Im Prinzip ja. (2)

22. Mai 2012

Heute geht es um den zweiten Teil der großen Spektrum-der-Wissenschaft-Enthüllungsstory “Sind Wissenschaft und Religion vereinbar?”, nämlich das Streitgespräch “Was können Wissenschaft und Religion voneinander lernen?” zwischen dem Soziobiologen Eckard Voland und dem Religionsphilosophen Winfried Löffler. Das Gespräch ist nicht frei erhältlich, und weil ich vom entgeltlichen Erwerb dringend abraten muss, gehe ich davon aus, dass sowieso keiner von euch Zugang zum Volltext hat und belasse es deshalb bei diesem einen Link.

Ich habe es auch noch nicht gelesen (Ja, ich weiß, dass ich in meinem ersten Post etwas anderes impliziert habe. Seht ihr nie Dr. House?) und bin deshalb genauso gespannt wie ihr auf das Lernpotential.

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Im Prinzip ja. (1)

16. Mai 2012

Die Redaktion des Magazins “Spektrum der Wissenschaft” hat sich entschieden, im Januar 2012 mal ein ganz brandheißes Eisen anzufassen und eine Frage zu diskutieren, die sonst kaum jemand zu stellen traut und für die wir alle schon so lange atemlos auf eine Antwort warten:

Sind Wissenschaft und Religion vereinbar?

Und weil ich mir denke, dass es nach der langen Wartezeit auf ein paar Monate mehr nicht ankommt, habe ich entschieden, jetzt mal über diesen Versuch einer Antwort zu berichten. Wer das auch so sieht, findet meinen Bericht hinter dem Klick. (Spoiler: Es wird eher unterhaltsam als lehrreich.)

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Alienate ALL the readers!

1. Mai 2012

Hier gibt es mal wieder nichts zu sehen. Bitte gehen Sie weiter. (Vielleicht sollte ich eine eigene Unterseite aufmachen für Artikel, die niemand lesen soll. Was meint ihr?)

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Latürnich

30. April 2012

Eigentlich mag ich JayJay von LforLiberty ja immens gerne, und ihr ahnt es sicher schon: Ein Artikel, der so beginnt, kann nur ganz ganz grausig enden. Und in der Tat ist dies nicht das erste Mal, dass er und ich ganz fundamental anderer Meinung sind. Diesmal geht es um ein Konzept, das ich bisher zwar (als “Deismus”) kannte, aber nicht unter dem Namen, den er dafür benutzt (“Natürliche Theologie”), und mit dem ich mich bisher nie eingehend beschäftigt habe. Zeit, das zu ändern:

Natürliche Theologie ist laut Wikipedia (und gewissermaßen auch laut JayJay, denn er hat den Beitrag verlinkt)

 der Versuch [...], aus natürlichen Quellen Erkenntnis über Gott zu gewinnen. Mit ‚natürlichen Quellen‘ sind hier vor allem die menschliche Vernunft und die Betrachtung der Schöpfung, insbesondere der mit den Sinnen wahrnehmbaren Welt gemeint. Obwohl von Gott geredet wird, handelt es sich bei der natürlichen Theologie dem Anspruch nach nicht um Glauben und Religion, sondern um die denkerische Durchdringung des Weltzusammenhangs mit wissenschaftlich verantworteter und nachvollziehbarer Methodik.

Und um gleich von vornherein jeden Eindruck von Unvoreingenommenheit und Fairness zu vermeiden: Das ist Blödsinn. Eine wissenschaftlich verantwortete Methodik” kann nicht einfach die Annahme aus dem Hut ziehen, das Universum sei die Schöpfung eines Gottes, und die Vorstellung von diesem Gott ist der Beschreibung nach auch eher eine noch absurdere als die der gängigen Religionen:

Wikipedia sagt:

 Als „unbewegter Beweger“ und „erste Ursache“ ist Gott unveränderlich und ewig, ist er frei von jeglicherPotenz, also reiner Akt (actus purus) und reiner Geist, ohne materielle Beschränkungen und Mängel, also vollkommen. Bei ihm fallen Sein (esse) und Wesen (essentia) zusammen. Als vollkommenem Urgrund allen Seins muss Gott zukommen, was immer es in der von ihm geschaffenen Welt, namentlich im Menschen, an Wahrem und Gutem gibt: Sein, Leben, Wissen, Macht, Personalität, Liebe,Glück – nur in unvergleichlich höherer Weise. Er ist deshalb das Sein und das Leben selbst, allgegenwärtig, allwissend und allmächtig, absolute Personalität, unendliche Liebe und vollkommene Glückseligkeit.

Das sind nicht nur extrem abwegige Behauptungen auf extrem wackeliger Basis, das ergibt für mich nicht mal einen Sinn. Solchen Unfug zu lesen, ist für mich so belastend, dass ich im Weiteren aufhören will, mich auf den Wikipedia-Artikel zu beziehen, denn dieser Beitrag soll sich eigentlich nicht auf die frustriert tourettehafte Beschimpfung seines Gegenstandes beschränken, sondern anhand von JayJays Argumentation darstellen, wie ich zu diesem Konzept “Natürliche Theologie” stehe und wo ich die Fehler darin VÜLGÄRER AUSDRUCK FÜR GENITALIEN! sehe. Pardon. Wird nicht wieder vorkommen.

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Philoso1(3)/Driving home for eine Woche nach Ostern

14. April 2012

Ein unermüdlicher Fan hat in der letzten Zeit hartnäckig unzählige Male die Aufforderung an mich herangetragen, doch mal wieder was zum Hören aufzunehmen.

Ich denke, das wird nicht wieder vorkommen.

Hier ist Weisheit:


Hier ist der Download

Wer es genau wissen will, findet hier die Quellen, über die ich spreche: Episode 2.7 der Godless Bitches (nicht 2.8, wie ich im Cast behaupte), Böss in Berlin und Marinas Lied


Die frohe Botschaft

6. April 2012

ds

Hey, weißt du eigentlich, wie viel Schuld du auf dich lädst? Schlimm ist das. Guck mal hier, lauter Regeln, gegen die du jeden Tag und dauernd und immer wieder verstößt. Hier zum Beispiel: Hast du schon mal gelogen? Ja? Siehst du, das darfst du nicht. Das ist falsch. Oder begehrst du manchmal andere Menschen, oder irgendwelche Gegenstände? Tja, das ist auch verboten. Vielleicht hast du sogar schon mal Verhütungsmittel benutzt. Sowas von verboten.

Das war dir bisher wahrscheinlich gar nicht klar, dass du eigentlich jeden Tag, jede Woche, jede Stunde irgendwas total Verbotenes machst, und dass du deshalb (und weil vor sechstausend zehntausend hunderttausend sehr vielen Jahren deine Vorfahren sich von einer sprechenden Schlange haben überreden lassen, eine Frucht zu essen, das spielt auch eine Rolle, aber das erklär ich dir später) voll der schreckliche Sünder bist.

Echt, du bist total schlimm. Das kommt dir vielleicht nicht so vor, aber weißt du, ich kenne da diesen unsichtbaren Typen, der vollkommen perfekt und gut ist und uns alle liebt, und im Vergleich mit dem bist du echt richtig schlimm. Du bist sogar so furchtbar, dass diesem Typen eigentlich keine Wahl bleibt, als dich für alle Ewigkeit in Qual und Leid und Verzweiflung zu übergeben, obwohl er dich total liebt. Gerade weil er dich so liebt sogar. Glaub ich.

Du hast da also echt ein Riesenproblem, nä? Aber, hey, mach dir keine Sorgen, denn ich hab die Lösung: Du musst einfach nur an den Sohn von dem Typen glauben, ja, genau, von dem unsichtbaren Typen der Sohn, der kann dir nämlich vergeben, wenn du an ihn glaubst. Der Typ hat nämlich seinen Sohn geopfert, und weißt du warum? Weißt du, warum dieser Typ seinen eigenen Sohn opfern musste? Ich sag’s dir: Weil du so ein schlimmer Sünder bist. Und ich natürlich auch. Das sind wir alle. Wir sind so schlimme Sünder, dass nur so ein riesiges Opfer das wieder gut machen konnte.

Und trotzdem gibt es immer noch ein paar Leute, die dieses Opfer nicht annehmen wollen, und denen der unsichtbare Typ deshalb nicht vergeben kann. Kannst du dir vorstellen, wie schlimm das für den ist? Das macht den richtig traurig. Und das kannst du doch nicht wollen, oder? Er hat sich solche Mühe für dich gegeben, um dich zu retten. Bestimmt willst du nicht, dass das alles umsonst war. Eben. Und ich kann dir erzählen, wie das geht. Ich kenn den Typen nämlich ziemlich gut, und seinen Sohn auch. Wir sind so. Und wenn du alles richtig machst, dann kannst du nicht nur gerettet werden, du kannst dich sogar auch mit denen anfreunden, und dann wird’s richtig schön. Richtig schön.

Übrigens, hast du ein paar Euro für den Unterhalt dieser riesigen Paläste, die wir für den unsichtbaren Typen und seinen Sohn gebaut haben? Die sind echt teuer.


Zwei Nasen zanken super

19. Februar 2012

Ich möchte jetzt doch gerne noch mal auf Thomas eingehen, auch wenn die meisten von euch das wahrscheinlich erst einmal nicht wollen. Ich glaube aber, dass es für alle interessant werden könnte und würde mich deshalb freuen, wenn ihr uns noch eine Chance geben könntet. Er hat nämlich gerade zu seinem für mich nicht so erfreulichen Beitrab in seinem Blog einen Kommentar geschrieben, der mich wiederum sehr freute. Er illustriert nämlich ein Problem, über das ich schon oft schreiben wollte, aber mir fehlte immer der Aufhänger.

Voilà Aufhänger: Thomas fragte mich, ob ich denn der Meinung sei, Religion sei “objektiv unsinnig”, worauf ich sinngemäß erwiderte, eher nicht, aber das käme wohl auf die Definition an, denn wenn man erst einmal ein klare Definition habe, dann bleibe nur noch eine objektiv beantwortbare Frage übrig.

Er schrieb nun:

Ich kann nicht einmal mit Sicherheit in jedem Einzelfall sagen, ob etwas sinnvoll ist oder nicht. Dazu stand ich schon zu oft in verschiedensten Zusammenhängen von dieser Frage. Manchmal habe ich es nur gedacht, manchmal laut gesagt, aber ich habe ganz offen und ehrlich schon gedacht: Ich weiß nicht, ob ich das, was du da gerade sagst/zeigst/erklärst für sinnvoll halte oder nicht.

Wie gesagt, das ist nur ein Aufhänger, und das Ziel dieses Beitrags ist natürlich nicht im Ernst, Thomas weiter zu dissen. Ich würde sogar behaupten, dass wir alle das Problem haben, dass dieser Kommentar von ihm demonstriert: Menschliche Sprachen sind nicht geplant, sondern gewachsen. Sie sind in sich weder besonders logisch, noch orientieren sie sich an einer strengen Systematik. Wir benutzen viele Begriffe im Alltag eher unreflektiert und intuitiv, und  haben damit nie Schwierigkeiten, weil ja jeder sowieso weiß, was wir meinen. Aber sobald wir auf jemanden treffen, der es nicht sowieso schon weiß, wird es kompliziert.

Ich vermute, dass kaum ein Studium dieses Problem so deutlich bewusst macht wie das juristische, aber wahrscheinlich hatte jeder früher oder später mal eine Berührung damit: Es ist ein Krampf, allgemeingültige Definitionen für Begriffe zu entwickeln. Was ist ein Stuhl? Was ist ein Pudding? Was ist ein Sinn? Was ist eine Idee?

Der Fehler ist hier oft gleich am Anfang zu suchen: Bei der Vorstellung, es gäbe überhaupt eine einzige allgemeingültige Definition, die man bloß finden müsste. Denn wie ich gerade schon schrieb: Wir benutzen Begriffe oft in verschiedenen Zusammenhängen auf unterschiedliche Weisen, und andererseits benutzen wir manchmal verschiedene Begriffe für dieselben Sachverhalte. Und weil wir das irgendwie spüren, auch wenn es uns nicht richtig bewusst ist, merken wir bei unseren Definitionsversuchen schnell, dass keiner so ganz passt. Diese Definition ist toll für diesen Kontext, versagt aber bei jenem, obwohl ich dasselbe Wort doch in jenem Kontext auch immer benutze. Ein starkes Buch ist etwas anderes als ein starker Arm ist etwas anderes als ein starkes Wort.

Deswegen kann es sinnvoll sein, alternative Definitionen für dasselbe Wort parat zu haben, je nach Kontext, und daran ist an und für sich auch nichts Schlimmes. (Es wäre vielleicht schöner, wenn unsere Sprachen logischer strukturiert wären, aber des Leben ist nun mal kein Ponyhof.) Es reicht ja völlig aus, wenn wir uns für die Zwecke einer gerade laufenden Diskussion einigen können, was wir gerade meinen, auch wenn diese Definitionen in anderen Zusammenhängen unpraktisch wären.

Worte sind Werkzeuge. Wir können mit ihnen prinzipiell machen, was wir wollen, aber für manche Zwecke sind sie besser geeignet als für andere. Der Begriff “Religion”, den Thomas auch nicht definieren mochte, ist ein gutes Beispiel dafür. In Diskussionen mit Christen versuchen diese manchmal, alles als “Religion” zu definieren, was einem wichtig ist. Sie berufen sich dabei erfahrungsgemäß gerne auf Luther mit dem Zitat “Woran du nun dein Herz hängst und worauf du dich verlässt, das ist eigentlich dein Gott.” Der Christ versucht in diesem Fall (bildhaft gesprochen) mein Werkzeug zu sabotieren, indem  er meinen Maulschlüssel so weit aufdehnt, dass er auf keine verfügbare Mutter mehr passt. Man könnte nun ein Wörterbuch herauskramen und ihnen zeigen, dass Religion eigentlich üblicherweise enger definiert wird. Ich bevorzuge die weniger kontroverse Antwort, wir könnten das gerne so definieren, aber dann sei Religion nicht mehr etwas, das ich insgesamt kritisiere, und wir sollten uns dann noch einen Begriff suchen, der die formalisierte Verehrung übernatürlicher Kräfte bezeichnet, um die es mir geht.

Kommen wir zum konkreten Beispiel zurück: Thomas behauptet, Religion sei nicht objektiv unsinnig. Das ist okay. Thomas bietet außerdem keine klare Definition für diese beiden Begriffe. Auch das ist okay. Für sich betrachtet. Tut man die beiden Dinge zusammen, sind sie nicht mehr okay. (Auch nicht okay ist streng genommen, dass er von “unsinnig” zu “sinnvoll” und “sinnlos” wechselt, aber wir wollen die Sache nicht noch komplizierter machen. Wir wissen ja alle, was gemeint ist.) Er macht hier einen Fehler, der sich auch bei Kant immer wieder findet, und eigentlich bei so ziemlich allen bekannten Philosophen, insbesondere wenn es um schwammige Begriffe wie “gut”, “böse”, “moralisch” oder sonstwas geht. Thomas ist also in guter Gesellschaft: Er macht sich Gedanken und formuliert Aussagen über Begriffe, ohne sie vorher zu definieren. Das ist manchmal vertretbar, denn wenn man vor jeder Diskussion jedes Wort erst einmal definieren will, dann kommt man nie zum Diskutieren, und das wäre doch… Ähm… Naja, irgendeinen Grund wird es sicher geben, warum das manchmal vertretbar ist. Aber wenn Begriffe für einen Dialog so zentral sind wie “Unsinnig” und “Religion” für diesen hier, dann kann das Fehlen von gemeinsamen (oder überhaupt irgendwelchen) Definitionen nur ins Abseits führen.

Nun kommt es natürlich auch vor, dass wir Wörter zu definieren versuchen und dabei feststellen, dass wir partout keine vernünftige Abgrenzung hinbekommen, nicht einmal mit konkretem Bezug zur aktuellen Definition. Das muss nicht, kann aber in vielen Fällen bedeuten, dass wir diese Worte bisher – vorsätzlich oder fahrlässig – als ein ganz bestimmtes Werkzeug benutzt haben: als Nebelkerze, die nichts erklären, sondern bloß verschleiern soll. Fragt mal einen Esoteriker, was er unter Energie, Spiritualität oder der Seele versteht, und er wird euch eine hervorragende Illustration dieses Aspekts der ganzen Sache liefern. Thomas hat das selbst einmal sehr schön in seinem energetisch schwingenden Wörterbuch aufgezeigt.

Was das für diese konkrete Frage bedeutet? Einfach: Religion kann nicht objektiv unsinnig sein, solange ich “unsinnig” nicht definiere, sondern nur als ein vages Konzept benutze, von dem ich nur kontextabhängig ungefähr im Gefühl habe, was es bedeuten könnte. Das sagt dann nichts über Eigenschaften von Religion aus, sondern über meinen eigenen Umgang mit Worten. Und das meinte ich eben auch mit meiner Antwort an Thomas:

Zum Beispiel kann Religion eine total gute Sache für manche Leute sein. Für den Papst zum Beispiel ist sie vielleicht enorm nützlich. Insofern kann man es aus seiner Sicht für sinnvoll halten, dass er religiös ist. Andererseits enthält jede mir bekannte Religion innere Widersprüche, was man wohl als objektiv unsinnig bezeichnen könnte, ohne den Begriff zu überdehnen.

Wenn wir “unsinnig” definieren als etwas, was keinerlei Sinn hat (“Sinn haben” hier ungefähr in der Bedeutung “einem Zweck dienen”), dann fällt Religion nicht darunter. Wenn wir auch Dinge als “unsinnig” bezeichnen wollen, die logisch nicht konsistent sind, wie etwa das berühmte Gedicht mit den stehenden Leuten, die drinnen sitzen und schweigend in’s Gespräch vertieft sind, dann können wir ganz objektiv feststellen, dass die mir bekannten Religionen in diesem Sinne “unsinnig” sind. Nun kann man sagen: Ja, aber dann ist doch die Definition des Wortes zumindest subjektiv. Und natürlich ist sie das. Muss sie sein. Eine objektive Definition für Worte zu fordern, ist evident… naja, unsinnig.

Damit endet der Teil dieses Beitrags, den ich für allgemein interessant halte. Unter dem Trennstrich führe ich die Diskussion mit Thomas fort. Die weitere Lektüre kann ich deshalb nur denen guten Gewissens empfehlen, die sowohl Thomas’ Gastbeitrag hier als auch seinen Beitrag in seinem eigenen Blog sowie die Diskussion dazu verfolgt und immer noch nicht genug haben. Ich verabschiede mich also von allen Lesern außer Thomas selbst und wünsche noch einen schönen Sonntag.

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Vermischtes

18. Februar 2012

Rom. Unter großer Beachtung der Öffentlichkeit traf sich am heutigen Samstag in einem Zwergstaat innerhalb der italienischen Hauptstadt die Führung eines international tätigen Vereins, dessen Mission im Wesentlichen in der Verbreitung seiner Überzeugungen besteht, das Universum sei von einer aus drei vereinten Personen bestehenden Entität erschaffen und heute noch maßgeblich beeinflusst, die für den menschlichen Verstand nicht fassbar ist, deren Haltung in Bezug auf konkrete Sexualpraktiken und biotechnologische Verfahren dem Verein aber im Detail bekannt sind. Der Verein sieht sich in der Nachfolge der Anhänger der zweiten Person dieser unverständlichen, aber jeden einzelnen Menschen liebenden Entität, die als Mensch in die Welt getreten ist, um sich von den von ihr geliebten Menschen zu Tode foltern zu lassen, weil die Entität der Menschheit nur auf diese Weise dafür vergeben konnte, dass ihre Vorfahren sich von einer sprechenden Schlange dazu haben verleiten lassen, eine Frucht zu essen, deren Verzehr ihr von der Entität nachdrücklich untersagt worden war.

Das heutige Treffen – das sogenannte Konsistorium - fand vorrangig statt, damit das absolutistische Oberhaupt sowohl des Zwergstaates als auch des Vereins, das angeblich als Stellvertreter der allmächtigen und unbegreiflichen Entität auf Erden fungieren und befähigt sein soll, in besonderen Einzelfällen unfehlbar die Wahrheit zu verkünden, den 22 neu ernannten Führungskräften des Vereins eine besondere rote Kopfbedeckung mit mehreren Hörnern und einer Quaste aufsetzen und so der Berufung Rechtswirksamkeit verleihen konnte. Die neu ernannten Amtsträger sind nun unter anderem berechtigt, an der Wahl ihres Diktators teilzunehmen, haben Anspruch auf die Anrede “Eminenz” und dürfen an jedem Ort der Welt Menschen im Namen der allmächtigen unbegreiflichen Entität, der der Verein dient, für jede Verfehlung Vergebung gewähren (“Bußsakrament”). Eine Beteiligung der Opfer ist hierfür nicht erforderlich.

Der Verein schöpft seine Positionen zur Ethik aus einer jahrtausendealten Sammlung von Schriften verschiedener, unbekannter Autoren, die sich untereinander widersprechen und unter anderem die Steinigung ungehorsamer Kinder und Homosexueller sowie die Haltung von Sklaven vorsehen, fand sich in den letzten Jahren oft in den Schlagzeilen, weil seine Mitglieder unter Deckung seiner höchsten Führungskräfte Kinder vergewaltigten und gilt allgemein als eine der weltweit bedeutsamsten moralischen Autoritäten.


Was ich nicht verstehe (2)

16. Februar 2012

Das hat jetzt doch ein bisschen länger gedauert, als ich ursprünglich geplant hatte, aber ihr wisst ja, was wir von überschaubare Relevanz anfangen, das bringen wir auch zu Ende, und ja, das schließt ausdrücklich auch Serien über Traumberufe mit ein, und deshalb erscheint heute… Naja, immerhin schon die Fortsetzung zu dem überraschend kontrovers diskutierten “Was ich nicht verstehe (1)“. Nee, eigentlich stimmt das nicht. Über den Post haben wir eigentlich gar nicht diskutiert. Aber er hat jedenfalls eine überraschend kontroverse Diskussion ausgelöst. Egal. Wo war ich?

Richtig. Ich wollte die Kommentare im Theoblog noch zu Ende besprechen und war mit diesen hier noch nicht ganz fertig:

Es ist zumindest so etwas ähnliches wie ET logisch notwendig für den Naturalismus, da sich Leben irgendwie durch natürliche Prozesse aus geistloser Materie entwickelt haben muss.

und

wenn die Welt nicht geschaffen wurde durch ein höheres Wesen, muss man ein Alternativmodell vorlegen. Bislang ist die Evolutionstheorie das einzige nennenswerte Modell.

Das epistemologische Problem in diesen Scheinargumenten habe ich im ersten Teil bereits erklärt. Darüberhinaus demonstrieren diese Kommentare aber noch eine weitere ulkige Neigung von religiösen Kritikern der Evolutionstheorie: die völlige Überdehnung ihres Anwendungsbereichs. Die Evolutionstheorie sei das einzige nennenswerte Modell dafür, wie die Welt entstanden ist? Nein. Die Evolutionstheorie sagt nichts über die Entstehung des Universums, unseres Sonnensystems, oder der Erde. Sie schweigt sogar dazu, wie das Leben als solches entstanden ist. Sie befasst sich nur mit der Entstehung der Arten. Dieses Missverständnis ist mir übrigens ziemlich rätselhaft. Während die anderen Missverständnisse hier immerhin nützlich sind, um einen irrationalen Glauben zu rechtfertigen, ist diese Missrepräsentation des Anwendungsbereichs der Evolutionstheorie einfach nur merkwürdig, soweit ich das erkennen kann. Wenn man sie wenigstens wie Prof. Dr. Scherer benutzt, um die Evolutionstheorie dann als “unvollständig” zu kritisieren, weil sie nichts über eine Frage aussagt, mit der sie sich gar nicht befasst, dann kann ich es wieder verstehen. Also, verstehen im Sinne von “sich vorstellen, warum es jemandem vorteilhaft erscheinen könnte, so zu argumentieren”. Nicht im Sinne von “begreifen, wie jemand im Ernst so denken kann”. (Er schrieb mir auf meine Nachfrage per Mail übrigens, dass “Evolution als Welterklärungsansatz” sich in drei Bereiche gliedere: “Kosmische Evolution, chemische Evolution und biologische Evolution.” Ähm. Ja…) Erschütternd.

Aber wir wollen uns nicht zu lange mit solcherlei Feinheiten aufhalten und lieber noch auf Roderichs Scheinargumente für eine göttliche Schöpfung eingehen, die meines Erachtens schön mustergültig demonstrieren, wo die Fehler in der kreationistischen Apologetik fast immer zu finden sind: [Die Nummerierung ist von mir.]

1. “Schönheit in der Natur

ist offensichtlich kein Argument für oder gegen irgendwas. Das wird schon klar, wenn man sich bewusst macht, dass “Schönheit” nicht objektiv existiert, sondern es sich dabei nur um eine handlichere Kurzfassung ungefähr für “Etwas, das ich in der Wahrnehmung als angenehm empfinde” handelt. Und dass wir manche Dinge als angenehmer empfinden als andere, ist sicher interessant, aber erstens kein Hinweis auf einen göttlichen Schöpfer, und zweitens durch die Evolutionstheorie ganz leicht erklärbar: Es gibt Dinge, denen nachzulaufen evolutionstechnisch vorteilhaft ist (Starke Frauen, schöne Männer, …), und Dinge, bei denen das weniger der Fall ist.
Das hatten wir ja schon. Selbst wenn ich keine bessere Erklärung hätte (wie die Evolutionstheorie etwa eine ist), dann ist der Mangel an guten Erklärungen kein Argument für eine schlechte.
Ähm. Nein. DNA ist nicht intelligent. Jeder, der mal versucht hat, mit einer Doppelhelix über Kierkegaards Existenzphilosophie zu diskutieren, wird das bestätigen können. Was Roderich wahrscheinlich meint, ist, dass DNA sozusagen den Bauplan von Lebewesen kodiert. Das ist in der Tat bemerkenswert, aber wiederum erstens erklärt, und zweitens… Ihr wisst schon. (Ja, ich weiß, die Argumente sind alle dumm. Ich würde mich gerne mit klugen Argumenten gegen Evolution auseinandersetzen, aber es gibt keine. Da müssen wir jetzt also durch. Also, ich zumindest. Ihr könnt einfach aufhören zu lesen und was Sinnvolles machen, weil ihr nicht unter derselben Zwangsstörung leidet wie ich. Ihr habt’s gut.)
Das ist jetzt das erste Scheinargument, über das sich ein bisschen länger zu reden lohnt. Die intuitive Erklärung geht so: Ich habe kürzlich einen umgeknickten Baumstamm gefunden, auf dem ich sitzen konnte. Da war also ein “Stuhl” im Wald, in Analogie zu echten Stühlen. Da echte Stühle in Fabriken gefertigt  und in Möbelhäusern verkauft werden, macht es also durchaus Sinn zu schlussfolgern, dass dieser umgeknickte Baumstamm wohl auch in einer Fabrik gefertigt und in einem Möbelhaus verkauft wurde (Analogieschluss).
Etwas gründlicher: Es handelt sich hier meines Erachtens um eine wilde Mischung aus einem Mehrdeutigkeitstrugschluss, einem Zirkelschluss und einem schlichten non sequitur. Was genau ist eine Maschine? Wenn wir eine enge Definition zu Grunde legen (ungefähr: “Von Menschen gefertigtes Werkzeug mit selbstbeweglichen Teilen”), dann handelt es sich bei unseren Zellen offensichtlich nicht um Maschinen. Wenn wir eine weite Definition verwenden (ungefähr: “Jedes Gerät mit selbstbeweglichen Teilen”), dann sind unsere Zellen Maschinen, aber dann ist auch ein Leopard eine Maschine, eine Blume, und die Sonne. Wenn wir hier nun per Analogie schließen wollen, geht das nur, wenn wir unser Ergebnis schon vorwegnehmen (petitio principii), nämlich, dass all diese Maschinen einen intelligenten Ingenieur haben.
Oh weh, Behe. Bloß gut, dass ich unter einer Zwangsstörung leide, sonst wäre ich versucht, hinzuschmeißen. Aber Geisteskrankheit hin oder her, ich fasse mich kurz. Muss ich auch, denn ich bin kein Biologe und kann das nicht bis ins letzte Detail erklären. Es handelt sich hier ebenfalls um ein außerordentlich beliebtes Kreationistenargument, das auf unterschiedliche Körperteile (Augen, Beine, oder eben das Flagellum) angewandt wird, und immer auf dasselbe hinausläuft: Dieses Ding muss komplett auf einmal entstanden sein, denn ein halbes Auge/Bein/Flagellum/… ist nutzlos. Dabei ignorieren die Kreationisten sowohl, dass auch ein rudimentäres Auge/Bein/Flagellum nützlich sein kann, als auch, dass z.B. das Flagellum nicht zwangsläufig von vornherein dieselbe Funktion gehabt haben muss, die es heute hat. Es kann sich ursprünglich zum Beispiel als ein Exportsystem für Proteine entwickelt haben, das später zweckentfremdet wurde. Ausführlich erklärt euch das gerne talkorigins, wenn ihr wollt.
Boah. Nee. Da muss ich nichts zu sagen, oder?
Jaaa… Douglas Adams schreibt in einem seiner Bücher – mir fällt gerade nicht ein, in welchem – von einer Pfütze, die völlig begeistert ist, wie fein das Loch im Boden, in dem sie sich gesammelt hat, auf ihre Form abgestimmt ist. Und wie diese Pfütze denken auch Kreationisten gerne. Schaut, wie gut das Universum zu uns passt. Und was für ein Glück, dass wir genau fünf Finger haben, denn mit sechs würden wir in keinen Handschuh passen.
Im Ernst: Natürlich würden sich in jedem Universum Lebewesen entwickeln, die in diesem Universum überleben können. Und in Universen, in denen keinerlei Leben möglich ist, gibt es keine Atheisten, die sagen könnten: Siehste!
Nachtrag: Natürlich wissen wir in Wahrheit auch gar nicht, ob die von Roderich so bezeichneten Variablen überhaupt welche sind. Vielleicht kann ein Universum aus irgendwelchen Gründen nur so sein wie unseres.
Außerdem wollen wir vielleicht nicht vergessen, dass unser Universum zu einem Anteil, der sich gar nicht mehr vernünftig in Prozenten ausdrücken lässt, leer ist. Von allen Planeten, die wir bisher kennen, scheint nur einer Leben zu beherbergen, und die anderen sind – soweit wir bis jetzt wissen – beinahe genauso lebensfeindlich wie deine Mudder. Wenn dass Jahwes Feintuning ist, dann will ich seine Grobkalibrierung nicht sehen.
Er kann damit nur die objektive Gültigkeit dieser Gesetze meinen. Die ist aber logisch schon nicht möglich. Nuff said.
Funktioniert natürlich nur, wenn man sowieso schon glaubt, dass diese Dinge einen Schöpfer voraussetzen. Und ein Argument, das voraussetzt, was es zu belegen versucht, ist keins. That’s a Q to the E to the motherfuckin’ D.
Und damit wäre ich jetzt eigentlich fertig und könnte mich wieder fruchtbareren Kontroversen zuwenden als der um eine längst etablierte wissenschaftliche Tatsache. Aber vielleicht seht ihr ja gerne und mit einer gewissen freundlichen Belustigung zu, wenn ich mich so sinnlos abstrample und wollt gerne, dass ich mich noch mit zehn saublöden Argumenten für die christliche Religion auseinandersetze? Lasst es mich wissen!

Was ich nicht verstehe (1)

24. Januar 2012

So viele Differenzen gibt es in der Regel gar nicht in der Argumentation, wenn ich mit Gläubigen diskutiere. Dafür immer wieder dieselben wenigen. Das ist keine neue Erkenntnis, aber ich habe kürzlich ein paar erfreulich kompakte, aktuelle und repräsentative Beispiele entdeckt, die ich mit euch völlig ungeordnet und konfus rummäandernd, beinahe gedankenstromhaft besprechen möchte. Wer diese Art von Posts nicht mag (Ich rede mit dir, malefue.) ist gewarnt, alle anderen folgen mir bitte hinter den Trennstrich.

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