Im Prinzip ja. (2)

22. Mai 2012

Heute geht es um den zweiten Teil der großen Spektrum-der-Wissenschaft-Enthüllungsstory “Sind Wissenschaft und Religion vereinbar?”, nämlich das Streitgespräch “Was können Wissenschaft und Religion voneinander lernen?” zwischen dem Soziobiologen Eckard Voland und dem Religionsphilosophen Winfried Löffler. Das Gespräch ist nicht frei erhältlich, und weil ich vom entgeltlichen Erwerb dringend abraten muss, gehe ich davon aus, dass sowieso keiner von euch Zugang zum Volltext hat und belasse es deshalb bei diesem einen Link.

Ich habe es auch noch nicht gelesen (Ja, ich weiß, dass ich in meinem ersten Post etwas anderes impliziert habe. Seht ihr nie Dr. House?) und bin deshalb genauso gespannt wie ihr auf das Lernpotential.

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Im Prinzip ja. (1)

16. Mai 2012

Die Redaktion des Magazins “Spektrum der Wissenschaft” hat sich entschieden, im Januar 2012 mal ein ganz brandheißes Eisen anzufassen und eine Frage zu diskutieren, die sonst kaum jemand zu stellen traut und für die wir alle schon so lange atemlos auf eine Antwort warten:

Sind Wissenschaft und Religion vereinbar?

Und weil ich mir denke, dass es nach der langen Wartezeit auf ein paar Monate mehr nicht ankommt, habe ich entschieden, jetzt mal über diesen Versuch einer Antwort zu berichten. Wer das auch so sieht, findet meinen Bericht hinter dem Klick. (Spoiler: Es wird eher unterhaltsam als lehrreich.)

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Die frohe Botschaft

6. April 2012

ds

Hey, weißt du eigentlich, wie viel Schuld du auf dich lädst? Schlimm ist das. Guck mal hier, lauter Regeln, gegen die du jeden Tag und dauernd und immer wieder verstößt. Hier zum Beispiel: Hast du schon mal gelogen? Ja? Siehst du, das darfst du nicht. Das ist falsch. Oder begehrst du manchmal andere Menschen, oder irgendwelche Gegenstände? Tja, das ist auch verboten. Vielleicht hast du sogar schon mal Verhütungsmittel benutzt. Sowas von verboten.

Das war dir bisher wahrscheinlich gar nicht klar, dass du eigentlich jeden Tag, jede Woche, jede Stunde irgendwas total Verbotenes machst, und dass du deshalb (und weil vor sechstausend zehntausend hunderttausend sehr vielen Jahren deine Vorfahren sich von einer sprechenden Schlange haben überreden lassen, eine Frucht zu essen, das spielt auch eine Rolle, aber das erklär ich dir später) voll der schreckliche Sünder bist.

Echt, du bist total schlimm. Das kommt dir vielleicht nicht so vor, aber weißt du, ich kenne da diesen unsichtbaren Typen, der vollkommen perfekt und gut ist und uns alle liebt, und im Vergleich mit dem bist du echt richtig schlimm. Du bist sogar so furchtbar, dass diesem Typen eigentlich keine Wahl bleibt, als dich für alle Ewigkeit in Qual und Leid und Verzweiflung zu übergeben, obwohl er dich total liebt. Gerade weil er dich so liebt sogar. Glaub ich.

Du hast da also echt ein Riesenproblem, nä? Aber, hey, mach dir keine Sorgen, denn ich hab die Lösung: Du musst einfach nur an den Sohn von dem Typen glauben, ja, genau, von dem unsichtbaren Typen der Sohn, der kann dir nämlich vergeben, wenn du an ihn glaubst. Der Typ hat nämlich seinen Sohn geopfert, und weißt du warum? Weißt du, warum dieser Typ seinen eigenen Sohn opfern musste? Ich sag’s dir: Weil du so ein schlimmer Sünder bist. Und ich natürlich auch. Das sind wir alle. Wir sind so schlimme Sünder, dass nur so ein riesiges Opfer das wieder gut machen konnte.

Und trotzdem gibt es immer noch ein paar Leute, die dieses Opfer nicht annehmen wollen, und denen der unsichtbare Typ deshalb nicht vergeben kann. Kannst du dir vorstellen, wie schlimm das für den ist? Das macht den richtig traurig. Und das kannst du doch nicht wollen, oder? Er hat sich solche Mühe für dich gegeben, um dich zu retten. Bestimmt willst du nicht, dass das alles umsonst war. Eben. Und ich kann dir erzählen, wie das geht. Ich kenn den Typen nämlich ziemlich gut, und seinen Sohn auch. Wir sind so. Und wenn du alles richtig machst, dann kannst du nicht nur gerettet werden, du kannst dich sogar auch mit denen anfreunden, und dann wird’s richtig schön. Richtig schön.

Übrigens, hast du ein paar Euro für den Unterhalt dieser riesigen Paläste, die wir für den unsichtbaren Typen und seinen Sohn gebaut haben? Die sind echt teuer.


Burn-Out

9. März 2012

Am Anfang erschuf Jahwe Elohim Himmel und Erde. Einfach so, aus dem Nichts. Er sprach ein Wort, und es ward. Na gut, es hat nicht alles ganz so geklappt, wie er es sich vorgestellt hatte, aber wir müssen zugeben, dass das eine Leistung war.

Später überflutete er einen ganzen Planeten und zerstörte Städte mit Feuer und Schwefel. Immer noch einigermaßen beeindruckend, allerdings schon auf einem Niveau, das wir mit heutiger Technologie auch mehr oder weniger erreichen können.

Zu Zeiten des Pharaonenreiches beschränkte er sich bereits darauf, Tiere mit Krankheiten zu infizieren und Handlanger zu schicken, um Säuglinge zu ermorden. Na gut, er hat außerdem das Herz des Pharaos verhärtet, damit der seine Sklaven nicht ziehen lässt, aber seien wir ehrlich: Keiner weiß, wie hart das Herz des Pharaos ohne Jahwe gewesen wäre.

Zu Beginn unserer Zeitrechnung trieb er Dämonen aus in* Schweineherden aus und weckte Leute, die vielleicht tot waren, oder im Koma, oder bewusstlos, oder betrunken, oder vielleicht auch nur schliefen, oder zumindest so taten. Ach so, und er ging über Wasser. Das war cool, aber nun wirklich nichts, was David Copperfield nicht auch hinbekäme.

Heute hilft er Leuten, Portemonnaies oder Autoschlüssel wiederzufinden.

Kann es sein, dass wir uns Sorgen um ihn machen müssen?

 

[*Mensch, warum sagt denn keiner was? Dämonen aus Schweinen austreiben... Ist doch lächerlich. So stimmt es jetzt.]


Vermischtes

18. Februar 2012

Rom. Unter großer Beachtung der Öffentlichkeit traf sich am heutigen Samstag in einem Zwergstaat innerhalb der italienischen Hauptstadt die Führung eines international tätigen Vereins, dessen Mission im Wesentlichen in der Verbreitung seiner Überzeugungen besteht, das Universum sei von einer aus drei vereinten Personen bestehenden Entität erschaffen und heute noch maßgeblich beeinflusst, die für den menschlichen Verstand nicht fassbar ist, deren Haltung in Bezug auf konkrete Sexualpraktiken und biotechnologische Verfahren dem Verein aber im Detail bekannt sind. Der Verein sieht sich in der Nachfolge der Anhänger der zweiten Person dieser unverständlichen, aber jeden einzelnen Menschen liebenden Entität, die als Mensch in die Welt getreten ist, um sich von den von ihr geliebten Menschen zu Tode foltern zu lassen, weil die Entität der Menschheit nur auf diese Weise dafür vergeben konnte, dass ihre Vorfahren sich von einer sprechenden Schlange dazu haben verleiten lassen, eine Frucht zu essen, deren Verzehr ihr von der Entität nachdrücklich untersagt worden war.

Das heutige Treffen – das sogenannte Konsistorium - fand vorrangig statt, damit das absolutistische Oberhaupt sowohl des Zwergstaates als auch des Vereins, das angeblich als Stellvertreter der allmächtigen und unbegreiflichen Entität auf Erden fungieren und befähigt sein soll, in besonderen Einzelfällen unfehlbar die Wahrheit zu verkünden, den 22 neu ernannten Führungskräften des Vereins eine besondere rote Kopfbedeckung mit mehreren Hörnern und einer Quaste aufsetzen und so der Berufung Rechtswirksamkeit verleihen konnte. Die neu ernannten Amtsträger sind nun unter anderem berechtigt, an der Wahl ihres Diktators teilzunehmen, haben Anspruch auf die Anrede “Eminenz” und dürfen an jedem Ort der Welt Menschen im Namen der allmächtigen unbegreiflichen Entität, der der Verein dient, für jede Verfehlung Vergebung gewähren (“Bußsakrament”). Eine Beteiligung der Opfer ist hierfür nicht erforderlich.

Der Verein schöpft seine Positionen zur Ethik aus einer jahrtausendealten Sammlung von Schriften verschiedener, unbekannter Autoren, die sich untereinander widersprechen und unter anderem die Steinigung ungehorsamer Kinder und Homosexueller sowie die Haltung von Sklaven vorsehen, fand sich in den letzten Jahren oft in den Schlagzeilen, weil seine Mitglieder unter Deckung seiner höchsten Führungskräfte Kinder vergewaltigten und gilt allgemein als eine der weltweit bedeutsamsten moralischen Autoritäten.


Nur so ein Beispiel

26. Dezember 2011

für die Leute, die fragen, warum Atheisten sich so haben und warum wir so militant sind, und die Religionen nicht einfach friedlich Religion sein lassen, es könnte uns ja egal sein:

Und aufgeklärte Religionen als herausragende Vermittler ethischer Standards – wer anders als sie könnte für Prinzipien wie Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit, Gewaltlosigkeit oder Gleichberechtigung im eigentlichen Sinne des Wortes „glaubhaft“ einstehen? Wenn diese nicht von Religionen vermittelt werden, ist nach meiner Überzeugung die Wahrscheinlichkeit überschaubar gering, dass sie überhaupt dauerhaft vermittelt werden können.

[via recotard]

Dieses Zitat stammt nicht vom Papst oder von einem Bischof oder irgendeinem religiösen Spinner, der mir bei Jesus.de über den Weg gelaufen ist. Es stammt von Norbert Lammert, unserem Bundestagspräsidenten und protokollarisch zweithöchsten Amtsträger der Bundesrepublik. Ich muss zwar eingestehen, dass er trotzdem kaum was zu sagen hat, aber wir alle wissen, dass solche einen Satz genausogut auch Angela Merkel oder Barak Obama hätten aussprechen können, ohne dass jemand sich groß gewundert hätte.

Ja, Religionen sind nicht die Wurzel allen Übels, sie sind nur ein besonders übles Symptom. Aber sie sind ein Symptom, das es unter anderem geschafft hat, dass höchste Würdenträger und – für manche leider immer noch – Respektspersonen öffentlich bekunden dürfen, dass Ethik für sie nur denkbar ist, wenn ein unsichtbarer Zauberer sie verkündet, ohne dass jemand sie auslacht oder ihnen dringend eine Therapie ans Herz legt. Sie sind ein Symptom, das in der Öffentlichkeit noch immer kaum als Zeichen einer Krankheit erkannt wird, sondern immer noch den Nimbus des Guten und Richtigen trägt, und das zu kritisieren immer noch als unanständig und taktlos gilt.

Und es geht noch weiter:

In unserem Zeitalter, in dem wir erschütternde Erfahrungen gemacht haben mit der Selektion vermeintlich wertvollen und angeblich unwerten Lebens, in Zeiten von Massenvernichtungswaffen und drohenden Klimakatastrophen durch menschliche Eingriffe in die Natur sollte der Glaube an die Überlegenheit verselbstständigter Vernunft gründlich abhandengekommen sein.

Und da… Ich weiß kaum, wie ich es sagen soll. Ich bin ein Freund der Meinungsfreiheit und würde niemals nach diesem Impuls handeln, weil ich weiß, dass es auf vielen Ebenen falsch wäre, aber doch: Dafür möchte ich ihn ohrfeigen. Nicht nur, weil es einfach Blödsinn ist, das sind wir ja gewohnt, sondern konkret wegen seines ersten Beispiels. Es gibt da für mich zwei Deutungen. Die erst, die mir einfiel, war das Dritte Reich, denn an das denken ja nun mal die meisten Leute, die den Begriff “unwertes Leben” aus der Mottenkiste holen. Würde es das tatsächlich so meinen, dann wäre nun amtlich, dass der zweithöchste Mann in unserem Staat den Holocaust für einen Akt der Vernunft hält.

Wenn man ihm einen gewissen Benefit of Doubt (Kennt jemand einen gutes deutschen oder zumindest etablierten Begriff dafür?) zugestehen will, könnte man wohl auch sagen, dass er nur von Abtreibung und PID spricht. In diesem Fall rückt er diese beiden medizinischen Instrumente aber bewusst in die Nähe nationalsozialistischen Genozids, und ich bin nicht sicher, ob ich das weniger widerwärtig finde als die erste Alternative.

Wie man es auch dreht und wendet, ich sehe eigentlich keine Möglichkeit, wie einem denkenden Menschen bei der Lektüre solcher Sprüche vom Präsidenten unseres Parlamentes nicht das kalte Kotzen kommen sollte.

Und ihr so?


Anne Frankly, I did Nazi that coming (2)

25. November 2011

Die Serien häufen sich in letzter Zeit. Weiß auch nicht, wie das kommt. Aber dies hier finde ich einfach zu gut, um es nicht zu dokumentieren. Vielleicht dient es ja der einen oder anderen Leserin zur Erheiterung.

Drüben bei Jesus.de erschien ein Post zum Thema “Organspende”, und das ist ein Steckenpferd von mir. Vielleicht hat es damit zu tun, dass mein Vater jahrelang vergeblich auf eine Leber wartete, aber ich glaube eher, dass ich mich auch sonst genausogut über die Dummdreistigkeit von Leuten aufregen könnte, die im Ernst und frei von jedem Selbstzweifel verlangen, man möge sie moralisch nicht unter Druck setzen und dürfe sie nicht zwingen, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, ob sie gerne wollen, dass ihre Organe nach ihrem Tod nutzlos verwesen, oder ob sie zur Rettung von Menschenleben eingesetzt werden können.

Ich habe zu dem Thema ja eine durchaus extreme Auffassung, und gestern Abend war mir aus verschiedenen Gründen sowieso nach Krawall, deswegen fuhr ich die übliche Argumentation auf: Ein (Gehirn)Toter ist keine Person mehr, deswegen hat er auch keine Rechte mehr, deswegen kann man ihm Organe entnehmen, ob er das nun zu Lebzeiten gut fand oder nicht. Ich bekam natürlich die üblichen Gegenargumente zu lesen: Der Gehirntod sei kein gutes Kriterium für den Tod des Menschen, Organhandel, die Organspendelobby, Totenruhe, Recht auf körperliche Unversehrtheit, Medizin ist sowieso des Teufels, blahfasel.

Das war zu erwarten.

Aber völlig überraschend kam für mich eine Linie, der nicht nur einer, sondern sogar mindestens zwei der (meines Wissens) christlichen Diskussionsteilnehmer folgten: Es wurde bestritten, dass es überhaupt einen sinnvollen Unterschied zwischen Personen und Sachen gebe.

Ich weiß nicht, ob ihr euch meine Fassungslosigkeit ob dieses Dialoges vorstellen könnt:

“Wenn man schon so anfängt, dann ist man nicht weit davon, auch Lebende ihre Rechte verwirken zu lassen. Je gieriger andere auf das sind, was man zu bieten hat, desto schneller geht sowas. Da sage ich: Wehret den Anfängen!”

Slippery Slope. Nicht nur beim Thema Organspende eine immer wieder beliebte Argumentation, über die man gar nicht genug spotten kann. Ich antwortete also:

Äh… Genau.
Wenn eine Bratpfanne keine Rechte hat, dann ist der logische nächste Schritt der Holocaust.

In der sicheren Erwartung, dass mein(e) Gesprächspartner(in) sich über den Nazivergleich entrüsten würde oder mich ermahnen, doch ernst zu bleiben. Aber weit gefehlt:

Dummerweise lief das damals wirklich genau so. Erst waren es Geschäfte, Friedhöfe und Synagogen, dann wurden die Menschen selbst vernichtet.

Wow. Und auch Diceman kam schnell zu seinem Kernpunkt, dass es doch überhaupt keinen Sinn ergäbe, einem Menschen mehr Rechte zuzubilligen als einem Gehstock:

Menschen können nichts, was andere Objekte nicht auch können und da die Natur unnötigen hohen Aufwand scheut (Ockhams Razor) wäre es unlogisch, ihnen herausragende Eigenschaften anzudichten.

Nun weiß ich nicht, ob das Trolle sind, oder ob sie unter Einfluss bewusstseinsverändernder Substanzen standen (Zumindest bei Diceman können wir das vielleicht ausschließen, denn er glaubt nicht an ein Bewusstsein.), aber ich dachte, es würde euch vielleicht interessieren, wo die Reise in den Wahnsinn bei Jesus.de jetzt offenbar hingeht: Gleichberechtigung für Bratpfannen.

Und da sag noch mal einer, Diskussionen mit Gläubigen wären nutzlos.


Offensichtlicher Blödsinn

24. November 2011

Bei dem Unternehmen Bayer Healthcare AG werden auch in Zukunft Außendienstmitarbeiter, die auf blonde Frauen mit Sommersprossen stehen, grundsätzlich nicht mit ihren Partnerinnen gemeinsam ihren Dienstwagen nutzen dürfen.

Widernatürlich und schöpfungswidrig: Sommersprossen

Alle vier Gesprächskreise des Pharmakonzerns kündigten am Dienstag in Leverkusen an, diesen Grundsatz nicht anzutasten und lediglich in Einzelfällen blonden, sommersprossigen Paaren das gemeinsame Fahren im Firmenfahrzeug zu eröffnen.

Am kritischsten zur gegenwärtigen Regelung äußerte sich der liberale Gesprächskreis «Offene Bayer AG». Dessen Voristzende Sabine Kreisker sprach sich für die Gleichbehandlung solcher Paare und die grundsätzliche Öffnung der Dienstwagen für diese Personengruppe aus. «Schweren Herzens» sei man aber bereit, im Interesse der betroffenen Außendienstmitarbeiter an der bisherigen Einzelfallregelung festzuhalten, sofern sie rechtssicher als Betriebsvereinbarung oder in einem Tarifvertrag festgeschrieben werde.

Hans Winter vom konservativen Gesprächskreis «Lebendige Bayer AG» wies darauf hin, dass er mal ein altes Buch gelesen habe, das die Zuneigung zu blonden Frauen mit Sommersprossen durchgängig negativ bewerte. Derartige Paare im Dienstwagen könnten keine betrieblich legitimierte Praxis sein. Winter warb dafür, dass die Bayer AG auch arbeitsmedizinische Initiativen für Menschen unterstützt, die ihre Neigung zu blonden, sommersprossigen Frauen nicht ausleben wollten.

Abteilungsleiter Heinz Gosen von der als gemäßigt geltenden Gruppierung «CSR und Bayer» sagte: «Es geht, wenn es im Betrieb geht.» Man stehe voll und ganz hinter dem Leitbild Familie im Dienstwagen, das werde auch auf Dauer so bleiben. Deshalb könne nur wie bisher im Einzelfall ausgelotet werden, welcher Handlungsspielraum für Mitarbeiter mit vorliebe für blonde Haare und Sommersprossen bestehe.

Karl Franz von der sich als Reformbewegung verstehenden «Bayer AG für morgen» sprach sich ebenfalls für die Einzelfallregelung aus. Diese sei «kein betriebswirtschaftlicher, sondern ein politischer Kompromiss». Da gelebte Liebe zu blonden Frauen mit Sommersprossen von den Kunden der Bayer AG unterschiedlich beurteilt werde, setze man sich für eine Regelung ein, die bei möglichst vielen Menschen Akzeptanz finde.

(Quelle: epd)


Taschentuch? (3)

23. November 2011

Ich mag PZ Myers nicht. Ich mochte ihn noch nie. Das hat verschiedene Gründe, und leider keinen einzigen ganz klaren, endgültig ausschlaggebenden.

Es fängt damit an – und das mag sogar mit Neid zu tun haben, auch wenn ich selbst das nicht glaube – dass er einer dieser vielen Blogger ist, deren Erfolg ich nicht verstehe. Er schreibt nicht besonders gut. Er ist nicht besonders lustig. Und überhaupt hat sein Stil irgendwas an sich, was mir gegen den Strich geht. Seine cutesie-furry-Beiträge finde ich nervig – die regen mich übrigens auch bei Niggemeier völlig unangemessen auf -, und sogar die Octopi sind zwar eine interessante Abwechslung, wirken auf mich aber eher aufgesetzt. Er schafft es irgendwie, mich sogar mit Beiträgen zu ärgern, denen ich inhaltlich zustimme.

Ich schaue trotzdem hin und wieder mal in sein Blog, weil es aufgrund seiner Größe so eine Art atheistischer Nachrichten-Knotenpunkt geworden ist. So wie ich auch faz.net und Spiegel Online manchmal besuche. Vielleicht geht es da vielen Leuten wie mir, wer weiß? Wahrscheinlich erklärt das zumindest einen Teil seines Erfolgs, wie bei jedem großen Medium: Wachstum ist ein sich selbst verstärkender Prozess.

Dass ich seinen Kram manchmal lese, obwohl er mir nicht gefällt, verstärkt natürlich wiederum meine Aversion – ich weiß, wir sind jetzt ziemlich tief in meiner kranken, kranken Psyche, aber keine Sorge, ich komme gleich zur Sache -, und deshalb halte ich schon seit einiger Zeit mehr oder weniger unterbewusst Ausschau nach einem Artikel, bei dem ich auch inhaltlich völlig anderer Meinung bin und ihm wirklich richtig widersprechen kann. Das ist nicht so einfach, denn den Occupy-Stuss wollte ich nicht aufgreifen, weil ich den bisher nicht interessant genug finde, um hier eine Diskussion darüber anzufangen.

Ihr könnt euch also nun vorstellen – oder müsst es mir glauben, wenn ihr nicht eine ähnliche Persönlichkeitsstörung habt wie ich -, dass ich mich wie ein Schneekönig freute, als ich seinen Beitrag über die Entschuldigung von Gelato Guy las. Natürlich enthält der auch noch vieles, was ich ganz genauso sehe, aber alles in allem finde ich, dass PZ hier ziemlich danebenliegt.

Hintergrund: Gelato Guy ist ein Eisdieler in der Stadt, in der Skepticon dieses Jahr abgehalten wurde, und er hatte – offenbar nur für ein paar Minuten – ein Schild in seinem Schaufenster, auf dem stand:

Skepticon is NOT welcomed to my Christian business

Ich kann mir nicht helfen, aber das finde ich schon mal immens sympathisch. Ich frage mich nämlich schon seit Jahren, was Geschäftsleute dazu treibt, diese bescheuerten “Agritechnica Welcome”-Schilder in ihre Schaufenster zu hängen, wenn Messen in ihrer Stadt abgehalten werden. Welche Information transportiert so ein Schild? Sind andere Leute nicht willkommen? Sind Messebesucher noch willkommener als andere? Warum? Wieso sollten Messebesucher daran zweifeln, dass sie in Läden willkommen sind, wenn sie etwas kaufen wollen?

Da kommt es mir vergleichsweise erfrischend vor, ein Schild mit einer Abweisung aufzuhängen. Natürlich demonstriert der Kerl damit ein gewisses Maß an Borniertheit, aber es ist nicht so, dass man ohne ein gewisses Maß an Borniertheit überhaupt religiös sein könnte, (PZ Myers zitiert in einem seiner lichten Momente diesen sehr schönen Spruch von David Silverman: “You can be a theist, and you can be a skeptic. But if you’re both, you’re not very good at one of them.”) und es ist immerhin seine Eisdiele. Wenn er da jemanden nicht haben will, demonstriert er damit vielleicht, dass er ein Armleuchter ist, aber das ist es dann auch.

(Nebenbei: Gebt mir ein “Hallelujah!” dafür, dass bisher noch niemand auf die Idee gekommen zu sein scheint, das Ganze “Gelatogate” zu nennen, oder “Skeptigate”, oder “Gatelato”, oder sowas…)

Und er hat seinen Fehler sogar eingesehen. Ich weiß natürlich nicht, ob er wirklich seinen Fehler verstanden hat, oder ob er nur die schlechte Publicity fürchtet, aber ich weiß auch nicht, ob der Papst wirklich Katholik und ob Joschka Fischer wirklich grün ist. Was soll man machen? Für mich klingt seine Entschuldigung jedenfalls überzeugend:

This was an impulsive response, which I fully acknowledge was completely wrong and unacceptable. The sign was posted for about 10 minutes or so before I calmed down, came to my senses, and took it down. For what it’s worth, nobody was turned away. I strongly believe that everybody is entitled to their beliefs. I’m not apologizing for my beliefs, but rather for my inexcusable actions. I was wrong.

Das ist eine echte Entschuldigung, nicht so eine komische, wie manche Leute sie gerne benutzen, wenn sie einfach ihre Ruhe haben wollen (“Es tut mir Leid, wenn jemand sich durch mein Verhalten angegriffen gefühlt haben sollte, aber…”). Er sagt, dass er einen Fehler gemacht hat, dass sein Verhalten völlig inakzeptabel war, dass er Unrecht hatte, und dass er jedem das Recht seinen eigenen Glauben zugesteht. Na gut, das letzte ist irgendwie Quatsch, aber trotzdem: Es ist eine echte Entschuldigung, und ich sehe keinen Grund, an ihrer Aufrichtigkeit zu zweifeln. Gelato Guy hat außerdem sogar noch eine persönliche Entschuldigung an PZ Myers direkt geschickt. Das ist nun wirklich schon lächerlich, denn er hat PZ Myers ja gar nichts getan. PZ hat nicht versucht, bei ihm ein Eis zu kaufen. Aber PZ ist das egal. PZ akzeptiert die Entschuldigung nicht:

Apology not accepted. What I see in you is a person who hates me for not believing in the nonsense of your religion. [...] You’ll just have to live with the fact that I won’t be buying your ice cream on the rare occasions I visit your town, while I have to live with the fact that I live in a country where my rejection of your religion makes me a pariah. There’s absolutely nothing you can do to make up for that.

Ich bin gespannt, was ihr denkt, aber ich denke, das ist lächerlich. Das ist arm. Das ist völlig unangemessen. Der Kerl hat impulsiv ohne nachzudenken ein Schild an seine Tür gehängt, und es nach zehn Minuten wieder abgenommen. Ich sehe keinen Anlass, ihm Hass gegen irgendwen zu unterstellen. Er ist nicht verpflichtet, irgendwas wieder gutzumachen, denn er hat niemandem geschadet außer sich selbst. Ich würde jetzt nicht sagen, er wäre “classy” – woher soll ich wissen, wie er ist? Ich kenne ihn nicht -, aber er macht so auf den ersten Blick einen besseren Eindruck als die meisten bigotten Armleuchter, die da draußen so rumlaufen. Und verdammt noch mal, wenn PZ Myers meint, er sein “pariah”, dann sollte er vielleicht doch seine Maßstäbe noch mal neu kalibrieren.

So ziemlich alles, was danach kommt, ist inhaltlich okay, obwohl Myers für meinen Geschmack immer noch zu sehr den Märtyrer gibt und das Pathos arg dick aufträgt. (“And until 150 million Christians rise up and show some respect for common humanity and reason, and apologize to me and every godless citizen in this country, I will not be magnanimous.”) Aber die Entschuldigung von einem Kerl abzulehnen, der einen Fehler gemacht hat, unter dem nur er selbst leidet, der einem nichts getan hat, und der öffentlich erklärt hat, dass sein Verhalten inakzeptabel und falsch war, und ihn wegen dieses einen albernen Fehlers zu einem Posterboy für Bigotterie und Unterdrückung Andersdenkender aufzubauen, das ist jetzt wirklich mal ein Beispiel für dieses “Being a dick“, von dem in Bezug auf evangelikale Atheisten so oft die Rede ist, und von dem ich mich schon gefragt habe, ob es das wirklich gibt.

Ja, gibt es.


Restebloggen am Sonntag (77)

6. November 2011
  1. Gerade bei Facebook irgendsoeine sonderbare Alternative gelesen: “RIP Arbeitslosigkeit. Vollbeschäftigung gelingt, wenn alle mitmachen”
    Solche Sprüche machen mich immer schmunzeln. So ziemlich alles gelingt, wenn alle mitmachen. Es machen nie alle mit. Vorhaben, die nur dann gelingen, wenn alle mitmachen, sind von Arsch.
  2. Sagt mal, ihr Vollpfosten vom “Allgemeinen Krankenversicherungsvergleich” oder wie immer ihr euch das nächste Mal nennt, wenn ihr mich anruft, um mir einzureden, dass ich mit euch total viel Geld sparen kann: Welchen Sinn hat es, dass eure Mitarbeiter jedes Mal, aber auch wirklich jedes Mal, wenn ich mich deutlich und unmissverständlich mit meinem vollen Namen an meinem Mobiltelefon melde, das Gespräch mit dem Satz eröffnen: “Kann ich bitte mit Herrn Muriel Silberstreif sprechen?” Ihr sprecht schon mit mir, ihr Dumpfnasen, das habe ich euch gerade eben gesagt! Wie saudämlich kann man sich eigentlich anstellen, wenn man jemandem was verkaufen will, ohne dass man durch die schiere Gewalt der eigenen Dummheit zerrissen wird?
  3. Zuerst wollte ich hier einen Diskussionsbeitrag von mir drüben bei Unwise Sheep veröffentlichen, aber dann hat meine gute alte Freundin Christina damit zusammenhängend, aber unter einem anderen Beitrag, einen Kommentar abgegeben, der so dermaßen den Vogel abschießt, dass nichts, was ich jemals schreiben werde, da auch nur annähernd heranreichen könnte. Sie hat mir leider nicht gestattet, ihn hierher zu übernehmen, deswegen müssen die, die es interessiert, sich rüber begeben und ihn dort lesen.
    (Den ursprünglichen Hauptpost sowie den Rest der Diskussion darunter zu lesen lohnt sich übrigens auch für alle Sammler christlicher Argumente und unglaubhafter “Seht mal, was für dumme Armleuchter Atheisten sind”-Anekdoten.)
  4. Boah. Wie konnte Valve jemals groß werden mit so einem Schund wie “Half-Life” am Start? Ich kann immer noch nicht fassen, dass das dieselben Leute sind, die Portal gemacht haben. Das Spiel beginnt nicht nur mit einer gefühlten halben Stunde Langeweile, es macht auch danach einfach keinen Spaß. Wenn ich einen Raum betrete und dann ohne jede Vorwarnung oder Chance, auszuweichen, von einem umfallenden Schrank (!) erschlagen werde, dann mag das realistisch sein, aber deshalb noch lange kein gelungenes Designelement in einem Spiel.
  5. Liebes Internet:

    Wenn du unsere Preise schon kopierst, kopier’ die 14.496 Mitarbeiter gleich mit.

    Die lustige Antwort auf Media Markts erbärmliches Plakat gibt es schon bei Alexander Kluge, deswegen bleibt mir nur noch die unlustige:
    Lieber MediaMarkt,
    das Internet kopiert deine Preise nicht, sondern unterbietet sie konsequent, und deine 14.996 Mitarbeiter sind ohne mir bekannte Ausnahme bei Bedarf nicht auffindbar, und wenn doch, dann sind sie entweder unwillig, mir zu helfen, oder unfähig, und meistens beides, deswegen nagel dir doch bitte eine Frikadelle an’s Knie und geh sterben, statt uns noch die Ohren vollzujammern. Bitte. Jetzt.

  6. Da Feminismus auch hier gerade en vogue ist, interessiert euch vielleicht eine kleine Vergewaltigungsdebatte, die ich drüben gerade mit Nicklas Vegas führe. Überhaupt ist sein Blog lesenswert.
  7. Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass der einzige Mann, für den ich das mit meiner Heterosexualität eventuell überdenken würde, einen Podcast hat? Gleefully Macabre. Vielleicht wollt ihr ja auch mal reinhören. Ich sag ja nur.

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