Bright Outlook (4)

25. Januar 2012

nothingelse89 hat es vorgeschlagen, und da habe ich gedacht, ich könnte ja wirklich mal das neue Bright-Outlook-Kapitel veröffentlichen.

Bitteschön.

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Was ich nicht verstehe (1)

24. Januar 2012

So viele Differenzen gibt es in der Regel gar nicht in der Argumentation, wenn ich mit Gläubigen diskutiere. Dafür immer wieder dieselben wenigen. Das ist keine neue Erkenntnis, aber ich habe kürzlich ein paar erfreulich kompakte, aktuelle und repräsentative Beispiele entdeckt, die ich mit euch völlig ungeordnet und konfus rummäandernd, beinahe gedankenstromhaft besprechen möchte. Wer diese Art von Posts nicht mag (Ich rede mit dir, malefue.) ist gewarnt, alle anderen folgen mir bitte hinter den Trennstrich.

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Gerichtsbekannt

19. Januar 2012

Ein Richter des Amtsgerichts Köln hat im April 2011 (Ich weiß, ich bin ein bisschen hinterher in meiner NJW-Lektüre.) offenbar den xkcd-Comic zur Zitogenese mittels Wikipedia gesehen

,

sich gedacht: „Warum so kompliziert, wenn es auch einfach geht?“, und sich in seiner Urteilsbegründung einfach direkt auf Wikipedia bezogen. Oder, wenn man es technisch mag: Nicht ganz direkt. Er hat sich auf eigene Kenntnis berufen und diese wiederum auf Wikipedia gestützt.

Für den Kläger war es in diesem Fall sicherlich nicht so lustig, denn es hat ihn (mutmaßlich) den Prozess gekostet. Ich finde die Argumentation des Gerichts in ihrer Offenheit irgendwie rührend. Stark verkürzte Vorgeschichte: Ein Mieter fand es doof, dass sein Vermieter bei der Sanierung von Rohren ein Epoxidharz verwendet hatte, denn das sei krebserregend, und er habe jetzt kein Trinkwasser mehr. Er kürzte die Miete. Der Vermieter verklagte ihn dafür, und verlor, denn:

Es ist dabei gerichtsbekannt, dass Epoxidharz Komponenten enthält, die gesundheitsschädlich sind. Dabei bezieht sich das Gericht auf den Artikel der freien Enzyklopädie Wikipedia zum Thema Epoxidharz. Danach besteht die Harzkomponente aus den Stoffen Bisphenol A und Epichlorhydrin. Bisfinol A wird als endokriner Disruptor verdächtigt, das bedeutet, dass dieser Stoff wie ein Hormon wirken und so das empfindliche Gleichgewicht des Hormonsystems des Menschen stören kann. Gerichtsbekannt ist ferner, dass solche endokrinen Disruptoren schon in geringsten Mengen zu Störungen im endokrinen System führen können. Der Stoff Epichlorhydrin ist laut Wikipedia weiterhin bekannt als giftig und im Tierversuch krebserzeugend. Daher steht zur Überzeugung des Gerichts fest, dass das Wasser in der Wohnung des Beklagten im streitgegenständlichen Zeitraum als Trinkwasser nicht geeignet war und zur Körperhygiene nur bedingt geeignet war. Dies rechtfertigt eine Mietminderung von 20 % monatlich.

Wow.

Nicht nur, dass Wikipedia als Quelle für derartige Erkenntnisse schon a priori ungeeignet ist: Das Gericht unterstellt hier etwas als wahr, weil jemand ins Internet geschrieben hat, dass der Verdacht besteht, dass es so sein kann. Ich würde meinen, dass man nicht mal Jura studiert haben muss, um zu erkennen, dass eine solche, ähem, Beweiswürdigung rechtsstaatlich nicht ganz sauber ist, aber wahrscheinlich wird ein elitärer Volljurist wie dieser Richter sich dergleichen von einem Stümper wie mir nicht sagen lassen, deshalb fahre ich eine unanfechtbare Autorität auf, um meine Kritik zu untermauern. Reicht sicher als Berufungsbegründung.

Sachen gibt’s.


Restebloggen (80)

16. Januar 2012
  1. Ich bin ja gerade ganz außerordentlich angetan von Camelot. Das liegt, anders als die Zyniker unter euch vermuten mögen, weniger an Eva Greens von Szene zu Szene nur leicht variierender Entkleidung, als daran, dass ich meine Liebe zu Joseph Fiennes entdeckt habe und außerdem von der durchaus originellen Herangehensweise an den historischen Stoff sehr angenehm überrascht wurde. Ich hatte mir das alles wesentlich billiger vorgestellt, in jeder Hinsicht. Und ja, ich war halt schon immer ein Fan dieser ganzen Sagenwelt um Merlin und Excalibur und Morgan Le Fay, auch wenn ich mit den Details noch in keiner Version so ganz glücklich war. Alles muss man selbst machen.
  2. Und die gegenteilige Erfahrung, als ich mir spontan mal ein Album der Wise Guys kaufte. Bah. Was hab ich mir denn da gedacht?
  3. Thomas Michalski erklärt Buchfreunden Unterschied zwischen dem Vorsatz, der Doublure, und dem Schmutztitel. Und weil das aus grammatischen Gründen hier nicht deutlich wird, für die, die dem Link nicht folgen: Es heißt das Vorsatz.
  4. Klar. Wenn man festgestellt hat, dass Subventionen Unternehmen begünstigen, die nicht wettbewerbsfähig sind, und damit uns allen schaden, dann ist die logische Konsequenz die Forderung nach… Subventionen für andere Unternehmen? Hm…
    Ein bisschen ausführlicher erklärt dieses Video hier das Problem mit dem Film „The Story of Broke“ und seinem weit verbreiteten Denkansatz:

    [via ars libertatis]
  5. Alle, die sci-ence noch nicht kennen, sollten das dringend ändern. Sofort. Jetzt. Ich warte solange hier.
  6. BASF verlagert die Forschung an der grünen Gentechnik in die USA. Glückwunsch, Europa. Weiter so. Aber das muss ich dir ja nicht sagen. Du machst das schon.
  7. Kazim kann sich nicht erklären, warum manche Leute behaupten, Printmedien lägen im Sterben:
    „The New York Times public editor asks something which is, IMHO, a fairly startling question:Should The Times Be a Truth Vigilante?

    And by “vigilante,” apparently, they mean: Should the NYT bother to note whether the things people say are true or not?“


Ohne Sonntag gibt es nur noch Werktage

15. Januar 2012

Und an Sonntagen wie diesen wünsche ich mir diesen Zustand noch dringlicher herbei als sonst schon.

Ich hasse meine Dissertation. Aber immerhin bin ich mir der liebevollen Betreuung meines Doktorvaters gewiss, der mir unmissverständlich mitteilt, was er von mir erwartet.

(Ja, ich weiß, ich bin eher der Letzte, der sich über anderer Leute Handschrift lustig machen sollte. Ich wollte euch trotzdem gerne teilhaben lassen.)


Taschentuch? (4)

14. Januar 2012

Diese ganze Geschichte mit den auf tote Taliban urinierenden Marines weckt in mir ein ziemlich buntes Potpourri aus Reaktionen, die ich zur Förderung einer vielfältigen Diskussion einfach mal gedankenstromhaft hier veröffentliche, gemeinsam mit der Aufforderung, mich an euren eigenen Gedanken dazu teilhaben zu lassen:

  1. Ui, ja, das ist wirklich traurig, wenn ein Staat nicht mal seine Soldaten (also diejenigen unter seinen Angestellten, über die er den größten Einfluss ausüben kann, in einem Umfang, von dem jeder private Unternehmer nur in besonders erfreulichen Träumen… Äh, falsches Thema.) so weit im Griff hat, dass sie ihre peinlichen Untaten wenigstens nicht auch noch bei YouTube veröffentlichen, wenn sie sie schon nicht ganz unterlasssen können.
  2. Was haben diese Leute sich dabei gedacht? Da war doch bestimmt auch so jemand wie eine Führungskraft dabei (Oder?). Hätte nicht zumindest der auf die Idee kommen können, dass man den Quatsch vielleicht lieber nicht filmen sollte? Hätte das nicht Erinnerungen an gewisse andere Präzedenzfälle wecken sollen?
  3. Ist die Bewertung des ganzen Vorfalls nicht andererseits ausgesprochen sonderbar? Ich meine, niemand bezweifelt, dass es in Ordnung war, diese Taliban-Kämpfer zu erschießen. Aber so schlimm, dass man auf sie pissen darf, waren sie dann doch wieder nicht? Ich bin kein Taliban, aber meine Prioritäten stehen in einer anderen Reihenfolge.
  4. Ja, ich weiß. Sie zu erschießen, war erstens erforderlich, um den Auftrag auszuführen, und zweitens zur Selbstverteidigung unvermeidlich. Danach auf sie zu pissen, ist einfach nur ein unnötiger Akt der Respektlosigkeit, der außerdem (wie man gerade sieht) besagtem Auftrag großen Schaden zufügen kann.
  5. Aber trotzdem: In diesem Konflikt sterben offenbar jährlich Tausende von Zivilisten, und wir nehmen das relativ gelassen hin, aber wenn ein paar amerikanische Soldaten auf die Leichen von ein paar gegnerischen Soldaten urinieren, dann ist das ein Skandal? Hm.
  6. Um noch mal auf die Respektlosigkeit zurückzukommen: Wenn ich das richtig verstehe, kämpfen die Taliban dafür, ein gewaltgestütztes Terrorregime zu errichten, in dem sie Frauen und andersgläubige unterdrücken und misshandeln können. Ich bin nicht sicher, ob gegenüber solchen Leuten nicht noch deutlichere Signale von Respektlosigkeit angemessen wären, aber ich will lieber keine konkreten Vorschläge machen. (Und ja, ich weiß, der Rechtsstaat, der ja irgendwie auch von seinen Soldaten repräsentiert wird, sollte sich nicht auf das Niveau seiner Gegner herabbegeben, s. Punkt 1, aber das fiel mir eben gerade zum Respekt ein.)
  7. Ihr bornierten Arschlöcher! Ihr schickt einen Haufen junger Leute in die so ziemlich unmenschlichste Situation, die man ich vorstellen kann, nämlich in einen Krieg, und dann spielt ihr die schockierten Tugendwächter, wenn sie sich in dieser Situation nicht mehr ganz so zivilisiert benehmen, wie ihr das von ihnen erwartet? Ihr schickt Jugendliche mit Gewehren und Granaten los, um andere Leute zu töten, und seid dann völlig entsetzt, wenn sie danach noch einen geschmacklosen Witz machen? Ich glaub auch.
  8. Kann es sein, dass immer noch enorm viele Leute die Vorstellung mit sich herumtragen, es gäbe so etwas wie einen sauberen, anständigen Krieg? Kommt daher vielleicht diese bei manchen ja gewiss aufrichtige Entrüstung über solche Vorfälle? Aber wie geht denn das? Wie kann einem denn nicht klar sein, dass Krieg immer furchtbar, immer unmenschlich, immer grauenvoll und unsittlich und rundum doof ist? Dadurch wird das Verhalten dieser Marines nicht legitimiert, und schon gar nicht echte Abscheulichkeiten wie Abu Ghreib, aber man kann solche Entgleisungen doch nun wirklich nicht unbegreiflich oder überraschend finden. Oder?

Morality ends where a gun begins

12. Januar 2012

Unter anderem aus einem aktuellen Anlass möchte ich um Meinungen zu einer Sache bitten, die mich oft an der Argumentation weniger radikal liberaler Leute erstaunt, und die diese umgekehrt oft bei mir nicht zu verstehen scheinen. Ich glaube, ich kann mich dabei ziemlich kurz fassen, aber das habe ich schon oft geglaubt. Schaumermal. Im Kern geht’s um diese These:

Egal, wie nett man es auch umschreibt, jedes Gesetz, jeder Verwaltungsakt, jede vom Staat ausgehende Vorschrift hat letzten Endes den Inhalt: Tu, was wir dir sagen, oder wir fügen dir Schaden zu. Egal, wie demokratisch legitimiert, wie scheinbar vernünftig und menschenfreundlich, wie rational formuliert auch immer eine solche Vorschrift ist, am Ende beruht sie auf der Drohung mit der Staatsgewalt. Am Ende steht nicht die Vernunft, die Übereinkunft rationaler Menschen, sondern eine geladene Waffe. Oder zumindest jemand in Uniform mit verstärkten Handschuhen.

Aus meiner Sicht steht es einem Menschen grundsätzlich nicht zu, einen anderen Menschen mit Gewalt zu irgendetwas zu zwingen. Es ist für mich nur in ganz besonderen Ausnahmesituationen akzeptabel, Zwang gegen Menschen auszuüben, nämlich grob gesagt nur dann, wenn von diesen eine direkte Gefahr für mich oder Dritte ausgeht. Sonst nicht. Ich finde auch, dass die Anzahl oder der relative Anteil der Mitglieder einer Gesellschaft, die einer Zwangsmaßnahme zustimmen, keinen Einfluss auf die moralische Bewertung dieser Maßnahme hat.

Ist das für euch so trivial und offensichtlich wie für mich, oder sind wir uns da schon uneinig? Falls ersteres, könnt ihr aufhören zu lesen. Falls letzteres, führe ich es für euch noch ein bisschen aus:

Ich halte deshalb zum Beispiel viele der Vorschriften in unserem Strafgesetzbuch für eine gute Sache, denn sie dienen (großenteils) nur dazu, Menschen vor Gewalt durch andere Menschen zu schützen. Das ist die Aufgabe des Staates, und dazu die Staatsgewalt einzusetzen, ist legitim.

Und ich halte deshalb zum Beispiel das Allgemeine Gleichstellungsgesetz für eine völlig inakzeptable Sache, denn es dient nur dazu, Menschen zu zwingen,  ihre eigenen (wenn auch unvernünftigen) Interessen denen anderer unterzuordnen. Der Arbeitgeber, der mich nicht einstellt, weil ich nicht an seinen Gott glaube, stellt keine unmittelbare Gefahr für mich dar. Er hat einfach entschieden, dass er meine Leistung nicht in Anspruch nehmen will. Ich finde das idiotisch von ihm, aber ich finde, dass es niemandem zusteht, ihn mit Gewalt dazu zu zwingen, meine Leistung doch zu beanspruchen, und mir sein Geld dafür zu geben. Und ich finde es auch offensichtlich, dass dieser Zwang moralisch die weitaus größere Untat ist, verglichen mit dem Entschluss, jemanden aus noch so verwerflichen Gründen nicht einzustellen.

Dass es darüber hinaus dann noch mehr oder weniger von meiner abweichende Vorstellungen von einer direkten Gefahr geben kann („Aber wenn es keinen öffentlich-rechtlichen Rundfunk gibt, können die Menschen sich nicht mehr zuverlässig informieren, und dann bricht erst unser ganzes Politisches System zusammen, dann der Rest der Gesellschaft, und ein paar Tage später geht die Welt unter.“) ist auch klar. Und ich bin mir selbst auch nicht sicher, wo genau die Grenze verläuft. Sind Geschwindigkeitsbeschränkungen im Straßenverkehr okay? Was ist mit dem Verbot des Fahrens unter Drogeneinfluss? Alles Dinge, zu denen man mit guten Argumenten verschiedene Positionen vertreten kann.

Oft scheint es mir aber schon an diesem ersten, grundlegenden Konsens zu fehlen, dass wir gewaltsamen Zwang vermeiden sollten, wo immer das irgendwie möglich ist. Ich habe das Gefühl, dass viele Leute, die irgendwelche Gesetze verteidigen oder fordern, sich gar nicht klarmachen, dass sie sich damit herausnehmen, gewaltsamen Zwang gegen andere auszuüben. Und ich habe das Gefühl, dass weder die Mitglieder unseres Bundestages noch ein großer Teil ihrer Wähler ein Bewusstsein dafür haben, welche enorme Verantwortung mit der Macht einhergeht, etwas zu beschließen, was dann mit Gewalt gegen andere Menschen durchgesetzt wird. Wie anders wäre zu erklären, dass in diesem Land ernsthaft Fernseh- und Radiosendern vorgeschrieben wird, wann und wie oft und auf welche Weise sie Werbung senden dürfen, ohne dass sich auch nur jemand besonders daran stört?

Wie seht ihr das? Also, die Grundsatzfrage, nicht unbedingt das mit der Werbung.

Und ja, ich weiß, es ist dann natürlich trotzdem nicht kurz geworden. Aber denkt andererseits mal drüber nach, wie lang es hätte werden können, wenn ich nicht versucht hätte, mich kurz zu fassen.

Ja, genau.


Ich mag VW ja auch nicht, aber aus anderen Gründen. Und Greenpeace mag ich natürlich noch weniger. Ja, die Überschrift ist zu lang. Und? Verklagt mich!

11. Januar 2012

Ich wüsste ein paar ganz gute Antworten, die ich aber an Volkswagens Stelle wahrscheinlich auch nicht den Mumm hätte zu schreiben. Zum Glück bin ich nicht an Volkswagens Stelle.

Meine spontane Reaktion ginge in die Richtung von: „Why don’t you all stop bitching and put your money where your mouth is? You can make us make „green“ cars. It’s easy, although maybe not quite as easy as trolling our new year’s message and trying to bully us into consenting to be forced to comply with your idea of morality: Fucking buy some.“

Wäre ich doch an Volkswagens Stelle, wäre ich natürlich vorsichtiger und würde was versuchen in der Richtung von: „Thank you! We really appreciate your feedback and will continue to try our best to further reduce the environmental impact of our cars, but since our first responsibility is to our customers, please understand that we will always put their needs above your petty and shortsighted ideas of morality and sustainability, and of course we put our bank accounts above your stupid „mother earth“, who do you think you’re talking to? So kindly fuck off and please take your stinking shallow cheap Greenpeace ideals with you, because we… Oh. Sorry. Is this thing already on? Whoops.“

Hm. Ich schätze, es ist echt gut, dass ich nicht an Volkswagens Stelle bin.


Oh Jungejungejungejunge!

10. Januar 2012

Ich habe das mit den Autogrammen nie verstanden. Vielleicht liegt es daran, dass ich noch nie so richtig ein Fan von jemandem war. Aber heute ist trotzdem einer der besten Tage dieses Jahres und meines ganzen Lebens überhaupt.

Aber das mit den Autogrammen verstehe ich immer noch nicht.


Geht sterben (2)

10. Januar 2012

Ja, ich weiß, aus meiner „Geht sterben“-Serie ist noch nicht viel geworden bisher. Ich versichere aber, dass das weder vorrangig an Restsympathie für diese unerfreuliche gelbe Partei liegt, noch an mangelnden Gelegenheiten, sondern vor allem daran, dass die FDP es auch ohne zusätzliche Aufforderung von mir mit dem Sterbengehen sehr ernst zu meinen scheint und es mir manchmal schwer fällt, jemanden zu treten, der bereits am Boden liegt, auch wenn er fortwährend behauptet, er hätte bloß gerade was verloren und würde gleich wieder aufstehen.

Die FDP lehnt also die Einführung einer Finanztransaktionssteuer ab. Gute Sache, denn schließlich ist das eine ärgerlich dumme Steuer, die wohl vor allem dem in der Bevölkerung noch vorhandenen Bedürfnis dienen soll, es diesen verfemten Spekulanten endlich mal zu zeigen, die uns unser schönes Europa kaputtmachen wollen? Nein, keine gute Sache, denn wie so oft kommt es nicht nur auf das Ergebnis, sondern auch auf die Gründe an.

„Eine solche Steuer muss für alle EU-Staaten gelten, nicht nur für die Euro-Staaten“, mahnte Wirtschaftsminister Rösler, der auch FDP-Vorsitzender ist. „Sonst führt die Finanztransaktionssteuer zu Wettbewerbsverzerrungen und belastet unseren Finanzstandort Deutschland einseitig.“

Ach so… Eine Wettbewerbsverzerrung nennen wir das jetzt, wenn die Wettbewerbsteilnehmer sich nicht über ihre Preise absprechen? Und das Problem mit so einer willkürlichen sinnlosen Steuer ist natürlich nicht, dass sie willkürlich und sinnlos ist, solange sie nur alle Standorte gleichmäßig belastet. Ja, ich weiß, er meint mit das mit den Wettbewerbsverzerrungen anders, aber ich finde die Frage schon berechtigt, warum es eigentlich eine Straftat ist, wenn Unternehmer sich über ihr Wettbewerbsverhalten absprechen, um niemanden einseitig zu belasten, während es bei Staaten offenbar ein unabdingbares Gebot der politischen Vernunft sein soll.


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