
(2 Tage zu spät, ist mir klar.)
Ich weiß nicht, ob man das beim Lesen dieses Blogs merkt, aber ich bin manchmal ein bisschen merkwürdig. Ich hatte daher vor einigen Jahren die Idee, jeden Tag etwas zu zählen und das Ergebnis für mich zu notieren. Die Sache ist nach einer Woche wieder eingeschlafen, so merkwürdig bin ich dann offenbar auch wieder nicht, aber ein paar Tage lang habe ich es durchgehalten. Weil ich die Ergebnisse teilweise ganz aufschlussreich finde, will ich sie euch nicht vorenthalten. Vielleicht inspiriert euch dieser Eintrag ja sogar, selbst mal ein paar Dinge genau zu zählen, die ihr bisher immer nur grob geschätzt habt. Hier ist also das vollständige und (fast) unveränderte Protokoll meines Selbstversuchs:
12. Mrz. 2006
Heute bin ich 108 Mal durch eine Tür gegangen. Natürlich nicht immer dieselbe.
13. Mrz. 2006
Heute bin ich 54 Mal aufgestanden. (Aus sitzender Position zählt auch.)
14. Mrz. 2006
Heute war ich 5 Mal unehrlich, und das auch nur bei einer sehr weiten Auslegung des Begriffes. Ich glaube, das ist ein ganz gutes Ergebnis.
15. Mrz. 2006
Heute habe ich 14 Mal gegen Gesetze verstoßen. Aber vielleicht habe ich ein paar Verstöße nicht bemerkt.
16. Mrz. 2006
Heute habe ich einmal mit G und E rollengespielt, und das wird ja wohl reichen.
17. Mrz. 2006
Heute habe ich elf Mal gegähnt. Ich hätte mehr geschätzt.
18. Mrz. 2006
Heute habe ich mein Experiment unglücklicherweise gegen 1900 abgebrochen, nachdem ich 113 Mal auf eine Uhr gesehen hatte. Danach habe ich vergessen, weiterzuzählen. Asche auf mein Haupt.
19. Mrz. 2006
Heute habe ich sechs Mal gelacht. Das ist bemerkenswert, weil ich mich bisher für einen ziemlich lustigen Typen gehalten habe. Vielleicht muss ich mein Selbstbild überdenken.
Und wie sieht es bei euch aus? Seid nicht schüchtern. Zahlen bitte!
Ich stelle es mir ziemlich schwierig vor, über einen ganzen Tag hinweg konditionierte Vorgänge zu zählen und damit irgenwie zu dokumentieren. Aber kürzlich habe ich mich mal mit einem Mönch unterhalten. Der hat mir gesagt, die Menschen können heutzutage nicht mehr “nichts tun”. Also wirklich nichts. NICHTS!!! Nur einfach dasitzen, denken, kein Internet, kein TV, kein Buch, kein Handy, keine Gespräche. Einfach nichts. Und sei es nur kurz. Menschen können das nicht, sagt er, nichtmal für kurze Zeit. Wie wäre es mal, das zu versuchen? Wie oft schafft man es pro Tag, nichts zu tun? Ich glaub ich versuch das mal…
Ich versuche das täglich, leider erfolglos…
Das mit dem Zählen ist ein merkwürdiger Tick. Das war doch sicher verdammt anstrengend.
Damit der Tick nicht ganz so alleine bleibt hier: ich hatte eine Zeitlang beim Essen und Trinken den Tick, dass alles aus geraden Zahlen bestehen musste. Beispielsweise Kartoffeln mit der Gabel in 2 oder 4 Stücke teilen, keinesfalls 3! Immer 2 Schlucke aus dem Glas nehmen. Smarties sind zusätzlich kompliziert, wenn es eine gerade Anzahl und passende Farben sein müssen.
Aber ich glaube, ich gehe jetzt lieber, bevor ich mich hier vollends um Kopf und Kragen rede
Das find ich total schwierig, ich kann mir sowas nicht merken…ich müßte überall Zettel anbringen…und dann würde ich vergessen Striche zu machen.
Ich weiß nur noch eins ganz genau…
12.11.2009
Ich habe einmal laut gelacht, wie so oft ganz allein in der Wohnung und am PC sitzend!
Sehr interessant! Ich könnte das allerdings auch nicht, den ganzen Tag solche Dinge zu zählen, die man völlig unbewusst macht…Respekt!
@rundumkiel: Willkommen hier im Blog. Ich bin Mönchen gegenüber immer ein bisschen skeptisch, aber einen Versuch ist es sicher wert. Nur zählen sollte man das dann nicht wollen, denn das liefe ja dem Sinn des Versuchs irgendwie zuwider…
@quadratmeter: Das ist hübsch, obwohl Denny Crane nicht Unrecht hat, wenn er darin etwas Zwangsneurotisches sieht. Ist ja aber nicht zwangsläufig unsympathisch
@pampashase: Danke!
@Arctica und alle anderen: Ich habe es mir ein bisschen erleichtert, indem ich so einen Klicker benutzt habe, wie Stewards ihn z.B. beim Durchzählen der Passagiere haben.
Oh, wie schön, es gibt noch andere Irre. Da fühle ich mich mit meinem Wahn doch gleich nicht mehr so allein. Ich zähle gerne Wagons vorbeifahrender Züge, meine Schritte auf längeren Wegstrecken, Personen in geschlossenen Räumen und Treppenstufen (Rolltreppen sind in diesem Zusammenhang extrem verstörend), und ich verabscheue Primzahlen wegen ihrer Unteilbarkeit. Überhaupt sind mir Asymmetrien ein Graus. Gelegentlich versuche ich größere Stück- oder Anzahlen abzuschätzen oder hochzurechnen. Bahnschwellen beispielsweise. Ich schätze eine Strecke ab, zähle die Bahnschwellen auf dieser und rechne dann hoch wie viele es wohl auf meiner Strecke/Bundes- oder Weltweit sein mögen. Als letztes habe ich auf diese Weise die Borstenzahl meiner elektrischen Zahnbürste ermittelt. – 1344
@Muriel: Ich würde die Aktivität vom 16. März gerne mal wieder aufnehmen. Wie wäre es mit dem Wochenende 21./22.11.?
Machen wir das doch mal wie bei den Anonymen Zählsüchtigen (bei diesem Anonym-Zeug soll man ja angeblich immer zuerst sagen wie man heißt):
Ich bin die Salomea,
und ich glaube, das kann man mit funktionierendem Gehör vielleicht nicht nachvollziehen: Salomea und Musik funktioniert nur mit Zählen. Ginge auch ohne aber ich singe halt gerne mit. Ich weiß zum Beispiel, obwohl ich mich da auf eine externe Auskunft verlasse, dass in “Autobahn” von Kraftwerk bei 0:23 das erste “Autobahn” gesagt wird und bei 1:01 “Wir fahr’n, fahr’n, fahr’n auf der Autobahn” kommt. Um das mitzusprechen musst du zählen.
Und, Muriel, wenn du folgendes sagst: “Ich weiß nicht, ob man das beim Lesen dieses Blogs merkt, aber ich bin manchmal ein bisschen merkwürdig.” – Wer offen ist, kann nicht dicht sein.
Und da wo ich aufgewachsen bin war “merkwürdig sein” und “nicht ganz dicht sein” Synonym.
Liebe Grüße
@ Muriel: War auch keine Kritik von mir, im Gegenteil, ich finde Leute mit solchen Ticks sehr sympathisch. Es ist doch wirklich so, dass jeder seinen Tick hat, nur die einen können ihn besser verbergen als die anderen.
@ Elmi: Würdige Konkurrentin für quadratmeter
Super Thema und gleich zu so einem guten Zeitpunkt: letzte Woche habe ich an einem Arbeitstag 22’546 Schritte gezählt (ähem… zählen lassen), was ein- für allemal klar gestellt hat, dass Bürojob nicht gleich ‘Bürojob’ ist.
(Ich wäre übrigens nie auf die Idee gekommen, andere Dinge zu zählen. Das werde ich mir nun aber gleich mal vornehmen!)
Da falle ich durchs Gitter, weil ich zähle nichts von dem was ich am Tag tue. Vermutlich würde ich wahnsinnig, wenn ich wüsste, wie oft ich immer wieder ein und denselben Sachverhalt darlege usw. Kundendienstlerpech.
Doch beim allgemeinen monken kann ich mithalten:
* In meinem Geldbeutel müssen die Scheine gerade und ohne Falten in der Reihenfolge der Wertigkeit, von hinten nach vorne sortiert sein. Es macht mich ganz kirre wenn ich in einen Geldbeutel sehe (z.B. die Lederbeule der Gattin) und es klemmen Kassenbons oder was auch immer dazwischen [Aufräumreflex]
* Fingerdatschen auf dem Monitor oder der Lesebrille
* Schmutzige Dreckige Schuhe [geht gar nicht]
* Tankanzeige sehr nahe an der Reservemarke [ganz besonders dann, wenn ich nicht mehr fahren muss]
* ohne Geldbörse aus dem Haus zu gehen [unmöglich]
* trockene Lippen [ich schmiere dann die ganze Zeit Labello drauf]
* vergessen einzulösende Pfandbons [wo deponieren fürs nächste Mal einkaufen?]
* Chipstüte im Schrank [unwiderstehlich, bis sie offen ist]
* schmutzige Hände nicht waschen können [uäh]
* … und noch ein paar private Sachen
Oh, wir sind jetzt hier schon beim Allgemeinmonken angelangt? Dann bin ich mal gespannt, was da noch so alles kommt. Ich setze mich derweil mal zu Elmi
Diese Ergebnis finde ich ganz aufschlussreich. Endlich darf ich auch einmal das Fehler-Nörgli spielen.
Was ist “monken”? Ich bitte die Frage zu entschuldigen, aber ich würde gern eine Bildungslücke schließen.
@Salomea
In Anlehung an die RTL Serie Monk, der neben einem scharfem Verstand auch einige Macken mit sich trägt. Schiefe Bilde und ungerade Sachen machen ihn kirre, sowie er auf jeden Straßenpoller oder Zaunpfosten von oben tippen muss usw.
Ruediger versteht mich. Rüdiger, übrigens kommen am Montag die Veilchenpastillen, gut dass die alle die gleiche Farbe haben…
Vielen Dank für die Erklärung, Ruediger.
Wieder was gelernt. (Ich habe keinen Fernseher und gucke auch nicht online TV, deswegen geht das was im Fernsehen passiert doch meistens an mir vorbei.)
@Der Postillon: Merkwürdig… Wenn ich das mache, ist es konstruktiv, freundlich gemeint und überhaupt rundum edel und gut. Bei dir hingegen kommt es jetzt reichlich kleinlich, gehässig und besserwisserisch rüber. Muss an dir liegen.
Ich sag mal so: Hast Du sonst nichts zu tun?
Eigentlich ist das gar nicht so witzig – ich kannte mal einen Zwangsneurotiker. Das ist soweit gegangen, dass er die Türschwelle nicht übertreten konnte, ehe er beim mit den Füßen auf die Schwelle tippen nicht bis zehn gezählt hatte oder nach jedem siebten Schritt abrupt stehenbleiben musste. Kann also richtig schlimm werden, das mit dem Zählen.