Im Prinzip ja. (2)

22. Mai 2012

Heute geht es um den zweiten Teil der großen Spektrum-der-Wissenschaft-Enthüllungsstory “Sind Wissenschaft und Religion vereinbar?”, nämlich das Streitgespräch “Was können Wissenschaft und Religion voneinander lernen?” zwischen dem Soziobiologen Eckard Voland und dem Religionsphilosophen Winfried Löffler. Das Gespräch ist nicht frei erhältlich, und weil ich vom entgeltlichen Erwerb dringend abraten muss, gehe ich davon aus, dass sowieso keiner von euch Zugang zum Volltext hat und belasse es deshalb bei diesem einen Link.

Ich habe es auch noch nicht gelesen (Ja, ich weiß, dass ich in meinem ersten Post etwas anderes impliziert habe. Seht ihr nie Dr. House?) und bin deshalb genauso gespannt wie ihr auf das Lernpotential.

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Mit Dank an Tim für die freundliche Anregung

15. Mai 2012

Tja, FAZ halt.


Die Jugend von heute

14. Mai 2012

Wir arbeiten gerne mit induktiven Schlüssen, und wir sind sehr gut darin, Muster zu erkennen, und oft klappt das im normalen Alltag auch sehr gut, und darauf sind wir so stolz, dass wir unsere Fähigkeit, mit diesen einfachen Mitteln zur Wahrheit zu gelangen, maßlos überschätzen. Die Sonne ging gestern früh auf, und vorgestern, also wird sie morgen auch wieder aufgehen. Ich wurde zweimal von Zigeunern bestohlen, also sind alle Zigeuner Diebe. Ich habe bisher jedes Halmaspiel gewonnen, bei dem ich meine blauen Ringelsocken trug, also bringen die wohl Glück beim Halmaspielen. Ich habe drei arschlochhafte Artikel von Henryk Broder gelesen, als muss er wohl ein Arschloch sein. Solche Schlussfolgerungen formen unser Weltbild, manchmal mit glücklicherweise richtigem Ergebnis (wie bei der Sonne), manchmal eher nicht so (wie bei den Socken). Und es fällt uns sehr schwer, uns wieder von ihnen zu trennen. Ich muss schon mehr als zwei oder drei Halmaspiele mit den Glückssocken verlieren, bevor ich ernsthaft beginne, an ihrer magischen Kraft zu zweifeln, und auch der vierte Zigeuner, der mich nicht bestiehlt, wird meine Überzeugung nicht erschüttern, dass dieses Volk (von dem ich nicht einmal genau sagen kann, ob es wirklich ein Volk ist und wer eigentlich dazugehört; im Zweifel wahrscheinlich alle Diebe) nur aus Verbrechern besteht.

Ich schreibe nicht nur deshalb “wir”, weil das netter klingt, sondern weil ich wirklich davon überzeugt bin, dass alle Zigeuner kriminell, äh… dieses Problem uns alle betrifft, auch mich. Ich wüsste gerne, wie viele und welche meiner Annahmen über die Welt und das Leben völlig falsch und irrational sind, aber ich werde damit leben müssen, das nie so recht wissen zu können. Vielleicht stimmt sogar diese ganze Einleitung nicht, und ich habe mich nur von den vielen anderen Leuten, die das behaupten, in die Irre führen lassen, weil ihre Behauptungen mehr oder weniger zufällig mit meiner persönlichen Erfahrung übereinstimmen.

So stolpern wir halb blind durch unser Leben und merken gar nicht, wie oft wir versehentlich gegen Wände, Bäume und andere Menschen laufen, und sind deshalb wahnsinnig stolz auf unsere Scharfsichtigkeit. Teilweise haben wir natürlich keine Wahl, denn wir müssen jeden Tag Hunderte, wenn nicht Tausende Entscheidungen auf Basis unzureichender Daten treffen. Wir haben zwar mit der Wissenschaft eine Methode entwickelt, die  (anscheinend, bis auf Weiteres) wesentlich besser funktioniert als das, was wir euphemistisch “gesunden Menschenverstand” nennen, aber bei vielen Alltagsfragen wäre es nicht praktikabel, auf wissenschaftlicher Genauigkeit zu bestehen, und wir können bestenfalls mit einer groben Näherung von Rationalität arbeiten.

Wofür diese lange Einleitung gut sein soll? Sie soll einerseits erklären, warum ich mich über das FAZ-Interview “Wir erziehen eine unmündige Generation” einerseits geärgert habe, warum ich aber andererseits nicht so sicher bin, wie gerechtfertigt mein Ärger ist.

Dieses Interview enthält einerseits nahezu keine belastbare Information. Sie enthält jede Menge Eindrücke und Gefühle des Interviewten, die offenbar gut zu den Vorurteilen der Interviewer passen und deshalb in schöner Harmonie von niemandem infrage gestellt werden.

Sie sind ja auch Psychologe. Gibt es eine Überidentifikation mit dem Kind und enorme Versagensängste bei den Eltern?

Viele Eltern projizieren in der Tat das, was sie selbst nicht erreicht haben, in die Kinder hinein.

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It all started with a big bang

5. Mai 2012

I object.

Ich mag “The Big Bang Theory“. Und es macht mich immer ganz traurig, wenn Wolf von Game One sagt, wer über die Big Bang Theory lacht, findet auch Mario Barth lustig.

Aber trotzdem begreife ich nicht, wie jemand auf die Idee kommen kann, das wäre eine Serie für Nerds. Diese Serie ist für Nerds völlig ungeeignet. Ich bin nicht ganz sicher, ob ich selbst als einer durchgehe, aber trotzdem macht Big Bang Theory mich manchmal aggressiv mit der schlampigen, gleichgültigen, peinlich wichtigtuerischen Art, wie sie mit Nerd-Themen umgehen. Ich habe dabei leider nie mitgeschrieben, aber ein paar typische Beispiele fallen mir gewiss ein. Mal sehen:

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Und Brecht muss es ja wissen.

18. April 2012

Ich weiß nicht, ob ich nur zynisch und paranoid bin, aber ich habe derzeit den Eindruck, dass die faz nicht nur Freude daran hat, möglichst viel gehässigen Unsinn über die Piratenpartei zu schreiben, sondern sich dabei außerdem noch eines besonders armseligen Mittels bedient: Des Konsensinterviews. Ich weiß nicht, ob es dafür schon einen anderen Begriff gibt, aber bis auf Weiteres bleibe ich bei meinem, und es gibt eigentlich kaum eine Form von Journalismus, für die ich mich als Journalist mehr schämen würde.

Während Patrick Christian Lindners Bemerkung “Nur weil die Piraten gern gratis Filme, Musik und Bücher aus dem Internet herunterladen, ist das für die Gesellschaft insgesamt nicht gut.” noch eine dumme Gehässigkeit hätte sein können, die wir nur ihm persönlich zu verdanken haben, ist das vorgestrige Interview mit der kulturpolitischen Sprecherin der Grünen Agnes Krumwiede für mich kaum noch anders zu erklären als durch völlig Befreiung von jeglichem Anspruch und Schamgefühl seitens der verantwortlichen Mitarbeiter.

Kurzer Exkurs: Ja, Frau Krumwiede ist auch Pianistin. Ist doch klar, dass ich mich an Künstler wende, wenn ich was zum Urheberrecht wissen will. Wenn es um Jagdrecht geht, ist doch auch ein Hirsch der beste Ansprechpartner.

Konsensinterviews zeichnen sich dadurch aus, dass sie völlig auf investigative Fragen und eigentlich jede Form von Journalismus verzichten, weil es in ihnen nur darum geht, dass die Gesprächspartner einander möglichst nachdrücklich zustimmen. Wenn man noch ein kleines bisschen Respekt vor den Lesern hat, versteckt man das durch Scheinfragen wie:

Brauchen wir ein „neues“ Urheberrecht?

oder

Die Kritiker heben auf die „Verwerter“ ab und sagen, es gelte, deren Interessen auszuschalten, um für die gebeutelten Urheber einzutreten. Geht die Gleichung auf?

(Anscheinend hörte das Interview sehr früh auf, sich auf die Piratenpartei zu beziehen, und drehte sich dann stattdessen um irgendwelche diffusen “Kritiker”. Nicht, dass irgendjemand sich Mühe gegeben hätte, sicherzustellen, dass niemand auf die Idee kommt, es gehe hier um die Position der Piratenpartei.)

Aber man kann natürlich auch völlig enthemmt auf Fragen verzichten und der Interviewpartnerin nur noch Stichwörter geben:

Man kann den Eindruck haben, das Grundsätzliche gerate aus dem Blick.

(Ja, das ist die ganze Frage.) oder:

Es gibt einen erstaunlichen Gleichklang zwischen den Forderungen der Piraten und den Interessen von Internetkonzernen wie Google oder Facebook.

Und diese … naja, Frage fand ich nun schon so perfide, dass mir beinahe die Worte fehlen. The fuck, faz? Ich meine … Bin ich das, oder will Michael Hanfeld hier unterstellen, dass die Piraten in Wahrheit gekaufte Schergen finsterer Konzernbosse sind, traut sich aber nicht, das direkt zu sagen, weil diese Unterstellung sogar für ein FAZ-Interview zu blöde und zu unverschämt wäre?

Frau Krumwiede antwortet darauf jedenfalls einfach mal fröhlich frei:

Forderungen wie nach einer Verkürzung der urheberrechtlichen Schutzfristen bedienen in erster Linie die Interessen großer Internetkonzerne.

Das muss sie natürlich nicht erklären oder begründen, denn es ist ja ein Konsensinterview. So kann sie ganz ungestört weiter erzählen:

Dass Google auch in Berlin ein Institut finanziert zur „unabhängigen“ Erforschung von Internetfragen, bereitet mir Unbehagen.

Unbehagen. Ist klar. Wo kommen wir denn da hin, wenn Unternehmen Forschung betreiben?

Wie unabhängig ist Forschung, wenn sie von einem Internetriesen finanziert wird?

Genau, Frau Krumwiede. Forschung ist natürlich nur dann unabhängig, wenn sie … ähm … nicht finanziert wird. Ansonsten bereitet sie uns Unbehagen. Oder ist es eher so, dass Unabhängigkeit uns nur wichtig ist, wenn sie sich auf Geldgeber bezieht, die wir nicht mögen? Und was hat das jetzt noch mal mit der Politik der Piratenpartei zu tun? Hm. Vielleicht müssen wir darüber noch mal nachdenken. Aber die Hauptsache ist doch:

„Wo die wirtschaftliche Macht ist, verliert der Urheber“, hat Bertolt Brecht erkannt.

Ich schätze, damit ist die Sache klar.

Um Himmels Willen. Ich bin ja nun auch kein Anhänger der Piratenpartei, und ich habe bis auf Weiteres keine Meinung dazu, wie ein vernünftiges Urheberrecht aussehen sollte, aber wenn ich lese, was die FAZ zurzeit so dazu schreibt, bin ich immer ganz ratlos, ob ich die Leute, die dort arbeiten, verachten oder bemitleiden soll, oder ob ich vielleicht doch versuchen sollte, professionelle Hilfe zu organisieren.


Schluss mit der Geschmacklosigkeit

14. März 2012

Es gibt so Leute, zu deren Beschreibung eigentlich nur eine bestimmte Kategorie von Begriffen passt, die ich aber aus verschiedenen Gründen nicht gerne benutzen möchte, zum Beispiel, weil sie Anlass zu rechtlichen Maßnahmen bieten könnten. Jakob Strobel Y Serra scheint so einer zu sein, falls dieser Artikel auf FAZ.net Rückschlüsse auf seinen Charakter zulässt, was nicht zwangsläufig der Fall sein muss.

Wir essen zu billig und denken zu wenig über unser Essen nach.

schreibt Herr Strobel Y Serra. Da ist was dran, mag man sagen, und vielleicht ließe sich mit einem solchen Satz sogar ein Artikel beginnen, der mich nicht dazu bringt, seinen Verfasser mit Begriffen zu bedenken, mit deren Aussprache oder Niederschrift ich mich strafbar machen könnte. Aber der Fortgang dieses … Textes lässt einen solchen Spielraum beim besten Willen nicht mehr erkennen:

Es ist schlimm genug, dass wir massenhaft Fastfood in uns hineinstopfen. Noch schlimmer ist, dass wir behaupten, es schmecke uns

An dieser Stelle weiß ich, dass dieser Mann beseelt sein muss von einer Hybris, die sogar mich, der ich ja ohne Zweifel auch manchmal zu diesem Charakterfehler neige, weniger vor Neid als vor Ekel erblassen lässt. Anderen Leuten zu erzählen, was sie essen sollten, ist schon am Rande des guten Geschmacks. Anderen Leuten zu erzählen, was ihnen schmeckt, ist so unsympathisch, dass … Aber das hatte ich ja eingangs schon geschrieben.

Jeder, der gerne reist und gerne isst, kann Geschichten erzählen von kulinarischen Erweckungserlebnissen am Straßenrand [...]  Hier hockt man in Feinschmeckers Himmelreich, das seine Pforten niemals schließen möge, knackt unter Sternen und Tamarinden Krebse und Langusten, zahlt lächerliche fünf, sechs Euro, die man für ein Spottgeld hält. Und dann kommt man nach Hause zurück, sieht im Vorbeigehen, was wirklich billig ist: Döner für 2,80 Euro, Currywurst für 2,20 oder McDonald’s-Plastikpampe für 1,99

Ich weiß nicht, wie eure Erfahrungen sind, aber für mich funktioniert es als Faustregel ganz gut, Leute in die Kategorie “Muss ich nicht kennen.” einzuteilen, wenn sie sich mit völlig unangemessen überzogener Überheblichkeit darüber erregen, wie schlecht das Essen bei McDonald’s ist. Das hat nicht unbedingt damit zu tun, dass ich selbst da sehr gerne hin und wieder esse und auch jederzeit gerne nachdrücklich behaupte, es schmecke mir, sondern eben vor allem damit, dass Leute, die andere über deren eigenen Geschmack zu belehren versuchen, einfach keine vielversprechenden Gesprächspartner sind. Ähnliches gilt für haltlose Pauschalisierungen darüber, dass Leute, die einem nicht zustimmen, die Wahrheit nur nicht sehen oder hören wollen. Und wen wundert’s? Natürlich werden wir auch hier in Herrn Strobel Y Serras Text fündig:

Denn wir sehen nicht, dass wir uns von Ramsch ernähren. Wir wollen nicht hören, welcher Dreck in unserer Nahrung steckt.

Und nach diesen Sätzen habe ich dann endgültig aufgehört zu lesen, was euch vielleicht auch ganz recht ist, weil ihr womöglich Besseres zu tun habt als mir noch ein paar Stunden lang zuzuhören, wie ich über diesen FAZ-Autoren schimpfe:

[In Deutschland] haben ganze Bevölkerungsschichten, ganze Generationen es in ihrer Geizgeilheit und ihrem Küchenanalphabetismus fast verlernt, dass gutes Essen gutes Geld kostet und billiges Essen niemals gut sein kann [...] Sie sind bereit, für das Fünfundsechzig-Minuten-Konzert eines kapriziösen Popsternchens dreistellige Summen auszugeben. [...] Es sind dieselben Menschen, die dafür sorgen, dass eine Firma wie Apple dank ihrer iPhones und iPads in einem einzigen Quartal einen Gewinn von dreizehn Milliarden Dollar macht.

Herr Strobel Y Serra, auch wenn Sie dies mutmaßlich niemals lesen werden, ist mir in meiner kapriziösen Art gerade danach, Sie zum Abschluss direkt anzusprechen: Es gibt Menschen, die in ihrem Leben andere Prioritäten setzen als Sie und denen manche Konzerte und ihr iPhone wichtiger sind als sich so zu ernähren, wie es Ihnen schmeckt. Das ist genausowenig dumm oder klug oder richtig oder falsch wie Ihre Entscheidung, statt in ein iPhone und Konzerte in ein Degustationsmenü zu investieren. Dumm und falsch ist es hingegen, das Essen anderer Leute als Dreck zu bezeichnen und sich über jemanden zu erheben, weil er einen anderen Geschmack hat als man selbst. Als jemand, der durchaus selbst auch mal dazu neigt, auf andere Menschen herabzublicken, weil sie die Welt anders sehen als ich selbst, möchte ich Ihnen sagen, dass mir lange niemand mehr auf so schmerzhafte und damit anschauliche Weise vorgeführt hat, wie ekelhaft und borniert und dumm und rundum widerlich diese Neigung ist. Dafür vielen Dank.


Ich würde nur kein ganzes schaffen.

5. März 2012

Zur Feier der gerade beschlossenen Urheberrechtsverbesserung (Ja, ich weiß, die Daten stimmen nicht ganz, aber es passt ansonsten so schön, und denen ist die Wahrheit ja auch egal.) hat Focus Online offenbar beschlossen, mal zu demonstrieren, wie schlimm es werden könnte, wenn es mal keine Qualitätsjournalisten mehr gibt, weil Google sie alle aufgefressen hat. Zu diesem Zweck hat die Redaktion eine Dame an die Tastatur gelassen, die offenbar wirklich keinerlei journalistischen oder moralischen Anspruch an ihre eigene Tätigkeit stellt und deshalb gleich in der Überschrift jeglichen Anschein von Sachlichkeit und Wahrhaftigkeit beseitigt:

Forscher fordern Tötung von Neugeborenen

Ganz recht. Klingt vielleicht erst mal komisch, aber genauso ist es. Eine Gruppe von Wissenschaftlern hat sich zusammen gefunden, und setzt sich in einem Artikel im Journal of Medical Ethics dafür ein, die verfemten kleinen Schreihälse endlich ein für alle Mal auszurotten und … Oh, nein, so ganz stimmt das nicht:

Eltern soll es erlaubt werden, ihr Baby umbringen zu lassen – dafür plädieren zwei Wissenschaftler

Ach, naja. Wer wird schon so kleinlich sein und darin einen Widerspruch zur Überschrift sehen? Klingt doch sonst auch viel weniger spannend. Und für die, die es noch nicht verstanden haben, fasst Frau Vonhoff zum Schluss ihres, hm, Textes noch einmal zusammen:

Mit solchen provokanten Aussagen wollen die beiden Forscher den Mord an Neugeborenen rechtfertigen

Ja, ganz Recht. Mord. Problem? Ich meine, ist ja nicht so, als ob Mord ein legaldefinierter Straftatbestand wäre, den eine Tötung nur bei Vorliegen ganz bestimmter Voraussetzungen erfüllt, und außerdem: Heimtücke, niedrige Beweggründe, Mordlust? Was sonst sollte Eltern dazu treiben, ihre eigenen Kinder töten zu wollen?

Hach… Nein, ich habe keine Lust mehr, mich mit Frau Vonhoff auseinanderzusetzen. Wenden wir uns doch stattdessen dem Artikel zu, um den es eigentlich geht, der ist nämlich ganz interessant, und im Gegenzug zu mach anderem Beitrag zu dem Thema recht sauber durchargumentiert. Außerdem interessiert mich, ob wir Christinas Kopf vielleicht noch zum Explodieren kriegen:

we argue that, when circumstances occur after birth such that they would have justified abortion, what we call after-birth abortion should be permissible.

There are two reasons which, taken together, justify this claim:

  1. The moral status of an infant is equivalent to that of a fetus, that is, neither can be considered a ‘person’ in a morally relevant sense.

  2. It is not possible to damage a newborn by preventing her from developing the potentiality to become a person in the morally relevant sense.

Ich bin nicht sicher, ob ich da so ganz zustimme, aber zumindest überlegenswert finde ich das durchaus. Es hätte ja eine gewisse systematische Konsequenz:

Merely being human is not in itself a reason for ascribing someone a right to life. Indeed, many humans are not considered subjects of a right to life: spare embryos where research on embryo stem cells is permitted, fetuses where abortion is permitted, criminals where capital punishment is legal.

Um fair zu sein: Letzteres ist natürlich ein eher dummes Beispiel. Wenn jemand zum Tode verurteilt wird, wird ihm damit nicht grundsätzlich das Recht auf Leben aberkannt, und außerdem ist die Begründung in diesem Fall natürlich eine völlig andere. Aber das ändert nichts an der Schlüssigkeit des Artikels insgesamt:

Our point here is that, although it is hard to exactly determine when a subject starts or ceases to be a ‘person’, a necessary condition for a subject to have a right to X is that she is harmed by a decision to deprive her of X. [...]  in such cases we are talking about a person who is at least in the condition to value the different situation she would have found herself in if she had not been harmed. And such a condition depends on the level of her mental development, which in turn determines whether or not she is a ‘person’.

Da ist was dran. Und ich muss trotz vielleicht eher irrationalen Widerwillens eingestehen, dass ein Kind keinen stärkeren Schutz genießen sollte als ein Tier auf dem gleichen mentalen Stand. Das heißt natürlich nicht, dass Neugeborene völlig schutzlos sein sollten, denn auch einen Hund darf ich ja nicht einfach so umbringen. Ich muss ihn zumindest hinterher essen. Aber das erkennen auch die beiden Wissenschaftler an:

A consequence of this position is that the interests of actual people over-ride the interest of merely potential people to become actual ones. This does not mean that the interests of actual people always over-ride any right of future generations, as we should certainly consider the well-being of people who will inhabit the planet in the future.

Hm. Wie gesagt: Ich stimme den beiden nicht zu. Ich müsste wohl vorher ein bisschen mehr über die mentale Entwicklung von Kindern wissen. Aber ich denke andererseits auch nicht, dass wir diese Ideen zurückweisen sollten, einfach nur, weil sie uns instinktiv falsch vorkommen. Wir sind aus wohl offensichtlichen Gründen so eingerichtet, dass wir Neugeborene beschützen wollen, sie als Menschen empfinden, wie wir selbst es sind, und dass wir es für ein furchtbares Verbrechen halten, sie zu töten. Daraus folgt aber noch nicht, dass das richtig so ist.

[Nachtrag, 15:00 Uhr, 6. März 2012: Der Artikel ist auf der Seite des JME nicht mehr auffindbar. Über die Gründe können wir bis auf Weiteres nur spekulieren.

21:51: Und David hat ihn dankenswerterweise wiedergefunden. Ich habe die Links hier jetzt aktualisiert.]


We’ll raise our double standard and see who salutes

29. Februar 2012

Schon lange warte ich auf eine Gelegenheit, mal wieder was zum Thema Schwangerschaftsabbruch zu schreiben, und jetzt ist eine da.

Großbritannien hat ein liberales Abtreibungsgesetz, das den Ärzten viel Freiraum lässt – den diese mitunter auch missbrauchen. Mediziner sollen in mehreren Fällen dazu bereit gewesen sein, ein Kind abzutreiben, nur weil es in den Augen der Mutter das falsche Geschlecht hatte.

Die Selbstgerechtigkeit, Überheblichkeit, und Dummheit, mit der dieses Thema gerade öffentlich diskutiert wird, lässt sogar jemanden wie mich schon fast das Patriarchat sehen, obwohl ich normalerweise auf der nach oben offenen Feminismusskala irgendwo in der unteren Mittelklasse rangieren dürfte. Lassen wir uns von der SZ doch zunächst einmal dieses Zitat liberale Zitat Ende Abtreibungsgesetz knapp erklären:

In Großbritannien regelt das Abtreibungsgesetz von 1967 die Bedingungen für einen Abbruch bis zur 24. Schwangerschaftswoche. Dieser ist nur dann erlaubt, wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist, wenn das Kind “schwer behindert”, oder die Schwangerschaft geeignet ist, die “mentale oder körperliche Gesundheit” der Mutter oder etwaiger Geschwister zu beeinträchtigen. Eine Abtreibung wegen des Geschlechts des Kindes ist verboten.

Meine Damen und Herren, die Vorstellung der SZ von einem liberalen Gesetz: Eine Handlung ist grundsätzlich verboten, und nur dann ausnahmsweise erlaubt, wenn sie Lebensgefahr, schwere Behinderung oder sonstige Beeinträchtigung der Gesundheit verhindert.

Aber wir wollen uns hier nicht vorrangig über die Süddeutsche lustig machen, da gäbe es noch ganz andere Anlässe. Wir wollen uns stattdessen einmal die mögliche Rechtfertigung für dieses Gesetz anschauen. Sie kann nur im Schutz des ungeborenen Kindes bestehen, denn sonst geht die Entscheidung der Mutter schon einmal ganz offensichtlich niemanden an. Da muss ich nun zugeben, dass meine Kenntnisse der Embryogenese nicht ausreichen, um fundiert zum Entwicklungsstand in der 24. Woche Stellung zu nehmen. Ich kann aber zumindest erst einmal auf meine bereits etwas älteren Ausführungen zum Status von undifferenzierten Zellhaufen verweisen, und ansonsten gibt es ja dankenswerterweise Wikipedia:

Im 6. Monat ist der Fetus ein wenig runzelig: Das hängt damit zusammen, dass die Haut wächst und die unter der Haut liegende Fettschicht jedoch nur langsam gebildet wird. Die etwa 50 Zentimeter lange Nabelschnur ist spiralförmig eingedreht, sodass der Fetus genügend Bewegungsfreiheit in der Fruchtblase hat. Vor allem das Wachstum steht nun im Vordergrund, da die Differenzierung der Organe weitgehend abgeschlossen ist. In diesem Monat beginnt auch die Reifung des Gleichgewichtssinnes.

Im 7. Monat wird die Lunge funktionstüchtig, damit ist der Fetus mit der 28. Woche als Frühgeburt lebensfähig.

Okay. Wir müssen also wohl feststellen, dass wir zumindest in der letzten Phase dieses 24-Wochen-Zeitraums wirklich schon von einem ungeborenen Kind sprechen können, und dass es in dieser Phase in der Tat schon diskutabel ist, ob diesem Kind gewisse Rechte zustehen sollten.

Leider diskutiert das niemand. Dem SZ-Artikel ist nicht einmal zu entnehmen, um welche Schwangerschaftsphase es in den fraglichen Fällen ging. Der ursprüngliche Telegraph-Artikel erwähnt bei einem Beispiel, dass der Fetus 18 Wochen alt gewesen sein soll, vertieft dieses Thema aber auch nicht weiter. Es geht nicht um die Frage, ob und in welchem Stadium dem Kind irgendwelche Rechte zustehen. Es geht nur darum, dass der Grund für die Entscheidung der Mutter uns nicht gefällt.

Seine ganze Abscheulichkeit zeigt diese Entmündigung von Frauen in der deutschen Rechtslage, die Spiegel online treffend so zusammenfasst:

Vor Ende der zwölften Schwangerschaftswoche darf ein Arzt die Eltern nicht über das Geschlecht des Fötus informieren. So steht es in § 15 des Gendiagnostikgesetzes. Diese Frist ist bewusst gewählt, denn bis zur zwölften Woche sind hierzulande Schwangerschaftsabbrüche straffrei möglich.

Und das ist in meinen Augen nun wirklich der Höhepunkt der Dummheit und der Doppelmoral. Wir verbieten Ärzten unter Strafandrohung, Eltern bestimmte Informationen über ihr Kind mitzuteilen, weil wir nicht wollen, dass die Eltern auf Basis dieser Information eine Entscheidung treffen. Wir wollen lieber, dass die Eltern ihre Entscheidung blind treffen. Sie können ja eine Münze werfen, wenn sie sonst nicht weiter wissen. Das wäre rechtlich gar kein Problem. Ich könnte jetzt augenblicklich auf meine Tastatur spucken.

Kommen wir zu dem eigentlichen Grund, aus dem ich schon lange mal wieder was zu diesem Thema schreiben wollte: Ich habe in meinen bisherigen Beiträgen einen zentral wichtigen Aspekt nicht berücksichtigt, obwohl er so offensichtlich ist, dass ich im Nachhinein kaum verstehe, wie ich den nicht erwähnen konnte. Am Patriarchat kann’s jedenfalls nicht liegen. Dieser Aspekt kommt leider in der öffentlichen Diskussion auch viel zu kurz: Es geht verdammt noch mal um den Körper der Mutter. Es ist ihrer. Und es ist ihre Entscheidung, ob und warum und unter welchen Bedingungen sie ihn zur Verfügung stellt. Sicherlich lässt sich moralisch sehr gut vertreten, dass mit der Zeugung eine gewisse Verantwortung einhergeht, und dass eine Frau dieser Verantwortung nicht gerecht wird, wenn sie sich in einer späteren Phase der Schwangerschaft entscheidet, dass sie das Kind doch lieber nicht will, eventuell auch noch aus wirklich dummen Gründen. Ich verstehe sogar einen Arzt, der ab einem gewissen Entwicklungsstadium des Kindes keinen Schwangerschaftsabbruch mehr durchführen will. Aber deshalb steht es uns noch lange nicht zu, Ärzte zu bestrafen, wenn sie eine Schwangerschaft aus einem Grund beenden, mit dem wir nicht einverstanden sind. Deshalb steht es uns noch lange nicht zu, eine Frau zu zwingen, ihren Körper einem anderen Menschen zur Verfügung zu stellen, wenn sie das nicht will.

Ich stimme insofern dem ungenannten Arzt aus dem Telegraph-Artikel zu:

I don’t ask questions. If you want a termination, you want a termination.

Das ist in meinen Augen kein Missbrauch des gesetzlich eingeräumten Freiraums. Es ist sein ethisch gebotener Gebrauch.


Davos weh tut (2)

29. Januar 2012

So, der Rant ist fertig, jetzt sehe ich mich in der Lage, über das Interview der FAZ mit Herrn Appel von der Post zu schreiben, ohne mich strafbar zu machen. Los geht’s.

Schon die Überschrift ist bezeichnend für die Haltung des Herrn:

„Wir Besserverdiener wollen höhere Steuern zahlen“

Herr Appel, sie unaufrichtiger Mensch, Sie. Das haben Sie natürlich diplomatisch formuliert. Wie viel weniger nett hätte es geklungen, wenn Sie etwas gesagt hätten, was der Wahrheit näher käme, wie zu Beispiel:

“Ich und ein paar Leute, die ich kenne, sind der Meinung, dass andere Leute gezwungen werden sollten, höhere Steuern zu zahlen, und würden in dem Fall sogar akzeptieren, dass es uns dann eben auch treffen muss.”

Denn wenn es Ihnen wirklich nur darum ginge, für eine Gruppe zu sprechen, die gerne freiwillig höhere Steuern zahlen will, dann müssten Sie nicht darüber sprechen. Sie und diese anderen Menschen, von denen Sie reden, die offenbar gemeinsam mit Ihnen in der glücklichen Lage sind, zu viel Geld zu haben, könnten es einfach tun, und uns andere, die wir unser Geld noch selbst brauchen, vielleicht, weil wir nicht das Glück haben, für Monopolkonzerne zu arbeiten, die Jahrzehntelang alles vom Staat feingesiebt in diverse Körperöffnungen geblasen bekommen haben, mit Ihren Genörgel verschonen.

Hm. Anscheinend hat der Rant doch noch nicht allen Ärger aufgebraucht. Ich bitte um Entschuldigung und gehe jetzt mal einen Tee trinken. Wenn ich wiederkomme, müsste ich sachlicher sein.

So, bin zurück. Nächster Versuch. Fangen wir von vorne an, da wird es auch gleich lustig. die FAZ fragt, mit welchem Gefühl Herr Appel aus Davos nach Hause fährt, und er antwortet:

Mit dem Gefühl, dass das Schlimmste der Krise überstanden ist – diese Zuversicht höre ich aus vielen Gesprächen heraus.

Die FAZ weist ihn darauf hin, dass es üblicherweise anders kommt, als die Gipfelteilnehmer prognostizieren, worauf Herr Appel zustimmt und nun plötzlich die gegenteilige Erfahrung gemacht hat:

Meist tritt nicht ein, was die Majorität denkt – das deckt sich mit meiner Erfahrung. Insofern mag es Sie trösten, dass in Davos niemand jubelnd unterwegs ist. Es hat sich noch keine klare Mehrheit herausgebildet.

Ach so. Na gut, diese Argumentation ist wasserdicht. Ich schätze, wir können uns auf einen Boom freuen.

Angesichts von so viel Albernheit kann auch der FAZ-Mann nicht ernst bleiben, oder er hat versehentlich den Stichwortzettel von Bernd Stelter mitgenommen, was weiß ich?

Wie stellt sich aus Ihrer Warte die Misere in Griechenland dar? Transportieren Sie noch Pakete dorthin?

Ich kann mir den verdutzten Gesichtsausdruck und den verunsicherten Tonfall von Herrn Appel vorstellen, als er mit “Selbstverständlich” antwortet, worauf der investigative Journalist von Deutschlands bester Tageszeitung knallhart nachfragt:

Die Rechnung wird auch bezahlt?

Aber es wird auch irgendwann wieder ernst, und Herr Appel erklärt seine Position zum “ausufernden Finanzkapitalismus”:

ich glaube wie [Frau Merkel], dass wir eine stärkere Regulierung der Finanzmärkte brauchen.

[...]

Ich spreche von einer Form des Finanzkapitalismus, der keinen Nutzen für den Kunden generiert, denn der entzieht der sozialen Marktwirtschaft das Fundament

[...]

 Nur wer keinen Mehrwert generiert, der sollte auch nicht exzessiv bezahlt werden.

Und da bin ich jetzt nicht sicher, ob ich unfair bin, aber für mich klingt da diese anscheinend verbreitete Einstellung durch, dass man Dinge ruhig verbieten kann, die einem keinen Vorteil bringen. Warum sollten diese blöden Banker etwas tun dürfen, was “keinen Nutzen für den Kunden generiert”?

Ja, warum? Aus demselben Grund, aus dem wir alle nicht nur das tun dürfen sollten, was irgendjemand anders für nützlich befindet. Weil der Mensch nicht das Recht hat, andere Menschen zu zwingen, das zu generieren, was er selbst für Mehrwert hält. Herr Appel maßt sich hier etwas an, was ich für ungeheuerlich halte, was aber in der politischen Debatte als selbstverständlich gilt: Man schreibt anderen vor, das zu tun, was man selbst gern hätte. Mir gefällt es nicht, wenn jemand komplizierte Finanzderivate einsetzt, das gehört verboten. Mir gefällt es nicht, wenn jemand nur weiße Männer als Kellner einstellen will, das wird bestraft. Mir gefällt es nicht, wenn Leute Bücher zu billig verkaufen, her mit der Buchpreisbindung.

Ich muss nun zugeben, dass ich in diesem Bereich nur sehr beschränkt mit objektiver Wahrheit argumentieren kann. Ich kann vielleicht darauf hinweisen, dass meiner Meinung nach solche Vorschriften uns allen letzten Endes schaden, aber eigentlich ist das nicht mein Hauptargument. Mein Hauptargument ist eigentlich nur, dass ich echt nicht gerne in einer Gesellschaft leben möchte, in der ich permanent irgendeinem Zwang unterworfen bin, der in meinen Augen durch nichts gerechtfertigt ist. Es kotzt mich einfach an, dass Leute wie Herr Appel oder Herr Trittin oder Frau Merkel oder Herr Rösler sich das Recht herausnehmen, zu entscheiden, wie ich mich krankenversichern muss, ob ich beim Radfahren einen Helm trage, und zu welchem Preis ich Bücher kaufe. Ich meine, jetzt mal ehrlich: Buchpreisbindung? Buchpreisbindung? Geht’s noch? (Ich weiß natürlich, dass es hier eigentlich nicht um Buchpreisbindung geht und Herr Appel kein Wort zur Buchpreisbindung verloren hat, aber das ist mir gerade egal.)

Ja, das ist eine Geschmacksfrage. Ihr könnt das anders sehen, und ich kann schwerlich behaupten, das eure Position in irgendeinem objektiven Sinne fehlerhaft wäre. Aber ich kann mir doch zumindest wünschen, dass diejenigen, die das anders sehen, wenigstens offen damit umgehen. Wenn jemand meint, das Recht zu haben, Zwang gegen andere Menschen auszuüben, dann sollte er das meiner Meinung nach offenlegen und genau erklären, wie seine Rechtfertigung aussieht, statt seine Absichten hinter verschüchtertem Gemurmel von “Wir Besserverdiener wollen” und “sollte” und “Fundamenten der Sozialen Marktwirtschaft” zu verstecken, oder frommen Sprüchen wie “Der Staat sind wir”. Ich weiß nicht, was du bist, aber ich bin jedenfalls nicht der Staat. Wenn jemand mich unter Androhung von Gewalt zu etwas zwingen will, dann soll er das bitte mit vorgehaltener Waffe tun und nicht auch noch von mir erwarten, sein komisches Spiel von Vernunft und Konsens und Moral mitzuspielen.

Ja, das war jetzt ein bisschen pathetisch. Aber ist ja auch Sonntag, da darf man doch wohl ein bisschen übertreiben. Und ich hatte ja auch nie behauptet, dass ich sachlich bleiben will. Ich wollte mich nur nicht strafbar machen. Mission accomplished.


Code

8. Januar 2012

These people are good, honest, smart, not bat shit crazy people, so why the fuck are they saying bat shit crazy stuff to me?

sagt Penn Jillette, und er vermutet, dass die Leute in einem Code sprechen, den er nur nicht versteht. Das ist eine lustige Idee, aber ich glaube das nicht. Ich denke, dass Menschen generell in der Lage sind, zu einer bestimmten Sache völlig bekloppten Mist zu sagen, und trotzdem ansonsten völlig normal zu funktionieren. Compartmentalization. Für mich immer wieder bemerkenswert.

Unser heutiges Beispiel ist die Rabbinerin Elisa Klapheck, die bei faz.net wirklich eine ganz besondere Dose bat shit crazy stuff aufgemacht hat. Ich kann von ihr natürlich nicht guten Gewissens behaupten, dass sie eine gute, anständige, kluge, nicht völlig bekloppte Person wäre, aber ich unterstelle es ihr einfach mal wohlwollend. Und trotzdem sagt sie zuerst

Die Schuld des Verbrechers ist eine andere als die finanzielle Schuld oder die Schuld gegen Gott. 

was einerseits durchaus Sinn ergibt, andererseits aber…. sagen wir: keine große Erkenntnis ist. Wenn ich jemanden totschlage, ist das was anderes, als wenn ich mir Geld von ihm leihe. Wow, Danke, Frau Rabbinerin. Und dann vergisst sie diese Unterscheidung für das restliche Interview wieder und wirft die verschiedenen Konzepte fröhlich durcheinander, und wenn sie schon mal dabei ist, vermischt sie das Ganze noch mit einer dieser bat shit crazy abenteuerlichen Ideen von Ethik und Mitmenschlichkeit, die Religionen uns andrehen wollen:

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