Felix hat was überaus Sympathisches über Notizen in Büchern geschrieben und mich damit an meine eigene Notizpraxis erinnert.
Wie in meinem Kommentar unter dem Artikel schon steht, finde ich die Idee von Randnotizen eigentlich sehr schön. Das hat so etwas Nachdenkliches, Distinguiertes. Aber wie dort auch schon steht, kann ich es einfach nicht. Vielleicht, weil ich nicht nachdenklich genug bin. Bei “Faust” habe ich es in meiner Schulzeit versucht, aber es ist mir nie gelungen. Mir fällt einfach nichts ein. Es gibt mir auch nichts, Textstellen zu unterstreichen oder farbig zu markieren; egal, ob Sachbuch oder Belletristik.
Während meines Studiums habe ich mir schließlich doch angewöhnt, hin und wieder was in den Skripten zu notieren. Vielleicht haben mich meine Kommilitonen dazu angeregt, deren kunterbunte Unterlagen voll waren mit den fantastischsten Skizzen und kaum noch Text enthielten, der nicht in irgendeiner Farbe markiert war. Ich kam mir deshalb reichlich dämlich dabei vor, die ganze Zeit nur untätig zuzuhören und fing an, auch Notizen zu machen. Trotzdem kam es mir immer so vor, als wären meine irgendwie anders als die der anderen…
(Draufklicken zum Vergrößern, ihr kennt das ja.)
Wahrscheinlich ist das für euch komplett unleserlich, aber falls nicht, könnt ihr euch wohl umso besser vorstellen, dass ich ausgesprochen sparsam reagierte, als mich eine Mitstudentin – nennen wir sie Staatsanwältin Dr. Drosse, und nur der Name ist erfunden, der Rest stimmt -, fragte, ob sie meine Methodenlehre-Notizen mal ausborgen dürfte. Sie hatte krankheitsbedingt ein paar Wochen gefehlt und wollte sie nutzen, um sich besser auf die Prüfung vorzubereiten.
Ich versuchte, ihr möglichst freundlich zu erklären, dass sie die sicherlich eh nicht lesen könne und dass da außerdem auch nichts besonders Hilfreiches stehe. Sie sagte aber, das mache ihr gar nichts aus und es sei ihr sehr wichtig. Ich meinte schließlich, na gut, aber sagen Sie hinterher bitte nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt. (Ich habe sie tatsächlich immer mit “Sie” angeredet, sie war aber auch zwanzig Jahre älter als ich. Und Staatsanwältin. Ich fand das deshalb irgendwie angebracht.)
Eine Woche später gab sie mir den Ordner dann mit einem ”Danke!” und einem etwas gequälten Lächeln zurück, das zwischen Mitleid und Verstörtheit schwankte, und das ich fürderhin öfter bei ihr sah, wenn wir uns begegneten.



Hihi, *kicher* *schneuz*, der Regelkreis auf dem Rücken eines Elefanten. ICh hätte Dich auch verstört angelächelt…
@schrecklichschoenesleben: Und die richtig bekloppten Sachen habe ich mich hier nicht mal zu zeigen getraut…
Also ich lese “Regelgreis” oder täuscht da die
grauenhafteHandschrift?@axeage: Die täuscht dich in diesem Fall nicht. Irgendwo habe ich auch traumhafte Skizzen von Teufelsgreisen und gut informierten Greisen, aber die sind in einem anderen Skript…
Mit Respekt: eine richtige Sauklaue.
Ich geselle mich daher unter brüderlicher Anerkennung zu Dir.
@ruediger: Ich bin gar nicht sicher, ob ich stolz oder erschrocken sein sollte, dass ich das wirklich ausnahmslos noch lesen kann.
@Muriel
Um ganz ehrlich zu sein, die Wiedererkennung meiner Notizen verliert sich kaum das sie geschrieben sind quasi in Echtzeit.
Du darfst darauf stolz sein. Und wie sogar.
Besonders schöne Distinktionsgewinne kann man ja mit kleinen Zettelchen einfahren, die oben aus dem Buch herauslugen. Natürlich müssen die Zettelchen hinreichend akademisch (d.h. per Hand ausgerissen) sein, damit sie ihre größtmögliche Wirkung entfalten können. Im Idealfall handelt es sich bei dem Buch um die “Kritik der reinen Vernunft”.
@Tim: Die Zettelchen sind große Klasse, das stimmt. Überfordern mich aber handwerklich.
Sehr schöner Beitrag. Zumal der mir hilft die Komplexe in Bezug auf meine eigene Handschrift zu bekämpfen.
@Ark: Danke. Obwohl ich mich allmählich zu fragen beginne, warum alle hier so komische Andeutungen über meine Schrift machen…
Das ist der pure Neid!
Die Skizzen würden mich interessieren. Meine Notizen können regelmäßig nicht eingescannt werden, weil sie so reichhaltig und unseriös illustriert sind, dass ich sie – ohne Skizzen – abschreiben lassen muss.
Mach’ dir wegen der Sauklaue keine Sorgen: es adelt die Leser, die es entziffern können. Punkt.
“Mehr Gummibärchen”…ich kann nicht mehr…Soll ich mein letztes Taschentuch nun für die Rotznase oder für die Freudentränen verwenden? Zwickmühle…
@quadratmeter: Mal sehen, ob ich sie noch finde. Ich muss sowieso mal schauen, was ich noch so Lustiges in den alten Skripten finde. Auch unsere Dozenten haben da teilweise Leistungen vollbracht, die ich hier mal würdigen sollte.
@Daniel Drungels: Kommt auf die Zielgruppe an, oder?Bei Frauen kommen Tränenrückstände meistens besser an als Rotz im Gesicht. Bei den Hell’s Angels mag das anders aussehen.
[...] bin unwürdig! Falls ihr bisher dachtet, ich hätte eine beeindruckend schlimme Handschrift, dann seid ihr hiermit eingeladen, gemeinsam mit mir enttäuscht zu sein, dass der Thron der [...]
[...] ich weiß, ich bin eher der Letzte, der sich über anderer Leute Handschrift lustig machen sollte. Ich wollte euch trotzdem gerne [...]