„Grüezi, wir kommen vom Ordnungsamt…“

5. Dezember 2009

„…Dürften wir bitte einmal Ihre Moschee sehen?“

„Klar doch, Moment… Ah, hier. Bitte schön.“

„Mhm, jaja, sehr schön, aber sagen Sie mal… Das da, ist das etwa ein Minarett?“

„Was? Wie, Mina…? Ach, das!“ Viel zu lautes, nervöses Lachen. „Quatsch, nein, das ist doch kein Minarett…“

„…“ Abwartendes Fußtappen.

„…“  Betretenes Schweigen.

„Was ist das denn dann, bitte schön?“

„Naja… Wissen Sie… Also… Das ist… Ein Aussichtsturm?“

„Nein.“

„Ein Fernsehturm?“

„Vergessen Sie’s.“

„Ein Wasserturm?“

„Dass ich nicht lache.“

„Ach, jetzt weiß ich’s, das ist ein – ein riesiger Phallus! Satire. Wegen Diekmann, verstehen Sie? Bei der taz haben Sie’s abgebaut, und da dachten wir… Lustig, oder?“

Zum Kollegen: „Hm… Was meinst du?“

Professionell skeptischer Blick. Schließlich widerwilliges Nicken.

„Akzeptieren wir. Aber nächstes Mal überlegen Sie sich das vorher, klar?“


Mann, ist der Diekmann

4. Dezember 2009

So, heute geht es mal nicht um die Schweiz, aber keine Sorge, dafür wahrscheinlich morgen wieder. Überschaubare Relevanz hat aus streng geheimer Quelle das nächste Interview der FAZ (Überschaubare Relevanz berichtete) mit Kai Diekmann vorab ergattert, und jetzt veröffentliche ich es schnell, bevor es jemand anders tut:

FAZ: Tag, Herr Diekmann, schön, dass Sie wieder hier sind.

Diekmann: Ja, ich freue mich auch.

FAZ: Neinnein, ich meine das nicht nur als Floskel. Ich empfinde es tatsächlich als eine ganz besondere Ehre, dass ein so vielbeschäftigter, erfolgreicher, überall beliebter und – wenn ich das sagen darf – unverschämt gutaussehender und charmanter Mann wie Sie sich bereit erklärt hat, unsere Fragen zu beantworten.

Diekmann: Gerne doch.

FAZ: Herr Diekmann, was ist das Geheimnis Ihre unfassbaren Erfolges? Ist es Ihre überragende Intelligenz, Ihr unschlagbares Führungstalent, Ihre immer wieder beeindruckende Eloquenz, oder vielleicht – wie manche Kritiker sagen – vor allem Ihr Wagemut und Ihre Bereitschaft, auch mal die Dinge zu sagen, die sich sonst keiner zu sagen traut?

Diekmann: Ich denke, es ist von allem ein bisschen. Und natürlich die Unfähigkeit der taz. Wenn die taz auch nur ein bisschen journalistisch arbeiten würde, dann hätten wir es sicher ein bisschen schwerer. Zum Glück sind die total unfähig, und Humor haben sie auch keinen. Voll blöd, die von der taz.

FAZ: Da haben Sie Recht. Gelegentlich wird Ihnen vorgeworfen, dass die von Ihnen geleitete BILD-Zeitung sich eher an die, sagen wir, einfacher gestrickten Mitbürger wendet, hin und wieder wird im Zusammenhang mit Ihrem unverzichtbaren publizistischen Organ sogar der Begriff des „Boulevardmediums“ verwendet. Das ist natürlich Unsinn, aber vielleicht wollen Sie sich trotzdem dazu äußern?

Diekmann: Klar. Sehen Sie, Boulevard ist ja auch wichtig, die Leute wollen das ja. Aber es muss Niveau haben, so wie bei uns. Nicht so wie in diesem Schmuddelblatt, der taz. Das kann ja nichts werden.

FAZ: Stimmt. Haha, das haben Sie schön gesagt. Würde es Ihnen eigentlich etwas ausmachen, wenn ich Sie jetzt küsse?

Diekmann: Ih, sind Sie schwul oder was? So wie die von der taz? Ich glaube nämlich, die sind auch alle schwul da.

FAZ: Wenigstens die Füße vielleicht?

Diekmann: Na gut, das geht.


Die Mehrheit will das nicht hören, Arne

3. Dezember 2009

Wie bitte, was war das? Hab’ ich richtig gehört? „Oh Mann, Muriel, jetzt such dir mal wieder ein neues Thema“?
Ja aber, wieso das denn? Direkte Demokratie ist doch ein neues Thema. Ich weiß gar nicht, was ihr habt.

Ich wollte darüber schon lange mal was schreiben, und den letzten Anstoß hat mir Arctica mit diesem Kommentar hier gegeben:

„(Ohne jetzt alle Kommentare genau gelesen zu haben) Sowas kommt eben raus, wenn man das gesamte Volk direkt an der Politik beteiligt. Und die Schweizer sind noch wenig genug und ich halte sie im Schnitt auch für etwas intelligenter als die Deutschen, aber stellt euch dann mal vor solche Volksentscheide gibt es deutschlandweit, was ja so einige Parteien fordern *schauder*“

Erstaunlich oft hört man dazu auch Sprüche, die ungefähr so gehen: „Direkte Demokratie? Würde ich sofort unterschreiben. Eine moderne Gesellschaft braucht sowas. Das Volk sollte möglichst viel selbst entscheiden, denn das nutzt die Weisheit der Vielen und schützt vor Machtmissbrauch durch korrupte Politiker. Aber über so heikle Themen wie die Todesstrafe, Internetsperren, Gleichberechtigung homosexueller Paare und so was sollte natürlich besser nicht abgestimmt werden.“

Das Volk soll also entscheiden, aber bitte nicht da, wo ich befürchte, dass es anderer Meinung ist als ich. Glückwunsch, Sie haben verstanden, wie Demokratie funktioniert.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich bin (verhalten) gegen die Todesstrafe und (sehr deutlich) gegen Internetsperren und (eigentlich immer) für Gleichberechtigung aller Art. Ich meine lediglich, dass man sich lächerlich macht, wenn man einerseits von direkter Demokratie schwärmt, sich dann aber wieder einbildet, es im Grunde doch besser zu wissen als das blöde Volk. Es geht nur eins von beidem.

Mit Arcticas Kommentar kann ich mich da schon eher anfreunden, obwohl ich ihr nicht ganz zustimmen kann. Ich halte nämlich eigentlich viel von der Weisheit der Vielen, aber ich weiß ehrlich gesagt auch nicht, wie man direkte Demokratie vernünftig umsetzen sollte. Ich neige zu der Einschätzung, dass wir technisch und/oder zivilisatorisch noch nicht so weit sind, dass das in einem bedeutungsvollen Sinne funktionieren kann. Das Problem dabei sehe ich nicht darin, dass die Bürger zu dumm wären, oder zu leicht zu beeinflussen, ich sehe es eher darin, dass es kaum gelingen wird, bedeutungsvolle Fragen unserer Gesellschaft so zu stellen, dass sie sich in einem Plebiszit von vielen Millionen Menschen beantworten lassen.

Auslandseinsätze der Bundeswehr, der Umgang mit Terrorismus, Umweltschutz, unser Steuersystem, unsere sozialen Sicherungssysteme, all das sind Probleme, die man nicht gut auf eine Ja-oder-Nein-Frage reduzieren kann. Außerdem kennt man ja diesen Effekt von Umfragen: Wer die Frage formuliert, kann damit leicht auch schon die Antwort vorwegnehmen. Vielleicht ist eine Art Wiki-System ein möglicher Lösungsansatz, auch wenn es zurzeit vielleicht eher nicht so aussieht…

Ich finde aber auf jeden Fall, dass wir uns nicht von solchen Einzelentscheidungen wie der Minarett-Abstimmung in der Schweiz völlig verschrecken lassen dürfen. Diese Entscheidung war ein schwachsinniger Fehler, ja, aber weiß jemand eine Regierungsform, die schwachsinnige Fehler ausschließt? Eben. Den Churchill-Spruch, der in so einem Artikel eigentlich nicht fehlen darf, könnt ihr wahrscheinlich nicht mehr hören, deswegen sage ich in Abwandlung eines FischerMüntefering-Zitats: Regierung ist Mist. Lasst das die anderen machen – wir wollen opponieren.


Nimmermehr (30)

3. Dezember 2009

Wir kommen dem Ende zwar immer näher, aber ein bisschen haben wir schon noch vor uns, und für mich wird es immer mehr, das ich anpassen und ein bisschen hinbiegen muss, damit es zum Schluss auch Sinn ergibt. Ich bin gespannt, ob mir das gelingt. Hier ist jedenfalls erst einmal der 30. Teil meines Fortsetzungsromans Nimmermehr. Ich wünsche viel Vergnügen.

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A propos Minarette

1. Dezember 2009

Damit es nicht heißt, ich würde hier nur auf der Schweiz herumhacken:

Art. 139 WeimVerf (Bestandteil des Grundgesetzes gemäß Art. 140 GG): „Der Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage bleiben als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung gesetzlich geschützt.“

So ist das nämlich. Bei uns ist es verfassungswidrig, wenn der Staat seinen Bürgern nicht verbietet, an vier Sonntagen hintereinander ihre Geschäfte zu öffnen. Wegen der seelischen Erhebung. Bloß gut. Ich kenne ein paar Leute, die Sonntags arbeiten müssen, und ich kann euch sagen, die sind seelisch so dermaßen nicht erhoben, das ist echt unschön.

Gut, den Polizisten, Stewards, Kellnern, Köchen, Tankwarten, Krankenpflegern, Feuerwehrleuten, Taxifahrern, Beleuchtern, Kinomitarbeitern, Bahnangestellten, Ärzten, Bademeistern, Fitnesstrainern, Busfahrern, Straßenreinigern, Bäckern, Kraftwerksmitarbeitern, Justizbeamten, Tierpflegern, Journalisten, Elektrikern, Heizungsmonteuren, Pizzaboten, Call-Center-Agents und zahllosen anderen Leuten nützt es nichts, dass das BVerfG jetzt das Berliner Ladenschlussgesetz als teilweise verfassungswidrig eingestuft hat, aber wenigstens können sie sich darüber freuen, dass die Seelen der Einzelhandelsverkäufer nicht mehr in Gefahr sind. Ausgenommen natürlich die, deren Geschäfte sich in Bahnhöfen oder Flughäfen oder so befinden, die müssen trotzdem arbeiten. Aber immerhin. Also, die meisten Einzelhandelsverkäufer dürfen jetzt nicht mehr an vier Sonntagen nacheinander arbeiten. Und da sage noch mal einer, die christlichen Kirchen würden nichts für uns tun.

Ich habe aber noch einen Vorschlag, den ich den Kirchen hiermit gerne nahebringen würde. Es gibt da nämlich eine Berufsgruppe, die schon seit Ewigkeiten dazu verpflichtet ist, am Sonntag zu arbeiten, obwohl das nicht dringend erforderlich ist. Und die Kirchen hätten es in der Hand, dem ein Ende zu machen. Es wäre ganz leicht. Sie müssten dafür niemanden verklagen, und sie bräuchten kein Gesetz und keine Verfassung. Insbesondere die katholische Kirche könnte aufgrund ihrer zentralistischen Struktur sogar weltweit ohne große Mühe dafür sorgen, dass Tausende Priester und Ministranten den Sonntag so verbringen können, wie Gott es sich mal gedacht hat: Als Tag der Arbeitsruhe, und ohne andere Leute mit unnötigem Lärm zu belästigen.


Wer hat’s erfunden?

30. November 2009

Liebe Schweizer,

ich weiß gar nicht, wie ich anfangen soll. Ich bin ein bisschen verwirrt. Deswegen fange ich einfach mal so an:

Liebe Schweizer,

habt ihr eigentlich ganz gewaltig die Pfanne heiß oder was ist da bei euch los?

Ich meine, sicher, ich bin gegen alle Religionen, egal ob Christentum, Zoroastrismus oder eben Islam. Aber ich bin auch gegen „Twilight: New Moon“ und will trotzdem nicht in einem Land leben, in dem so ein Film verboten würde.

Ich war eigentlich immer auf eurer Seite. Euer Bankgeheimnis fand ich cool, und dass ihr es so lange nicht aufgeben wolltet, obwohl alle gegen euch waren, das hatte Stil. Auch dass ihr keine Partei ergreift und euch international aus allem raushaltet, das finde ich gar nicht so schlecht. Ihr wart sogar einer der wenigen Staaten, die uns damals nicht den Krieg erklärt haben. Aber irgendwann ist auch mal gut, meint ihr nicht auch?

Und jetzt mal ehrlich, liebe Schweizer, von allen inhaltlichen Problemen mit eurer gestrigen crazy Volksabstimmung mal abgesehen:

„Der Bau von Minaretten ist verboten.“ In der Verfassung? Das meint ihr doch nicht ernst. Welche Verfassungszusätze habt ihr noch in Planung? „Während der Fahrt nicht mit dem Fahrer sprechen“ und „Tanzen ist illegal“?

السلام عليكم

Euer Muriel


Restebloggen zum Wochenende (18)

29. November 2009
  1. Ich habe in letzter Zeit so viel Gutes über vimeo gehört, dass ich dachte, ich sehe mich dort einfach mal um. Rasend erfolgreich war ich dabei nicht, aber immerhin dieses sympathische Video über ein (fiktives) danebengegangenes Casting im Käsekostüm kann ich euch durchaus empfehlen.
  2. Warum bekommt man eigentlich keine Sahne, wenn man Butter in Milch rührt?
  3. Herm hat hier in drei kurzen Sätzen alles zum Ausdruck gebracht, was ich über solche Advent-ist-im-Dezember-Leute denke:
    „Lustig finde ich dann solche Leute, die sich seit Mitte August täglich darüber aufregen, dass man seit September Dominosteine kaufen kann. Das würde doch schließlich die ganze Stimmung kaputt machen. Feiern die Weihnachten im Edeka oder was?“
  4. Via Nerdcore habe ich ein nettes Video gefunden, das Archäologen zeigt, die in einer Dokumentation im Jahr 3000 über den legendären Superbowl-Sieg der Beatles sprechen.
  5. Aus der FAQ-Sektion der Bedienungsanleitung meines neuen Handrührgeräts:
    Frage: „Was passiert, wenn Mehl in das Gehäuse gelangt?“
    Antwort: „Es passiert nichts, aber versuchen Sie bitte trotzdem, dies zu vermeiden.“
  6. Stefan Niggemeier hat einen und Michalis Pantelouris mal einen ganz anderen Standpunkt zum Disput um Koch und Brender und die anderen Mainzelmännchen.
  7. xkcd erklärt uns in einer simplen Grafik, wie Pandora Radio funktioniert.

Neustart erforderlich

28. November 2009

Kennt ihr diese Männergesellschaften, die man manchmal auch in völlig anständigen Restaurants das Pech hat, irgendwo in seiner Nähe vorzufinden? Ich saß gestern Abend neben so einer. Drei reichlich… äh… bodenständig aussehende Herren um die fünfzig saßen um einen Tisch in einem sehr empfehlenswerten Thai-Restaurant und unterhielten sich in ausreichender Lautstärke, um den ganzen Laden zu belästigen, aber noch nicht laut genug, dass man sich legitimerweise hätte beschweren können.

Zunächst handelte es sich um das übliche traurige Bildzeitungsgeschwätz solcher Leute, bis dann einer von ihnen (Nennen wir ihn Smeagol.) erwähnte, gelegentlich mal online „Herr der Ringe“ zu spielen. Die anderen beiden hängten sich daran – buchstäblich – auf. Das Gespräch geriet in eine Schleife:

Mann 1: „Ey sowas kann man mit 15 machen, aber doch nicht mit 45!“
Smeagol: „Doch, das ist ganz lustig.“
Mann 3: „Aber in deinem Alter kann man sich doch mit so einer Kinderkacke nicht beschäftigen!“
Mann 1: „Frauen sind da aber gar keine dabei, oder?“
Smeagol: „Nee, nie.“
Mann 3: „Mit 15 ist sowas Okay, aber mit 45 doch nicht mehr.“
Mann 1: „Also, das kann doch nix sein, da sind ja keine Frauen dabei.“
Smeagol: „Ich find das gerade gut.“
Mann 3: „Ich würd sowas ja nur spielen, wenn da auch ‘n bisschen Spasss [Nur echt mit mindestens drei S] dabei ist.“
Smeagol: „Macht ja auch Spass.“
Mann 1: „Aber wie soll denn das gehen ohne Frauen?“
Mann 3: „Das ist doch der Club der Onanisten. Lauter Handarbeiter.“
Mann 1: „Ja, lauter Handarbeiter. Der Club der Onanisten.“
Smeagol: „Ach Quatsch.“
Mann 3: „Ja, aber, hör mal, mit 15 ist sowas doch ganz okay, aber mit 45 spiel’ ich sowas doch nicht mehr!“
Mann 1: „Und Frauen triffste da auch nicht. Lauter Handarbeiter.“
[Von hier an Wiederholung ad nauseam]

Gegen Ende versuchte Mann 1 noch mal einen völlig neuen Ansatz und bemühte sich ein paar Minunten lang, Smeagol einzureden, er würde ja sein ganzes Leben nach diesem Spiel ausrichten und die ganze Zeit an nichts anderes denken. Smeagol leugnete das vehement. Auf den Hinweis, er würde sich bestimmt jetzt schon die ganze Zeit darauf freuen, wieder zu seinem Spiel zurückzukommen, erklärte er standhaft, nein, mit den beiden anderen was zu unternehmen, das wäre natürlich viel schöner. Ja nee ist klar.
Schien den anderen aber einzuleuchten, denn die kehrten wieder zu ihrem ursprünglichen Ansatz zurück:

Mann 3: „Das ist doch was für Kiddies. Mit 15 ist das ja vielleicht ganz lustig, aber mit 45 spiel’ ich sowas doch nicht mehr!“


Nimmermehr (29)

28. November 2009

So, jetzt ist es passiert, mir ist ein ärgerlicher Fehler unterlaufen. Im vorletzten Teil von Nimmermehr taucht so ein Junge namens Julian auf. Und mir ist nicht aufgefallen, dass der Junge, dessen PSP Lenore am Anfang rettet, auch schon Julian hieß. Das wäre wahrscheinlich nicht weiter schlimm, und ihr hättet es vielleicht auch gar nicht bemerkt, wenn dieser Julian vom Anfang in diesem Kapitel nicht wieder auftauchen würde. So wird es nun also ziemlich verwirrend, und ich muss euch zerknirscht darum bitten, einfach so zu tun, als hätte der Junge im Zelt gar nicht Julian geheißen, sondern… sagen wir, Felix. Ich korrigiere das dort auch noch bei nächster Gelegenheit.

Jetzt geht es aber erst einmal weiter mit dem 29. Teil von Nimmermehr:

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BILD dir dein Interview

26. November 2009

Kai Diekmann hat der FAZ ein Interview gegeben, in dem es vorrangig um die taz und seine Beziehung zu ihr geht. Auf den ersten Blick kommt er dabei einigermaßen sympathisch rüber und sagt eigentlich nichts, auf das ich direkt mit dem Finger zeigen und das ich mit „Da! Typisch BILD! Ich hab’s ja gewusst!“ kommentieren könnte.

Völlig in Ordnung ist sein Auftritt aber trotzdem nicht, und ich sehe auch gar nicht ein, dass Kai Diekmann irgendwas sagen darf, ohne dass ein Aufschrei der Empörung durch die deutschen Blogs geht. Seine Behauptung

„Statt wie geplant bis zum Jahresende den 9000. [taz-]Genossen gewinnen zu können, gibt es die ersten Abo-Kündigungen.“

klingt für mich erst einmal nach einer Verdrehung der Wahrheit und damit doch wieder BILD-typisch, mal ganz davon agesehen, dass sie grammatikalisch bis an die Grenze der Unverständlichkeit verhunzt ist. Leider habe ich nicht genug journalistische Ambition auf die Schnelle keine Möglichkeit gefunden, die Abonnentenzahlen der taz zu überprüfen, aber ganz unabhängig davon, wie die sich entwickeln, finde ich diesen Satz vergleichbar mit der These:

„Statt wie geplant bis zum Jahresende den CO2-Ausstoß um 10% reduzieren zu können, war der Sommer schon wieder ziemlich warm.“

Das Erste hängt nur lose mit dem Zweiten zusammen, und außerdem ist das Zweite völlig normal und eigentlich immer so.

Ebenfalls gewagt kommt mir die folgende Behauptung von Diekmann vor:

„Boulevard ist erfolgreich – wenn man ihn betreibt wie wir. Was die taz macht, ist allerdings Boulevard der siebziger Jahre, sozusagen die Eis-am-Stil-Phase: Sex und Zoten.“

Ähm… Ja. Bei BILD gibt es eben noch Angst, Hass und den Wetterbericht dazu. Dass man damit erfolgreicher ist, lässt sich wohl nicht bestreiten, aber noch so zu tun, als spiele man auf höherem Niveau, ist dreist. Und übrigens: Kann mir jemand mal sagen, warum Diekmann immer „Eis am Stil“ schreibt? Ist das ein Insider-Witz, den ich nicht verstehe?

Ich finde es verstörend, dass die FAZ sich für so ein plumpes Gefälligkeitsinterview hergibt. Nennt mich paranoid, aber nachdem ich das Interview nun dreimal gelesen habe, ist mir immer noch keine Möglichkeit aufgefallen, wie Diekmann es hätte besser machen können, wenn er das ganze Interview einfach alleine geschrieben hätte. Er hat damit Übung. Ich würde den entsprechenden Beitrag in seinem Blog verlinken, kann das aber nicht mit meinem Gewissen vereinbaren.