfers des Universums, das man natürlich unter keinen Umständen wörtlich nehmen darf und dessen einzige relevante Aussage im Prinzip lautet: “Liebe deinen Nächsten”. Alles andere ist metaphorisch gemeint oder zumindest im ->Kontext auszulegen.

Christ (im Zusammenhang mit konkreten theologischen Fragen): Der Sprecher selbst, unter Umständen noch seine nächsten Angehörigen.

Christ (im Zusammenhang mit Statistiken, “christlichen Werten” und dem “christlichen Abendland”): So ziemlich jeder, der noch keine Kirche angezündet hat.

Ewige Verdammnis, See aus Feuer, endlose Verzweiflung und Leid, mit eisernem Stabe geweidet werden etc.: Metaphern für einen selbst gewählten Zustand moderater Unzufrieden oder zumindest nicht ganz perfekten Glücks.

Gläubig (Wie in: wissenschaftsgläubig): Jemand, der die Aussagen einer Autorität unreflektiert akzeptiert. Kindisch und erbärmlich.

Gläubig (Wie in: gottgläubig): Jemand, der die Aussagen einer Autorität unreflektiert akzeptiert. Zeichen eines moralisch und intellektuell hervorragend entwickelten Verstandes.

Gott, Codename “der Eifersüchtige” (Exodus 34:14):  Kein objekthaftes übernatürliches Wesen außerhalb von Raum und Zeit, kein im Himmel (lokal verstanden) thronender Übervater, der die Welt „gemacht“ hat, sondern ein allgegenwärtiges Sein, das sich zugleich in Differenz (nicht Distanz) und in Einheit (nicht Gleichheit) zum Sein der Welt verhält und total sauer wird, wenn man vor einer Statue kniet, die ihm nicht ähnlich sieht. Gott ist ->Liebe.

Intoleranz: Leuten widersprechen, die zum Beispiel Homosexualität als “->widernatürlich und schöpfungswidrig” und Homosexuelle als “Sünder” bezeichnen.

Kontext: Bei der Auslegung der ->Bibel unverzichtbar, um nicht die eigenen Kinder steinigen zu müssen, Kleider aus verschiedenen Stoffen tragen und sich die Haare schneiden zu dürfen. ->Atheisten sind vollständig unfähig, Verse der ->Bibel im richtigen ->Kontext auszulegen.

Liebe: “Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie blähet sich nicht, sie stellet sich nicht ungebärdig, sie suchet nicht das Ihre, sie läßt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht der Ungerechtigkeit, sie freut sich aber der Wahrheit;  sie verträgt alles, sie glaubet alles, sie hoffet alles, sie duldet alles.” (1. Korinter 13:4ff.)
S. ->Gott, der ist nämlich ->Liebe, wenn man davon absieht, dass er weder besonders langmütig noch freundlich ist, sich selbst “der Eifersüchtige” nennt, regelmäßig Mutwillen treibt, sich aufbläht, sich ungebärdig stellt, das Seine sucht, sich leicht verbittern lässt und Böses zurechnet, sich gelegentlich der Ungerechtigkeit und der Unwahrheit freut, weder alles glaubt noch hofft, noch alles verträgt, und erst recht nicht alles duldet. Der Rest stimmt aber.

Menschenopfer: Grausamer heidnischer Brauch, den der christliche ->Gott niemals akzeptieren würde. Bis auf dieses eine Mal, aber das zählt nicht. Und das andere Mal, aber das zählt nun wirklich nicht. Und das dritte Mal, aber das war ja nun echt was ganz anderes.

Moral: Die willkürlichen Anweisungen eines ->Gottes. ->Atheisten können demnach logischerweise keine haben.

Natürlich: ->Gottes Willen entsprechend. Wir müssen unsere sündige Natur überwinden, um uns natürlich zu verhalten. S. ->widernatürlich.

Religiös: s. ->gläubig.

Sinn (des Lebens etc.):  Das von einem allmächtigen Wesen (->Gott) fremdbestimmte Ziel unserer Existenz. Unbedingte Voraussetzung für ein freies, selbstbestimmtes Leben.

Sterben, an dem Tage, an dem du von ihm issest: Mehrere hundert Jahre lang leben.

Sterben, ansonsten: Sterben.

Tieropfer: Grausamer heidnischer Brauch, der dem christlichen ->Gott früher großes Vergnügen bereitet hat, aber er hat aufgehört. Mit Pflastern wahrscheinlich.

Toleranz: Andere Leute als “->widernatürlich und schöpfungswidrig” und “Sünder” bezeichnen, ohne sie damit als Person anzugreifen, zu beleidigen oder zu verurteilen.

Widernatürlich: Der menschlichen Natur entsprechend, s. ->natürlich.


De Maizière findet Hekatombe für Taliban sinnvoll

3. Juni 2011

Erneut ist ein Bundeswehrsoldat bei einem Anschlag in Afghanistan getötet worden. Verteidigungsminister Thomas de Maizière zeigt sich erschüttert – und bezeichnet ein Opfer von hundert Rindern an den Gott Zeus für die radikalislamischen Taliban als “nötig und sinnvoll”.

Quelle: Campus-Zeitung caz, Dresden, Urheber: Tobias Krecht

“In unseren Gedanken und mit unseren Tieropfergaben an die Olympischen Götter sind wir bei dem Gefallenen, seiner Familie und seinen Angehörigen”, sagte de Maizière am Donnerstag bei einer Pressekonferenz auf dem Olympischen Tempeltag in Dresden. Er halte aber auch massenhafte Tieropfer für die radikalislamischen Taliban für sinnvoll: “Das Opfern hunderter Stiere, Ziegen, Lämmer und Esel an Zeus, Ares und Pallas Athene für Täter und Opfer – für Opfer gleich welcher Nation – ist gut und richtig. Insoweit ist auch eine Hekatombe im Namen des blitzeschleudernden Götterfürsten und seiner Nachkommen für die Taliban nötig und sinnvoll.” Allerdings ersetze das Blutopfer nicht die praktische Politik. “Es kann die Basis dafür sein, es kann eine große Hilfe sein, aber es kann nicht alles sein”, so de Maizière.

Der Verteidigungsminister, der dem Tempeltagspräsidium angehört, reagierte damit auf Äußerungen der populären Theologin Margot Käßmann. Die frühere Ratsvorsitzende der Olympischen Tempelgemeinschaft in Deutschland hatte am Vormittag vor mehreren tausend Menschen eine gemeinsame Opfergabe mit den Taliban als eine “wesentlich bessere Idee als die Bombardierung von Tanklastwagen” bezeichnet.


It’s-a me!

23. Mai 2011

Manche Leute sind ja der Meinung, eine wissenschaftlich-skeptische Weltsicht lasse sich nicht mit der Überzeugung vereinbaren, dass Super Mario wirklich existiert, genau wie sein Bruder Luigi und die vielen süßen kleinen Toadpeople, oder wie die heißen. Ich dachte früher auch mal so.

Glücklicherweise weiß ich es jetzt besser, und ich will euch helfen, auch den Weg zur Wahrheit zu finden.

Ich unternehme deshalb nun den Versuch, Naturwissenschaft und den Glauben an die Realität von Nintendo-Spielen nicht mehr als Gegensätze, sondern als aufeinander angewiesen zu begreifen und miteinander ins Gespräch zu bringen, in einen echten Dialog, der disziplinäre Grenzen behutsam überwindet, ohne in kulturimperialistischer Weise den Beitrag der jeweils anderen Art, die Welt zu sehen, zu missachten, und ich würde mich über alle Maßen freuen, wenn ein paar besonders Gelangweilte Mutige unter euch mich dabei begleiten würden.

Es ist doch so: Selbstverständlich spricht vieles dafür, dass die wissenschaftliche Methode der einzige zuverlässige Weg zur Wahrheit ist, und tatsächlich ist Wissenschaft eine sehr nützliche Sache und funktioniert im Alltag auch ganz tadellos.

Aber seien wir ehrlich, Wissenschaft gibt auf manche Fragen einfach keine befriedigenden Antworten. Um nur ein paar Beispiele zu nennen: Wer hat Prinzessin Peach entführt? Wie viele Münzen passen in einen Fragezeichenblock? Was für eine Art Tier ist Bowser eigentlich?

Antworten auf all diese Fragen findet man nur bei Nintendo, und beim Glauben an die Wahrheit Marios.

Aber, kann ich euch sagen hören, wie soll das denn zusammengehen? Wissenschaft und Glaube an die Sternengeister? Natürlich geht das! Hawking und die Sternengeister schließen einander nicht aus. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass man Begriffe wie “Mario”, “Bowser” oder “Goomba” richtig deutet.

Ein naives Mario-Bild wie das des latzhosentragenden Klempners, der mit dem Kopf gegen Ziegelmauern springt, ohne je Schaden davon zu tragen, wird von Mario-Gegnern oft eingesetzt, um den Glauben an Nintendo und magische Ultrapilze bequem zu diskreditieren. Nur weil Mario und Luigi als Karikaturen dargestellt werden, können sowohl irregeleitete Mariodisten als auch militante Nintendoleugner einen scheinbaren Widerspruch zwischen “Wissenschaftlichkeit” und “Glaube an die Realität von Videospielen” aufbauen,  mal, um Gamer auf die kritiklose Annahme exegetisch unhinterfragter namcoistischer Schöpfungsideen einzuschwören, mal, um jeden Videospielglauben pauschal einer wissenschaftlich unredlichen Weltanschauung zu bezichtigen.

Das alles kann sich sparen, wer erkennt: Mario ist kein objekthaftes klempnerartiges Wesen in seiner eigenen Galaxie, kein in Abwasserrohren (lokal verstanden) herumschwimmender Überfreund, der Peach “rettet”, sondern ein allgegenwärtiges Sein, das sich zugleich in Differenz (nicht Distanz) und in Einheit (nicht Gleichheit) zum Sein der Welt verhält. Alle Vorstellungen von Mario sind in gewisser Weise hilflose Krücken, nicht aber der Glaube an Mario. Jede Rede von Mario bedeutet, das Unsagbare zu sagen, und Begriffe unserer Vorstellungswelt als Metaphern zu benutzen, um sich Mario zu nähern, obgleich das Scheitern dieses Unterfangens geradezu konstitutiv zum Marioglauben gehört.

Ihr seht also, die Sache ist ganz einfach. Man muss sich bloß von der Vorstellung befreien, dass Super Mario in irgendeinem Sinne wirklich existiert, und schon ist der Glaube an seine Existenz (natürlich stets im ontologisch-dialektischen Sinne von Nichtexistenz verstanden) auch für diejenigen kein Problem mehr, die gerne echte Skeptiker sein möchten, ohne sich von ihren lieb gewonnenen Gewohnheiten zu trennen.

Mamma Mia!


Fuck the poor

4. März 2010

Warnhinweis: Das folgende Gedicht kann Spuren von Satire enthalten. Bei entsprechender Unverträglichkeit bitte ich, von der Lektüre Abstand zu nehmen. Warnhinweis Ende

Irgendwo in Afrika liegt ein Kind im Dreck und weint,
Es ist hungrig, es ist krank, es ist traurig, und mir scheint,
Dass dieses Kind nicht mein Problem ist, es ist da draußen, ich hier drin,
Weil das Kind in Afrika ist und weil ich in Deutschland bin.

Hätt’ ich die XBox nicht gekauft, die vor meinem Fernseher steht,
Hätt’ von dem Geld ein Afrikaner vielleicht ein ganzes Jahr gelebt.
Das Geld für meinen neuen Laptop wäre wohl genug
Für zwei, drei Ochsen, einen Brunnen, oder einen neuen Pflug.

Und wenn ich ehrlich bin, die XBox – ich benutze sie fast nie,
Aber irgendwann demnächst kauf ich vielleicht Bad Company,
Obwohl ich weiß, dass von dem Geld… Sicher habt ihr’s schon kapiert.
Am Ende ist’s mir halt egal, ob das schwarze Kind krepiert.

Pfeif auf Haiti, pfeif auf Chile,
Pfeif auf die Armen Afrikas,
Und gegen meine Schuldgefühle
Spende ich vielleicht mal was.

Nicht zu viel, weil ich das meiste von meinem Geld doch selber brauche,
Wobei ‘brauchen’ nicht ganz stimmt, wenn ich’s am Ende nur verrauche,
Doch die Schachtel Zigaretten bedeutet mir nun mal sehr viel,
Sehr viel mehr, der Wahrheit halber, als das kranke Kind am Nil.

Und der Cocktail, den ich trinke, kostet mehr als Medizin
Für einen Monat für ein krankes kleines Kind in Äthiopien.
Doch ohne Cocktail wär mein Abend furchtbar einsam, es ist wahr,
Denn wenn ich keinen Cocktail trinke, wirft man mich bald aus der Bar.

Darum wein’ ich ganz erschüttert um das arme Kind im Dreck,
Doch erst später, denn zuerst mal muss hier dieser Cocktail weg.
Wenn du jetzt sagst, ich bin ein Scheusal, und dass du das ganz anders siehst,
Muss ich dich ganz ernsthaft fragen, wie du dieses Blog hier liest.

Pfeif auf Haiti, pfeif auf Chile,
Pfeif auf die Armen Afrikas
Und gegen meine Schuldgefühle
Spende ich vielleicht mal was.


“Grüezi, wir kommen vom Ordnungsamt…”

5. Dezember 2009

“…Dürften wir bitte einmal Ihre Moschee sehen?”

“Klar doch, Moment… Ah, hier. Bitte schön.”

“Mhm, jaja, sehr schön, aber sagen Sie mal… Das da, ist das etwa ein Minarett?”

“Was? Wie, Mina…? Ach, das!” Viel zu lautes, nervöses Lachen. “Quatsch, nein, das ist doch kein Minarett…”

“…” Abwartendes Fußtappen.

“…”  Betretenes Schweigen.

“Was ist das denn dann, bitte schön?”

“Naja… Wissen Sie… Also… Das ist… Ein Aussichtsturm?”

“Nein.”

“Ein Fernsehturm?”

“Vergessen Sie’s.”

“Ein Wasserturm?”

“Dass ich nicht lache.”

“Ach, jetzt weiß ich’s, das ist ein – ein riesiger Phallus! Satire. Wegen Diekmann, verstehen Sie? Bei der taz haben sie’s abgebaut, und da dachten wir… Lustig, oder?”

Zum Kollegen: “Hm… Was meinst du?”

Professionell skeptischer Blick. Schließlich widerwilliges Nicken.

“Akzeptieren wir. Aber nächstes Mal überlegen Sie sich das vorher, klar?”


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