Ich bin ein Hundezüchter.

12. April 2013

Und boy howdy, ich kann euch sagen, das ist echt ein hartes Brot. Die blöden Biester machen einfach nicht, was sie sollen.

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Am Anfang hatte ich ja nur zwei Welpen, einen Rüden und ein Weibchen, und das ist schon mal ziemlich schief gegangen. Ich hatte da diesen einen Napf mit Hackfleisch, und obwohl ich immer drauf gezeigt und ihnen gesagt habe, dass sie da nicht rangehen dürfen, sonst bring ich sie um, da komm ich doch eines Tages in den Zwinger und seh die beiden Mistviecher davon fressen. Hab ich sie natürlich sofort rausgeworfen, mit son paar Krankheiten infiziert und aufgehört sie zu füttern.

Hat aber auch nichts gebracht. Ich hab natürlich nicht aufgegeben, aber auch  mit den nächsten Würfen hats irgendwie nicht geklappt. Die waren noch schlimmer. Haben sich miteinander gepaart, wie es ihnen passte, einander blutig gebissen, sich manchmal sogar gegenseitig umgebracht, es war mir ein Gräuel, das kann ich euch sagen. Hab ich alle ersäuft, bis auf ein Pärchen und deren Welpen. Klar, wollte mir ja keinen neuen Job suchen.

Aber die wollten sich auch nicht benehmen. Haben sich auch einfach wieder kreuz und quer gepaart und gefressen und gesoffen, wie es ihnen passte, haben sich auch wieder gegenseitig umgebracht, und stubenrein wurden die irgendwie auch nicht. Hab ichs mal mit Feuer versucht und wollt jetzt doch schon alle verbrennen, weil ich dachte, scheiß drauf, aber meine Frau ist da irgendwie sentimental, und die meinte, hey, kannste nicht machen, guck doch mal, die beiden da sind doch echt lieb, und die süßen kleinen Babys und so. Na gut, hab ich also wieder ein paar leben gelassen, aber als das Weibchen sich dann noch umgeguckt hat, als sie die andern brennenden Hunde winseln und jaulen hörte, da hatt ich echt die Schnauze voll. Die hab ich ausgestopft. Steht jetzt aufm Kamin.

Als es dann später immer noch nicht besser wurde, und immer noch Chaos im Zwinger war, hab ich gedacht, na gut, versuchst dus noch mal ganz anders. Hab ich meinen Sohn reingeworfen. Ne Zeitlang ging das ganz gut, bis er sich irgendwann mit dem Alpharüden anlegte, da gabs dann natürlich Zoff, und am Ende hamse ihn totgebissen. Hat sehr leiden müssen, der arme Junge.

War ich natürlich schon traurig, aber ich muss auch sagen, hat sich irgendwie gelohnt. Also, nicht dass die Viecher sich jetzt besser benehmen. Verdrecken mir immer noch meinen ganzen Garten, beißen immer noch alles, was ihnen vor die Schnauze kommt und gehorsam sind se auch nicht, egal was ich sage. Die lernens einfach nicht, wie verhext ist das. Seit dem Anfang, mit dem Hackfleisch mein ich, seit der Sache sind die irgendwie verdorben, so kommts mir vor. Da liegt glaub ich die Ursache. Weiß der Geier. Also, das ist eigentlich nicht besser geworden. Viele sind auch krank und verrecken dann ganz eklig, und manche verhungern, weil ich sie natürlich auch nicht mehr füttere, hatte ich ja am Anfang gesagt. Das ist schon Scheiße. Kann man aber nichts machen, ne?

Aber ich hab ihnen vergeben, seit dem Ding mit meinem Sohn.

Und darauf kommts ja schließlich an. Oder?


Ich bin ein Faschist.

8. April 2013

Ja. Das mag euch jetzt erst mal irritieren und den Reflex wecken, mich für einen Dummkopf zu halten, für einen realitätsfernen Spinner, der alten Märchenbüchern den Vorrang gibt vor der so genannten modernen Wissenschaft. Wir leben in einer Zeit, in der Menschen sich schämen, sich öffentlich zum Faschismus zu bekennen, und in vielen Gegenden der Welt werden Faschisten sogar verfolgt, verspottet und bedroht, nicht zuletzt hier in Deutschland.

Woran liegt das?

Viele Menschen kennen kein anderes Bild des Faschismus als das irrwitzige Zerrbild, das radikale Antifaschisten gerne von ihm zeichnen. Und ja, natürlich muss ich zugeben, dass es in der Geschichte auch irregeleitete Anhänger des Faschismus gab, die zu diesem Bild beigetragen haben. Sie alle haben die wahre Natur des Faschismus stets verkannt. Was bleibt eigentlich noch übrig von der Kritik dieser selbst ernannten Antifaschisten, wenn man sie sich einmal genauer anschaut? Nicht, viel, wie ihr gleich sehen werdet.

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Von Göttern, Brüsten und Epistemologie

24. Februar 2013

Da andere Themen für mich gerade nicht viel hergeben, wende ich mich mal einer Frage zu, die Theisten einem als Atheist öfter stellen, die konkret aber schwer zu beantworten ist, was, wie ich hoffentlich gleich erklären werde, aber nicht an uns liegt. Schaumermal.

Die Frage lautet natürlich:

Was wäre nötig, um dich zu bekehren?

[sinngemäß zum Beispiel hier]

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Darum lass uns drüber reden, Diskussionen sind okay

18. Februar 2013

In der letzten Woche blieb, wie gesagt, nicht viel Zeit zum Schreiben, aber das macht nichts, denn ich habe hier noch eine laaaaaange Diskussion über atheistischen Lebenssinn und Ethik, die ich vorletzte Woch mit ChB drüben bei eumloquatur geführt habe. Auch wenn dabei natürlich keine grundlegend neuen Erkenntnisse rausgekommen sind, bin ich mit einigen meiner eigenen Erläuterungen und mit dem insgesamt konstruktiven Verlauf der Verständigung, soweit eine solche über dieses Thema eben möglich ist zwischen Atheisten und Christen, zufrieden genug, um das Ding noch mal im eigenen Blog dokumentieren zu wollen. Ich denke nämlich, dass dieses Gespräch für Atheisten sehr schön illustriert, wie abwegig und abenteuerlich die Weltsicht von (manchen) Christen aussieht, und für Christen umgekehrt bilde ich mir ein, dass ich einigermaßen verständlich erklärt habe, wie abwegig und abenteuerlich unsere Weltsicht ist. Und soweit ich mich erinnere, kommt kein einziger Hitler-Vergleich vor, was alleine schon Grund genug wäre, die Beweise gründlich zu sichern, das glaubt einem ja in zwei Jahren sonst kein Mensch mehr.

Ob ihr euch das antun wollt, müsst ihr natürlich selbst wissen. Aber vielleicht habt ihr ja eh noch nichts vor heute.

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Mehr als ein Unbehagen

2. Februar 2013

empfindet Florentine Fritzen auf faz.net angesichts der neuen Regelung zur PID, zu der ich kürzlich schon einmal sarkastisch Stellung nahm. Eigentlich ist mehr dazu auch nicht zu sagen, aber weil Frau Fritzens Unbehagen wiederum bei mir erhebliches Unwohlsein ausgelöst hat, und weil ihre Argumentation sich wegen Allgemeingebräuchlichkeit ganz gut als Aufhänger eignet, will ich die Chance nutzen, mich auch noch einmal so unsarkastisch und ernsthaft zu dem Thema zu äußern, wie ich es eben schaffe.

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Das Absolute liegt uns nicht

30. Dezember 2012

Ich will ja nicht gerne einseitig sein und freue mich deshalb über jede Gelegenheit, Religionskritik zu kritisieren. Leider ergibt sich dafür selten mal eine lohnende Gelegenheit, und deshalb habe ich den Text “Die falsche Rückkehr zur Religion” von Tanja Dückers auf Zeit.de mit umso größerer Begeisterung gelesen. Er beginnt auch gleich mit einem ganz kryptischen Teaser:

Es ist wieder schick, religiös zu sein. Den Agnostikern hingegen wird jedwede Moral abgesprochen. Dabei sind sie die wahrhaft Gläubigen.

Die ersten beiden Sätze sind Behauptungen, die natürlich auch im Folgenden nicht irgendwie begründet oder belegt oder auch nur näher erläutert werden, etwa durch einen Hinweis darauf, wo es wieder schick ist, und wie genau es sich äußert, oder wer Agnostikern jedwede Moral abspricht. Der dritte Satz … äh … Wie jetzt? Die Agnostiker sind die wahrhaft Gläubigen? Und die religiösen Menschen sind es nicht? Zunächst vermutete ich, dass dabei nicht mehr rauskommen kann als eine lustige Runde “Lasst uns Wörter umdefinieren und dann über die Ergebnisse staunen!”, doch sogar mit dieser Vermutung wurde ich enttäuscht, denn es kommt noch weniger dabei raus, nämlich überhaupt nichts. Diese These wird im weiteren Text nicht mehr erwähnt. Tja.

Stattdessen folgt eine Einleitung, die Beispiele von Prominenten aufzählt, die sich öffentlich zu einer Religion bekennen, nebst der Behauptung, dass es mehr seien als früher. Naja, keine Ahnung.

[Es] wird Agnostikern und Atheisten im öffentlichen Diskurs  nicht vorhandenes Wertebewusstsein und ein technokratisch-inhumanes Denken unterstellt.

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Starke Bilder

21. Dezember 2012

Berlin. Bundesfamilienmisterin Kristina Schröder hat in einem Interview mit der Wochenzeitung “Die Zeit” die Möglichkeit angedeutet, die Entität, die das Universum geschaffen habe, verfüge möglicherweise nicht über einen Penis. Viele ihrer Parteigenossen sowie der Direktor des bayerischen Wallfahrtsorts Maria Vesperbild, Prälat Wilhelm Imkamp, zeigten sich darüber entrüstet und betonten die Bedeutung, die das Glied des Schöpfers in ihren Augen trage.

Die bayerische Sozialministerin Christina Haderthauer etwa zeigte sich nach eigenen Worten “sprachlos” gegenüber solch “verkopfte[m] Quatsch” und fügte dennoch bemerkenswert wortreich hinzu:

Ich finde es traurig, wenn unseren Kindern aus lauter Unsicherheit und political correctness die starken Bilder genommen werden, die für ihre Phantasie so wichtig sind. Und wir alle wissen, wie wichtig für Kinder das starke Bild des mächtigen Genitals des Wesens ist, dem wir alle unsere Existenz verdanken.

Die brandenburgische CDU-Politikerin Katerina Reiche sagte:

Der liebe Gott mit einem Penis bleibt der liebe Gott mit einem Penis!

Von Norbert Geis (ebenfalls CSU) verlautete:

Gott ist uns von Christus mit Schwanz offenbart. Dabei soll es bleiben.

Prälat Imkamp wurde noch deutlicher:

Die Äußerungen von Frau Schröder zeugen von einem erschreckenden religiösen Analphabetismus, sie kennt offenbar das Geschlechtsteil unseres Herrn nicht! [...] Wir haben einen personalen Gott, dass dieser personale Gott die Dimensionen der Geschlechtlichkeit übersteigt, führt nicht dazu, dass man implizieren könnte, er hätte keinen Penis!

Imkamp drückte darüber hinaus die Hoffnung aus, die Dissertation Schröders hätte ein anderes Niveau als die Vermutung, das Universum könnte ohne Beteiligung eines männlichen Genitals entstanden sein.

Der CSU-Politiker Günther Beckstein sagte:

Theologisch hat Frau Ministerin Schröder recht: Gott steht über den Geschlechtern. Aber emotional ist das nicht meine Welt; für mich ist es wichtig, dass Gott ein riesiges Gemächt hat.

Schröder selbst ist noch nicht bereit, einzulenken, hat aber eingestanden, dass sie ihre Worte womöglich unglücklich gewählt haben könnte:

Bei meiner Antwort habe ich vielleicht zu sehr an das kleine Mädchen gedacht und nicht an die vielen Erwachsenen, denen der gewaltige, transzendente, zeitlose und allgegenwärtige Penis Gottes sehr viel bedeutet.


Philoso1 / Let’s Read: Nie wieder Chesterton

7. Dezember 2012

Es wird nicht besser. Aber immerhin habe ich diesmal in der Hohen Luft einen kontroversen Beitrag gefunden, sogar zu dem stets aktuellen und von uns allen geliebten Thema Urheberrecht und Informationsfreiheit. Und beim nächsten Mal gibts dann auch nur noch Texte, die irgendeinen allgemein zugänglichen Sinn transportieren. Hoffentlich.

Fun Fact: Ich hatte eigentlich für den Anfang “No Hiding Place” in der Version aus der ähnlichnamigen Babylon-5-Episode aufgenommen, das aber erschrocken und entsetzt wieder gelöscht, nachdem ich es mir probehalber mal angehört hatte. Nee. Ich mache mich ja gerne mal öffentlich lächerlich, aber so weit mag ich dann doch wieder nicht gehen.


Hier der Download.

Meine Aufzählung zum Schluss ist natürlich nicht vollständig. Ich habe hier zum Beispiel auch noch diesen Schätzing-Roman… Ew. Dann doch lieber Chesterton.


Geheimnisse des Glaubens

17. November 2012

Gott ist ungerecht – und das ist gut so

„Du bekommst, was du verdienst“, sagt der Volksmund. Aber würde Gott Schuld mit Strafe bezahlen lassen, wären wir alle verloren. Gott müsste um der Gerechtigkeit willen uns alle zur Rechenschaft ziehen. Was ist die gerechte Konsequenz für eine Lüge? Für eine Verleumdung? Für eine Vergewaltigung? Für einen Mord? Der Preis der Schuld ist der Tod, treibt es der Apostel Paulus auf die Spitze. Wäre Gott gerecht, wie wir Gerechtigkeit verstehen, müssten wir alle sterben.

Meine Damen und Herren, die frohe Botschaft. Muss man nicht kritisieren. Kritisiert sich quasi von selbst.


Good at running to Washington

14. August 2012

Das Bundesland Hamburg beabsichtigt offenbar, einen Staatsvertrag mit drei islamischen Verbänden schließen, und während ich wohl prinzipiell nichts gegen diese Idee habe, auch wenn ich mir als islamischer Verband vielleicht zu schade wäre, mit so einer verkommenen Bande wie den Hamburger Politikern Verträge zu schließen, finde ich doch einiges in diesem FAZ-Bericht, den ich darüber gelesen habe, etwas sonderbar. Es geht ziemlich am Anfang schon los:

Danach sollen an staatlichen Schulen künftig auch muslimische Lehrer das Fach Religion unterrichten dürfen. Der Hamburger Religionsunterricht [...] wird [...] von der evangelische Kirche verantwortet. Das soll so bleiben

Da möchte man als Freund eines aufgeklärten Rechtsstaates doch schon gleich verzweifeln, oder nicht? An einer staatlichen Schule wird der Unterricht in einem Fach von einer Gemeinschaft bestritten, die ein bestimmtes Bekenntnis in Bezug auf dieses Fach vertritt. Es war bisher offenbar nicht erlaubt, dass jemand dieses Fach unterrichtet, der dieser Gemeinschaft nicht angehört. Jetzt soll Angehörigen einer einzigen von den zehntausend anderen Gemeinschaft ebenfalls gestattet werden, dieses Fach zu unterrichten, aber natürlich weiterhin unter der Ägide der ersten Gruppe.

Ehrlich jetzt. Ich weiß, dass meine Entrüstung vielleicht ein bisschen künstlich rüberkommt, weil wir alle schon lange wissen, dass Religionsunterricht in Deutschland nun mal von den christlichen Kirchen veranstaltet wird, aber ich habe mit dem Thema so selten Kontakt, dass es mich jedes Mal wieder wie ein Schlag trifft. Ich weiß, Schüler können sich weigern, an diesem Unterricht teilzunehmen, aber trotzdem: Wie doof ist denn das?

Man stelle sich vor, der Politikunterricht würde ausschließlich von der CDU organisiert und abgehalten, und ein Bundesland wollte es uns jetzt als großen Fortschritt verkaufen, dass in Zukunft auch Parteiangehörige der FDP unterrichten dürfen, wenn auch natürlich weiterhin verantwortet vom großen Koalitionspartner. Oder man stelle sich vor, Biologieunterricht dürfte ausschließlich von Lyssenkoisten erteilt … Ihr habt das Prinzip verstanden? Okay, bitte um Entschuldigung. Weiter.

Der Vertrag sieht außerdem vor, dass einige muslimische Feiertage [...] künftig in Hamburg wie kirchliche Feiertage behandelt werden. Arbeitnehmer haben dann ein Recht auf einen freien Tag, müssen die Zeit aber nacharbeiten oder Urlaub nehmen.

Noch so’n Ding.

Ich muss zugeben, dass der Begriff “kirchliche Feiertage” nicht so ganz eindeutig ist, aber ich wage erst einmal die Behauptung, dass das keine Gleichbehandlung ist. An den großen kirchlichen Feiertagen (Ostern, Pfingsten, Himmelfahrt, ihr wisst schon) müssen Arbeitnehmer nicht Urlaub nehmen oder nacharbeiten. Sie haben frei. Punkt. (Übrigens, wenn ich kurz zwischendurch auch noch mal den Libertären raus lassen darf: Sympathische Idee, einen Vertrag zu verhandeln, in dem man Dritten (hier: Arbeitgebern) Pflichten auferlegt, ohne diese auch nur zu beteiligen. Stay classy, Hamburg!) Lügt hier die FAZ? Oder hat  Hamburg die FAZ belogen, und die haben das einfach übernommen? Bin ich zu pingelig, und es sind eben die nichtgesetzlichen kirchlichen Feiertage gemeint? Macht es überhaupt einen Unterschied? Und warum nur einige muslimische Feiertage? Wenn es keine gesetzlichen Feiertage sind, warum nicht alle? Die christlichen Kirchen dürfen doch auch nicht nur einige ihrer Feiertage als nicht gesetzliche kirchliche Feiertage deklarieren, oder?

Über die genaue Ausgestaltung des Religionsunterrichts muss allerdings weiterverhandelt werden, der Vertrag gibt dafür fünf Jahre Zeit.

Im Vergleich zu den anderen Sachen vielleicht eine Kleinigkeit, aber doch: Laut diesem FAZ-Artikel hat die Stadt Hamburg bereits fünf Jahre mit den Verbänden verhandelt. Und jetzt ist dabei ein Vertrag rausgekommen, der vorsieht, dass über einen der wichtigsten Kernpunkte “weiterverhandelt werden” muss. Das mag jetzt in diesem Kontext leicht unpassend wirken, aber: Jesus Christus! Bloß gut, dass diese Leute nie in die Lage geraten werden, schnell wichtige Entscheidungen treffen zu müssen.

Hamburg will sich zudem dafür einsetzen, dass die muslimischen Verbände auch einen Sitz in den Rundfunkgremien erhalten. 

Gaahh! Warum? Was haben Vertreter religiöser Organisationen in Rundfunkgremien verloren? Sollten da nicht Leute sitzen, die was von Rundfunk verstehen? Zur Sicherheit: Ich habe nichts dagegen, dass religiöse Menschen solche Gremien bevölkern. Ich begreife bloß nicht, wie man auf die Idee kommt, jemand müsse da Mitglied sein, weil er einer bestimmten Religion angehört. Und was ist mit Juden, Scientologen, Hindus und Buddhisten, Skeptikern, Jedis und Zwölfgöttergläubigen?

Für den gemeinsamen Religionsunterricht an staatlichen Schulen ist festgelegt, dass sich die evangelische Kirche und die muslimischen Gemeinden gleichberechtigt die Verantwortungen für dieses Fach teilen.

Bäh… däh… äh… Was? Stand da nicht irgendwo anders, dass die evangelische Kirche den Unterricht verantwortet, und dass das so bleibt? Wie ist es denn jetzt richtig? Ich weiß es leider nicht, und konnte es auch nicht herausfinden. Auch in anderen Berichten habe ich dazu keine klare Auskunft gefunden.

Fassen wir zusammen: Die Stadt Hamburg will mit einigen muslimischen Verbänden einen Vertrag schließen, der Muslime zwar nicht fair behandelt, und bei weitem nicht so gut wie die evangelische Kirche, aber doch immerhin noch ein bisschen besser als alle übrigen Glaubensgemeinschaften, die nach wie vor gar keine Sonderrechte bekommen, und unsere Qualitätsjournalisten, die sich schon unbändig auf ihre eigenen blödsinnigen Sonderrechte freuen, kriegen es nicht gebacken, einen informativen oder wenigstens in sich konsistenten Artikel darüber zu verfassen.

Und das unter Umständen Traurigste an der ganzen Sache ist, dass wir alle wissen, worum die Diskussion sich drehen wird: Islamisierung! Christliche Tradition! Abendländische Werte! Sharia! wird die eine Seite rufen, und die andere Seite wird von Gleichberechtigung und Integration reden, und kaum jemand davon, dass hier mal wieder jemand die Staatsgewalt nutzt, um sich Privilegien zu verschaffen und dass es ganz egal ist, ob das Christen sind, Muslime, Scientologen, Männer, Frauen, Konzerne oder Verbraucher oder Presseverlage.

Es sind die Privilegien an sich, die unserer Gesellschaft schaden und den Rechtsstaat aushöhlen.


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